Aachen - 36 Sänger proben für Rendezvous in Tallinn

36 Sänger proben für Rendezvous in Tallinn

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
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Rendezvous nach Noten: 36 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Aachener Chören proben unter der Leitung von Elo Tammsalu-Schmitz für ihr Gastspiel beim gigantischen Festival in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Bilder sind gigantisch: Wenn sich alle fünf Jahre nahezu jeder Sänger Estlands auf den Weg in die Hauptstadt macht, um beim „Eestilaulu ja Tantsupeo sa“, beim Estnischen Lieder- und Tanzfestival dabei zu sein, drängen sich schließlich 25.000 Sänger unter einer riesigen Konzertmuschel in Tallinn und das Mehrfache an Zuhörern auf einer großen Wiese davor.

36 Aachener werden bei der 26. Neuauflage dieses Großereignisses in dem kleinen baltischen Staat vom 4. bis 6. Juli dabei sein und in der Menge von Tausenden trachtengewandeten Esten stehen, Auch die Mitglieder des Projektchors „Aix Muusika“ erfüllen sich damit einen Traum, den alle Esten träumen: einmal aktiv beim Sängerfest dabei sein.

Tatsächlich hat statistisch gesehen jeder zweite Este schon einmal daran teilgenommen. Doch die Konkurrenz der Chöre ist hart. Obwohl das Sängerfest kein Wettbewerb ist, können längst nicht alle zugelassen werden, weil die Nachfrage so groß ist. „Singen ist in meiner Heimat Nationalsport. Jeder Chor reißt sich um die Teilnahme. Dementsprechend hart ist das Auswahlverfahren“, erklärt Elo Tammsalu-Schmitz, Chorleiterin von verschiedenen Ensembles in Aachen. 36 Sänger aus diesen Chören hat sie nicht nur auf die Idee gebracht, sondern sie bereitet die Frauen und Männer auch auf das Gastspiel in Tallinn vor.

CD-Aufnahmen aus Aachen haben die Auswahljury überzeugt: „Aix Muusika“ darf unter der riesigen Konzertmuschel mitsingen. Tammsalus Truppe hat einen der wenigen Plätze – es gibt jeweils nur einen pro Kategorie – für ausländische Chöre ergattert. „Damit sind wir so etwas wie weiße Raben“, sagt die Chorleiterin, die selbst schon oft beim Sängerfestival mitgesungen hat. „Normalerweise werden die Plätze für Auslandschöre an Ensembles vergeben, in denen Esten singen, die im Ausland leben.“

Für die Teilnahme hat „Aix Muusika“ schon seit vergangenem Jahr fleißig das vorgegebene Repertoire trainiert und tut es jetzt mit erhöhter Schlagzahl. Jede Woche proben die Reisewilligen – zusätzlich zu den Übungsstunden ihrer „Heimatchöre“ – im Gemeindezentrum von Heilig Kreuz. Die Sprache ist dabei eine große Hürde, denn alle Lieder, traditionell oder zeitgenössisch, werden auf Estnisch gesungen – einer Sprache, die dem Finnischen sehr ähnelt.

„Die Sprache macht mich fertig“, stöhnt deshalb ein Bassist zu Beginn der Probe wohl nicht zum ersten Mal. „Wenn man damit aufgewachsen ist, ist es ganz einfach“, ist Tammsalus etwas süffisanter Kommentar. Nicht allein die richtige Aussprache ist aber relevant. „Bei der Bewerbung kam es natürlich darauf an, den Inhalt der Lieder zu transportieren.“

Nicht umsonst heißt das Motto des diesjährigen Festivals „Berührung der Zeit – Zeit der Berührung“ (Aja Puudutus – Puudutuse Aeg). In vielen Liedern geht es um Heimatliebe und Nationalstolz. Nicht selten vergießen Sänger oder Zuhörer Tränen der Rührung. „Daran muss man sich als Deutscher erst mal gewöhnen, es ist aber aus der Geschichte des Landes heraus sehr verständlich“, sagt Sängerin Almuth Grüner. Doch die Atmosphäre wird ganz sicher auch an den Aachenern nicht spurlos vorübergehen. Einen kleinen Vorgeschmack gibt „Aix Muusika“ bei einer öffentlichen Generalprobe in der Citykirche Anfang Juni. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

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