35-jähriger Ex-Neonazi pöbelt in Linienbus gegen Dunkelhäutige

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Kevin P. (35) hatte am Ende noch Glück. Der seit 2003 als Aussteiger aus der regionalen Nazi-Szene geführte Angeklagte war vor mehr als einem Jahr nach eigenem Bekunden „in alte Verhaltensmuster“ zurückgefallen und hatte in einem Linienbus zwei dunkelhäutige Frauen und einen Mann aufs Übelste beschimpft.

Die ließen sich das nicht gefallen und zeigten den Ex-Nazi an, der sich in einem Aussteigerprogramm befand. Jetzt musste er sich wegen Volksverhetzung und kleinerer Diebstähle sowie fortgesetzten Schwarzfahrens vor dem Amtsgericht verantworten.

Pech hatte der inzwischen reuige Angeklagte bei Richterin Vera Stegmann, weil sie ihn zwar wegen dieser Delikte und zahlreichen Vorstrafen zu einer Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung verurteilte – das war auch der Antrag des Staatsanwalts. Glück aber hatte P. deswegen, weil er sich inzwischen in einer Drogentherapie befindet und diese angerechnet wird, eine mögliche Reststrafe kann dann bei Erfolg noch zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der Fall ereignete sich am 16. Juli 2013 auf einer Fahrt vom Hansemannplatz in Richtung Haaren. Die zwei Afrikanerinnen – eine 21 Jahre, die andere 25 Jahre alt – schilderten vor Gericht, wie es zu den Ausfällen gekommen war. „Der Mann stieg an einer Haltestelle mit einer Frau und Kinderwagen ein“, schilderte die 25-Jährige den Vorfall.

In der Mitte des Busses habe ein „schwarzer Mann“ mit einem Koffer gestanden. Der habe offensichtlich kein Deutsch verstanden, weil er sich nicht an den Geschehnissen beteiligte. Der Angeklagte habe den Mann sofort angepöbelt, er soll sich vom Platz für den Kinderwagen entfernen, am besten „zurück nach Afrika“ gehen. In diesem Zusammenhang habe er auch ein rassistisches Schimpfwort benutzt. Sie und ihre Freundin hätten sich darauf erbost eingemischt, man könne auch höflich einen Platz einfordern, vor allem, weil der betroffene anscheinend kein Deutsch verstehe. Da sei postwendend eine Kanonade rassistischer Sprüche und Schimpfworte auf sie eingeprasselt, am Ende habe der „große Mann“ sogar die Hand gehoben und zu Schlägen angesetzt. Da habe der Fahrer gestoppt und die Polizei gerufen.

Heute sehe er die Sache anders als damals, betonte Kevin P. Er habe schon Jahre unter Drogen gestanden. Das sei ein Rückfall in seine Neonazi-Vergangenheit gewesen, aus der er seit 2003 ausgestiegen sei. Heute wolle er sich sogar diverse Tattoos mit NS-Emblemen entfernen lassen.

Weil er sich in den Augen des Staatsanwalts in echter Reue bei den jungen Frauen entschuldigt hatte, beantragte dieser keine höhere Strafe, dem folgte das Gericht. Die Frauen nahmen die Entschuldigung an, den Anlass des Streites, den „schwarze Mann“, kannte niemand, er war an der nächsten Haltestelle ausgestiegen.

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