42.000 Euro aus der Kasse ergaunert? Die klaren Beweise fehlen

Von: hau
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Bäcker wird wohl auf seinem Schaden sitzen bleiben. In einem außergewöhnlichen Prozess vor dem Aachener Arbeitsgericht wollte der Chef einer Bäckereikette von einer ehemaligen Mitarbeiterin mehr als 42.000 Euro erstreiten, die diese sich nach seiner Lesart zu Unrecht aus der Unternehmenskasse ergaunert hatte.

Es ging um Pfandgutschriften, die die zur Tatzeit noch jugendliche Verkäuferin in die eigene Tasche geleitet haben sollte. Aufgeflogen war die krumme Tour durch einen Zufall Ende Juli 2010.

Da musste nämlich der Supermarkt, in dem sich eine der 26 Filialen des Handwerksbetriebes befand, geräumt werden. Deshalb, so trug die Chefetage vor Gericht vor, habe die Angestellte nicht mehr die Gegenbuchungen, die ihre Manipulationen üblicherweise verdeckten, ausführen können. Erst am nächsten Morgen habe sie sich unter einer anderen Personalnummer eingeloggt und den Griff in die Kasse wieder bereinigt. Was die junge Frau aber nicht habe wissen können: Das ungefälschte Kassenjournal war nachts automatisch in die Zentralbuchhaltung übermittelt worden, es fehlten rund 465 Euro. Bei einem Pfandwert von 15 Cent pro Gebinde ein enormer Betrag, Anlass für eine sofortige Kassenrevision. Bis zu 3000 Cola- oder Limoflaschen hätten demnach an einem Tag in einer Filiale angenommen werden müssen, in Wahrheit seien es aber durchschnittlich nur 15.

Die meisten Pfandgutschriften gab es in den Filialen, in denen die junge Frau tätig war. Die Chefetage forschte nach und kam schließlich auf 42.000 Euro, die die Verkäuferin unterschlagen haben sollte. Diese hatte schon am ersten Prozesstag vor dem Arbeitsgericht die Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Ihr Anwalt hatte die Vermutung geäußert, dass es auch andere Beschäftigte der Bäckereikette gewesen sein könnten.

Der Geschäftsführer. gestand im zweiten Verhandlungstermin durchaus zu, dass es bei der Pfandrückgabe, ebenso wie bei den Retouren, eine Lücke im System gebe. Wenn ein Kunde eine Pfandflasche abgebe, müsse die angenommen werden und könne letztlich erst später mit dem Lieferanten abgerechnet werden. Eine genaue Erfassung in der Zwischenzeit sei nahezu unmöglich. Zwar nehme man interne Kontrollen vor und schaue sich die eigenen Leute genau an, aber: „Ein solches Controlling haben wir nicht.“ So sei auch zu erklären, dass die Manipulationen über Jahre hinweg unentdeckt blieben.

Die 2. Kammer des Arbeitsgerichts konnte der Vortrag des Geschäftsmannes jedoch nicht überzeugen. Vorsitzender Richter Klaus Brondics gestand zwar zu, dass es sich um erhebliche Unregelmäßigkeiten gehandelt habe: „Man muss feststellen, dass jemand mit krimineller Energie am Werk war. Anders lassen sich diese Buchungen nicht erklären. Die Frage ist nur, ob sie der Beklagten zugeordnet werden können.“ Die junge Frau sei zwar manche Erklärungen schuldig geblieben, etwa mit wem genau sie zusammengearbeitet habe und wie sie an die Personaldaten von Kolleginnen gekommen sei, dennoch sei dieser Fall nur sehr schwierig zu lösen.

Der Jurist machte deshalb einen Vorschlag zur Güte: Die junge Frau zahle „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ einen Betrag von 2000 Euro, in Raten à 50 Euro, „und dann gehen die Parteien auseinander“. Dem verweigerte sich jedoch der Geschäftsführer nach Beratung mit seinem Rechtsanwalt: „Der Vergleich kommt nicht in Betracht.“ Deshalb musste die Kammer ein Urteil fällen, und das ging negativ für die Bäckereikette aus. Ihre Klage auf Zahlung von 42 000 Euro wurde abgewiesen.

Zur Begründung berief sich das Gericht auf den – verbindlichen – Tarifvertrag für das Bäckereihandwerk. Der sieht nämlich vor, dass wechselseitige Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag spätestens drei Monate nach Beendigung geltend gemacht werden müssen, diese Frist sei aber nicht eingehalten worden. Brondics kritisierte auch, dass ein Strafverfahren übermäßig lange gedauert habe, das sei ein Unding. Es war 2010 eingeleitet worden, aber erst 2014 eingestellt worden. Die Begründung damals: Die junge Frau sei durch die übermäßig lange Verfahrensdauer schon genug belastet. Dem Bäcker bleibt jetzt nur die Berufung beim Landesarbeitsgericht.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert