35 Lkw-Ladungen Springkraut gerupft

Von: Thomas Kreft
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Aachen. Viel Zeit haben Umweltschützer diesen Sommer im Aachener Wald damit verbracht, Indisches Springkraut zu beseitigen. „Wenn wir nichts tun, wird im Aachener Wald eine flächendeckende Monokultur entstehen“, mahnte Professor Volker Dohm, Initiator der Einsätze. Inzwischen liegt der Jahresbericht der Nabu-Aktionen vor – eine positive Bilanz.

Dass hierzulande riesige Springkrautbestände gedeihen, sieht man der Landschaft dieser Tage nicht mehr an. Nur der Eingeweihte erkennt jetzt noch die am Boden liegenden abgestorbenen Stengel. Schon 2011 hatte Dohm die befallenen Flächen des Aachener Waldes kartiert. Bei der Kartierung in diesem Jahr stellte er erhebliche Ausdehnungen fest, vor allem in der Wolfsschlucht. Da das Tal der Wurmquellen als besonders schutzwürdig gilt, konzen-trierte er dort die Aktionen. Vom 23. Juni bis zum 13. Oktober gab es 16 Einsätze mit durchschnittlich zehn Personen, einmal waren sogar 36 Teilnehmer erschienen. Zusätzlich haben zweimal Schulklassen Springkraut gezogen.

Im verkrauteten Preuswald verfolgte Dohm das Ziel, die Anwohner einzubinden. Er verteilte Flugblätter und hielt Kurzvorträge im Caritas- und Diakoniekreis, bei der Bürgerinitiative Preuswald und auf der Stadtteilkonferenz, sprach die beiden Schulen an. In fünf Einsätzen wurde der nördliche Preuswald zum großen Teil bearbeitet.

Schulen erwiesen sich insgesamt in Aachen interessiert, mitgemacht haben in diesem Jahr die Gemeinschaftsgrundschule Gut Kullen, die Förderschule „Maria im Tann“, die Katholische Grundschule Bildchen, die Gerlach-Schule, die Sekundarschule am Dreiländereck (Kronenberg) sowie das Couven- und das Pius-Gymnasium. Kinder im Alter von sieben bis 17 Jahren zogen zwölf Mal ins Gelände: viermal auf die Teichwiese Mühlensteintal in Bildchen, dreimal zum Rotsiefweg bei Köpfchen, je zweimal in den Preuswald und in die Wolfsschlucht sowie einmal zum Moresneter Weg.

Die Aktionen fanden bald Nachahmer. Im Brander Wald organisierte Paul Goebbels weitere Aktionen. Auf belgischer Seite zog der Umweltverein AVES Ostkantone unter Alfred Emontspohl nach. Zum Auftakt an der Ravelstrecke beim Raerener Bahnhof im Juli halfen erprobte Springkrautler aus Aachen. Im Anschluss bereinigten Kleingruppen den Uferbereich der Iter in der Gemeinde Raeren. Das hat auch für das Aachener Stadtgebiet Konsequenzen, weil der Samen den Bach hinunter geht – bis nach Kornelimünster. Umgekehrt helfen die Aktionen im Preuswald, das belgische Göhltal freizuhalten.

35 Lastwagenfuhren ausgerissenen Springkrauts schaffte das Aachener Umweltamt fort. In abgelegenen Bereichen hat man die Haufen sich selbst überlassen. Dass sich immer wieder neue Kolonien bilden, hat mehrere Gründe. Tiere und Fahrzeuge nehmen unbemerkt Samen mit. Auch abgekippter Schutt und Gartenabfälle können Springkrautsamen enthalten.

Man darf gespannt sein, wie sich die Flächen 2013 entwickeln. Jedenfalls sieht Dohm noch Bedarf an weiteren Mithelfern. Patenschaften über eine Fläche sind möglich und werden zum Beispiel am Buschtunnel und beim Gut Entenpfuhl bereits gepflegt. Dohm beabsichtigt, weitere Schulen und Vereine anzusprechen und auch die Kirchengemeinden zu mobilisieren.

Außerdem lasse sich die Arbeit teilweise durch Mahd rationalisieren. In der Wolfsschlucht kam bereits die Sense zum Einsatz. Entlang der Lütticher Straße in Bildchen war der turnusmäßige Schnitt des Straßenrandes von Nutzen. Dies könne durch terminliche Anpassung optimiert werden, hofft Dohm.

Von Gartenliebhabern aus dem Himalaja nach Europa gebracht Das Indische Springkraut macht sich seit einigen Jahren rasend schnell im Aachener Wald breit. Es besiedelt gerne feuchte, helle Flächen: Talauen, Waldlichtungen, Gräben. Jede ausgewachsene Pflanze entwickelt tausende Samen, die sie bis zu sieben Meter weit schleudern kann. Im nächsten Mai werden die Samen zu Leben erwachen und ein zwei Meter hohes Dickicht bilden. Das einjährige Kraut wurde von Gartenliebhabern aus dem Himalaja nach Europa gebracht und hat hier keine natürlichen Feinde. Heimische Pflanzen werden verdrängt, so verschwinden Insekten und Vögel. An Flussläufen gibt es Hochwasserschäden, weil das Springkraut die Uferkanten nicht halten kann. Dank der kleinen Wurzelballen kann man es leicht mit bloßen Händen ausziehen.

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