40 Jahre Telefonseelsorge Aachen-Eifel: „Die Not hat viele Gesichter“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Jahrzehntelang Menschen in Nöten geholfen: Christa Moré (l.) und Erika Janssen gehörten zu den Pionieren der Telefonseelsorge Aachen-Eifel, die jetzt 40-jähriges Bestehen feiert. Die Wichtigkeit der Einrichtung betonen Generalvikar Dr. Andreas Frick (stehend v.l.), Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, Christel Pott (Bischöfliches Generalvikariat) und Pfarrer Frank Ertel als Leiter der Telefonseelsorge. Foto: Andreas Schmitter

Aachen/Nordeifel. Es war vor 40 Jahren ein Gegenentwurf zur Werbekampagne „Fasse Dich kurz“ des staatlichen Telefonanbieters. Zeit zu haben, um dem anderen zuzuhören – das ist bis heute das Motto der Telefonseelsorge Aachen-Eifel geblieben. Was sich so einfach anhört, ist eine der größten seelsorgerischen Herausforderungen.

Denn die Sorgen und Nöte der Anrufer – 500.000 waren es seit Bestehen des ökumenisch organisierten Angebots – sind in aller Regel elementar: Einsamkeit, psychische Erkrankungen, akuter Missbrauch, Suizidpläne, Sterben…

„Statistisch ruft alle zweieinhalb Tage jemand an, der sich das Leben nehmen will“, nennt Pfarrer Frank Ertel, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge, nur eins der Themen, die immer wieder durch den Hörer ans Ohr und ans Herz der Ehrenamtlichen dringt. „Die Not hat viele Gesichter“, bestätigte Christel Pott, Abteilungsleiterin „Pastoral in Lebensräumen“ des Bischöflichen Generalvikariats.

Erika Jansen und Christa Moré gehörten 40 Jahre lang zum mittlerweile über 80-köpfigen Team der Telefonseelsorge Aachen-Eifel, das 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag gewährleistet, dass unter den bundeseinheitlichen Rufnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 in der Region jemand zu erreichen ist. Jetzt legten sie ihr Amt nieder und konnten damit erstmals öffentlich über ihr Engagement berichten.

Sie haben wohl jede menschliche Gefühlsäußerung mehrfach erlebt. Durch ihr Ehrenamt wissen sie: „In jedem Mensch steckt eine Perle. Wir sind im Gespräch immer auch Lernende“, bestätigte Jansen die unbedingt notwendige Unvoreingenommenheit dem Anderen gegenüber. Wohl kaum wäre die gelernte Fremdsprachensekretärin sonst zum Beispiel mit der Lebenswirklichkeit einer Flaschensammlerin in Kontakt gekommen, die nachts ihr Revier verteidigen muss. Oder hätte nachvollziehen können, warum eine 15-Jährige den Tod durch Tabletten vorzieht, als weiterhin durch den Vater missbraucht zu werden. „Diese Arbeit ist nicht romantisch“, betonte Ertel. Und dafür gebe es nicht einmal öffentliche Reputation.

So bekommt die professionelle Betreuung der Ehrenamtlichen einen immens wichtigen Stellenwert: Intensive Seelsorge-Ausbildung, Supervision im Notfall auch sofort, eine sich tragende Gemeinschaft von Ehrenamtlichen sind unabdingbar. „So ist es möglich, dass wir im Dienst unsere eigenen Probleme zurückstellen können“, sagte Moré.

„Das Schweigen auszuhalten, ist am Telefon noch viel schwieriger als sonst. Nicht, weil niemand redet, sondern wegen der Sorge um den anderen. Ich habe ja nichts in der Hand außer den Telefonhörer“, berichtete Superintendent Hans-Peter Bruckhoff von seinen Eindrücken nach anderthalb Stunden Dienst in der Telefonkabine, den er und Generalvikar Dr. Andreas Frick anlässlich des Jubiläums absolvierten. „Das Vertrauen der Menschen dem anonymen Telefonseelsorger gegenüber ist überwältigend.“ Frick lobte: „Solche Dienste bringen die Kirche zu den Menschen.“

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