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45 neue Erzieher gegen Notstand in den Kitas

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Es ist eine Herkulesaufgabe, vor der die 57 städtischen Kindertagesstätten stehen. Doch ein starker, muskulöser Held reicht längst nicht aus, um die stetig wachsenden Herausforderungen in der frühkindlichen Betreuung und Erziehung zu schultern.

Daher hat der Personal- und Verwaltungsausschuss am Mittwoch entschieden, dass insgesamt 45 neue Stellen den personellen Notstand in den Kitas lindern sollen. Doch vom Personalrat hagelt es bereits Kritik: Die Aufstockung reiche beileibe nicht aus, moniert Personalratschefin Karola Hoch.

Einen weiteren Haken hat der von den Parteien am Mittwoch positiv aufgenommene Vorschlag von Verwaltungsseite aber: Denn die Personalaufstockung kann nur Zug um Zug bis 2018 umgesetzt werden. Nicht zuletzt deswegen, weil der Erzieher(innen)-Stellenmarkt insbesondere durch den U3-Ausbau wie leergefegt ist, argumentiert die Verwaltung. „Wir sind als Stadt Aachen nicht alleine darauf angewiesen, weitere Erzieher einzustellen. Auch andere Kommunen suchen händeringend nach geeigneten Kandidaten“, sagte Rita Klösges vom städtischen Presseamt gegenüber der AZ. Personalratsvorsitzende Hoch lässt das nicht gelten. Sie hält die Vorgehensweise der Stadt für „nicht nachvollziehbar und akzeptabel“. Auch die Politiker bedauerten den Status Quo im Ausschuss – vor allem mit der Folge, dass der Missstand nicht zügiger behoben werden kann. Doch am Ende sei man finanziell in einem sehr engen Korsett unterwegs. Große Sprünge für die kleinen Aachener sind nicht drin.

Daher hat der Ausschuss dem Stadtrat empfohlen, auf den laut Vorlage „massiven personellen Fehlbedarf“ mit einem sukzessiven Ausbau des Kita-Personals ab Sommer 2014 zu beginnen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kitas bewegen sich längst im roten Bereich, weiß Karola Hoch. An vielen Stellen herrschen arge Personalengpässe. Etwas Erleichterung hätten zwar die 57 Küchenhilfen gebracht, die im Herbst von Stadtseite eingestellt wurden. Doch dies würde bei weitem nicht ausreichen, betont Karola Hoch. Ebenso wie die nun genehmigten 45 weiteren Stellen.

Viele klagen schon jetzt über die enorme Arbeitsbelastung, die Zahl der krankheitsbedingten Ausfälle steigt rasant. Und Karola Hoch weist darauf hin, dass die Anforderungen weiter steigen: Ab dem Kindergartenjahr 2014/15 übernehmen Erzieher den Job der Sprachstandserhebungen. Den haben bisher Grundschullehrer ausgefüllt. „Dies wird unweigerlich und auch bekanntermaßen zu erheblichen Belastungen und Mehrarbeit für das pädagogische Personal führen“, so Hoch.

Zwei Mitarbeiterinnen des städtischen Personalamts haben im vergangenen Jahr in einer internen Organisationsuntersuchung Bestand und Bedarf an städtischen Kitas erfasst. Hoch spricht nun von „unterschiedlichen Rechenarten“, wie viele Stellen tatsächlich fehlen. Der Personalrat spricht von 80, laut Vorlage werden nun erst einmal 45 Erzieher über vier Jahre hinweg eingestellt. Hochs Fazit: „Das ist zu wenig, das Tempo ist zu langsam.“

Fleißig gerechnet wird derzeit auch noch in den Fachbereichen, wie teuer die Einstellung der zusätzlichen 45 Fachkräfte bis 2018 die Stadt zu stehen kommt. „Daher konnte dazu im Personal- und Verwaltungsausschuss noch nichts gesagt werden“, so Klösges.

Ab Sommer 2014 werden zunächst bis Mitte 2018 jährlich fünf zusätzliche Stellen eingerichtet, zehn weitere sollen von 2015 bis 2017 und nochmal fünf im Kita-Jahr 2017/18 folgen. Zudem soll an anderer Stelle aufgestockt werden: Die Zahl der Mitarbeiter(innen) im Anerkennungsjahr steigt ab dem 1. August von bisher 18 auf 35. Bislang war eine Erhöhung auf lediglich 25 vorgesehen. Alle Stellen sollen – sofern möglich – unbefristet ausgeschrieben werden.

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