Aachen - 40 Jahre Domkeller: Dieser Tresen trotzt allen Stürmen der Zeit

40 Jahre Domkeller: Dieser Tresen trotzt allen Stürmen der Zeit

Von: Matthias Hinrichs
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Es läuft und läuft und läuft: Seit 40 Jahren haben die Betreiber des Domkellers ein echtes Stück Kneipentradition fest im Griff - auch die dritte Generation im Familienbetrieb steht sichtlich schon in den Startlöchern. Foto: Andreas Steindl
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Unser Bild zeigt von links Mika und Tim Salagoudis, Sandra Salagoudi, Mitinhaber Georgios Markakos, Hilde Salagoudis und Milos Sous. Foto: Andreas Steindl
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Partystimmung garantiert: Unser Bild zeigt ein Festäng des Kneipenteams von 1988. Seinerzeit feierte der langjährige Betreiber Michael Salagoudis (im Bild mit Vollbart und Krawatte) seinen 65. Geburtstag. Er starb im Sommer 2008. Foto: Domkeller

Aachen. „Wo jehmer?“ Für ungezählte Freunde des gepflegten Öcher Altstadtvergnügens steht die obligatorische Frage nicht lange im Raum. Ganz im Gegensatz zu den Fans der schier zeitlosen Tresenkultur an sich. Richtigerweise müsste es also viel eher heißen: „Wo stehmer?“ Und die Antwort ist so flott serviert wie das nächste Bierchen im unverwüstlichen Ambiente der unverwüstlichen Kneipe am Hof: natürlich am Tresen im Domkeller.

Spätestens freitagsabends – wenn das Thekenteam um Betriebsleiter Georgios Markakos die Zapfhähne (wie jeden Tag bereits ab 10 Uhr früh) längst heruntergeklappt hat, werden die schmalen Sitzbänke unter den Buntglasfenstern des lese und schreibe fast 360 Jahre alten historischen Bürgerhauses im Schatten des (vergleichsweise taufrischen) Kaiserbads kurzerhand hochgeklappt. Heerscharen von Zechern so ziemlich aller Generationen drängeln sich dann zwischen der urig-gediegenen Holzvertäfelung des traditionsreichen Gasthauses am Säulengelände.

Kommenden Samstag wird das mit Sicherheit nicht anders sein. Denn ein runder „Geburtstag“ der speziellen Art steht ins Haus am Hof. Der Domkeller hat reichlich Anlass, sich selbst zu feiern. Im Januar 1978, vor fast genau 40 Jahren, hat ein gewisser Michael Salagoudis hier sein erstes „Chef-Bierchen“ als Nachfolger von Wolfgang Kreusch gestemmt. Und mit Gattin Hilde sowie zunächst seinen Kompagnons Janis Tsapas und Nikos Kompsopoulos ein einzigartiges Kapitel Alt-Aachener Pintenglückseligkeit fortgeschrieben.

Wie der Domkeller galt auch der gebürtige Grieche selbst bald als gastronomische Institution. 30 Jahre lang prägte der groß gewachsene Mann mit der lockigen Mähne die schummrig-charmante Atmosphäre im Eckhaus an der Körbergasse mindestens in gleichem Maße wie das nostalgische, typische Pinten-Ambiente aus scheinbar längst vergangenen Tagen – auch wenn sich eine Zeitlang ein dunkler Schatten über den Nimbus des erfolgreichen Geschäftsmanns legte, nachdem die Steuerfahndung ihm erhebliche „Unregelmäßigkeiten“ in den Geschäftsbüchern nachgewiesen hatte.

Aber das ist eine andere, inzwischen auch bereits 20 Jahre alte Geschichte. Denn Salagoudis kam zurück. Und blieb bis zuletzt. Am 31. Juli 2008 starb er an Lungenkrebs, wenige Monate, nachdem er seinen 65. Geburtstag gefeiert hatte – natürlich mit einer rauschenden Party „vor Ort“. Doch bis heute kennen ihn selbst die jüngeren Gäste zumindest vom Sehen. Sein Konterfei hinterm Tresen dürfte als eines der ganz wenigen vergleichsweise neueren Elemente im zeitlosen Kneipenmobiliar gelten. „Michael war wie ein Katalysator, der unterschiedlichste Menschen zusammenbrachte“, erzählt Hilde Salagoudis. Politiker, Künstler, Studenten trafen sich hier eben nicht nur zum unverbindlichen Smalltalk – heiße Debatten gehörten ebenso zum festen Bestandteil der Freizeitgestaltung wie so manche wilde Fete und ungezählte kleine, aber feine Bühnengastspiele.

Die Tochter übernimmt

Auch daran hat sich bekanntlich wenig geändert. Vor bald zehn Jahren – noch ein kleines Jubiläum – übernahmen Salagoudis‘ Tochter Sandra und ihr Ehemann Milos Sous die Geschicke des Hauses am Hof gemeinsam mit Georgios Markakos. 2011 konnten sie den historischen Giebelbau erwerben.

Die beiden haben also, ebenso wie Hilde Salagoudis und Teamchef Georgios – auch er ein „Mann der ersten Stunde“ – reichlich Anlass, dieser Tage ein Extra-Fässchen anzuschlagen und mit Wehmut und Wonne gleichermaßen zurückzuschauen. Wenn auch längst nicht mehr im jahrhundertealten Kellergewölbe, dem die Gaststätte ihren Namen verdankt. „Meinen 18. Geburtstag habe ich dort noch gefeiert“, erzählt Sandra.

Inzwischen ist die Treppe Richtung Öcher Unterwelt mangels Notausgang längst für die Öffentlichkeit gesperrt. Zumindest die Zeiten, als Rock- und Jazzkombos sich dort noch die Mikros in die Hände gaben, die Gäste zuweilen übers Schlagzeug hinwegklettern mussten, um zur Toilette zu gelangen, sind wohl endgültig passé, weiß auch Milos.

Live-Musik gehört nach wie vor zum gastronomischen Erfolgsrezept: Die wöchentlichen Gratiskonzerte unterm Dachgiebel sorgen inzwischen auch schon seit 13 Jahren jeden Montag für eine volle Hütte am Hof (und im Sommer für manches feucht-fröhliche Massenmeeting im Schatten der römischen Säulen). Doch bevor sich dort am 8. Januar das Duo Moses mit soulig-elektronischem Pop die Ehre gibt, gratulieren etliche „kongeniale“ Kollegen dem Domkeller – natürlich mit dem einen oder anderen kleinen „Kinderbier“, und natürlich mit reichlich Live-Musik. Wer wird da noch fragen: „Wo jehmer?“

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