300 neue Wohneinheiten in Brand geplant

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
14160945.jpg
Gewaltiges Potenzial: Der Brander Stier auf dem neu gestalteten Marktplatz in Brand strotzt vor Kraft. Foto: Michael Jaspers
14160950.jpg
Die will Bezirksbürgermeister Peter Tillmanns nach dem Umbau des Markts in neuen Projekten bündeln. Foto: Michael Jaspers
14160956.jpg
Der Stadtbezirk soll mehr junge Familien beheimaten – auch wegen des Naturschutzgebiets inklusive Rollefbachtal. Foto: Manfred Kistermann
14159523.jpg
Industriebrache: Die alte Tuchfabrik Becker soll abgerissen werden, hier sind 300 neue Wohneinheiten auf rund 54.000 Quadratmetern Fläche geplant. Der Investor steht in den Startlöchern. Foto: Michael Jaspers
14161146.jpg
Nicht mehr zeitgemäß: Anstelle der denkmalgeschützten Turnhalle links neben der Marktschule in Brand soll eine Veranstaltungshalle entstehen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Angeblich symbolisiert der gewaltige Stier den ungestümen Starrsinn der Einwohner. Was natürlich Legende ist. Das bronzene Wahrzeichen wacht auf dem Marktplatz, tonnenschwer. Kopf gesenkt, Hörner nach vorne – man bietet die Stirn. Der Platz wurde jüngst für rund 2,2 Millionen Euro komplett neu gestaltet – eine der größten Städtebauinvestitionen 2016 in ganz Aachen. Fast zehn Jahre hat der Prozess gedauert. Der Durst der 17.000 Brander ist damit aber nicht gelöscht.

„Wir haben noch einige Pläne und durchaus Ambitionen, unseren Stadtteil in den kommenden Jahren noch weiter nach vorne zu bringen“, sagt Bezirksbürgermeister Peter Tillmanns (CDU). Der Rechtsanwalt kämpft vehement für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte – und entscheidende Veränderungen.

Nachdem der Stadtkern fein herausgeputzt ist, müssten etwa am Rande auch private Investoren nachziehen. Denn nun gibt es ein sogenanntes Gastronomieband – aber kaum Gastronomen, welche die großzügigen Außengastronomieflächen bespielen könnten. Trotzdem: Brand ist lebendig. „Wir zählen hier wirklich viele äußerst engagierte Ehrenamtler. Die Vereinsstruktur ist absolut intakt. Auch das Gemeindeleben – etwa von St. Donatus mit Pfarrer Ralf Freyaldenhoven oder der Evangelischen Kirchengemeinde der Martin-Luther-Kirche – bietet enorm viel. Das unterscheidet uns“, erklärt Tillmanns. Aber er sagt auch: „Da müssen wir dranbleiben, auch an Brand geht der demografische Wandel nicht spurlos vorüber.“

Die Bewohner des Stadtteils am Tor zur Eifel werden älter – und junge Familien finden zu wenig Platz. „Deswegen entwickeln wir Industriebrachen zu neuen Wohngebieten“, sagt der Bezirksbürgermeister. Wo früher Kinder gespielt haben, leben jetzt Senioren. „Das macht mir aber keine Angst, wir sind gut aufgestellt.“ Tillmanns meint damit, wie er sagt, auch die „hervorragende Zusammenarbeit und das tolle Vertrauensverhältnis“ zwischen Bezirksamt, Bezirksvertretung und Bürgerverein. „Das passt einfach. Das typische Brander ‚Wir-Gefühl‘ ist hier tatsächlich zu Hause.“

Apropos Heimat, Brand will wachsen: „Ich lege großen Wert auf sozialen Wohnungsbau. Die Mieten und Grundstückspreise sind schon deutlich in den vergangenen Jahren gestiegen.“ Abhilfe soll her. Zum Beispiel auf dem Areal der ehemaligen Tuchfabrik Becker: Das alte Firmengelände an der Niederforstbacher Straße in Aachen wurde von der Nesseler Projektidee GmbH in Kooperation mit Brack Capital Germany gekauft. Bis 2012 hatte man auf dem rund 54.000 Quadratmeter großen Gelände Tuche hergestellt. Seitdem stehen die großen Hallen leer und das Gelände wartet auf die Bautrupps. Nach Abstimmung mit der Stadt ist eine Neuentwicklung zum Wohngebiet mit Mehr- und Einfamilienhäusern geplant.

„Etwa 300 Wohneinheiten sollen Platz finden in Mehrfamilienhäusern, aber auch Ein- und Zweifamilienhäuser“, rechnet Tillmanns vor. Dann soll das Umfeld stimmen. Absolute Mangelware im bei jungen Familien beliebten Stadtbezirk sind nämlich Kita-Plätze. Brand weist Aachen-weit mit die schlechtesten Versorgungsquoten auf. Im U3-Bereich liegt diese bei gerade einmal mickrigen 33,6 Prozent – nirgendwo ist der Wert niedriger. Für Kinder über drei Jahren liegt Brand mit einer Versorgungsquote von 82,4 Prozent im stadtweiten Vergleich ebenfalls nur im unteren Drittel. Mit zwei Kita-Neubauten, die derzeit in Planung sind, soll die Situation verbessert werden. Bis zu 180 Kita-Plätze könnten durch die beiden Projekte in Brand entstehen.

Familienfreundlichkeit will Tillmanns in Zukunft noch größer schreiben. Dazu passt die Landschaft. Denn mit dem Indetal und dem Rollefbachtal gehört das größte Naturschutzgebiet Aachens zu Brand. Und für Veranstaltungen aller Art könnte künftig eine neue Aula der Marktschule dienen. „Seitdem der frühere Ellerhof nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden kann, fehlt uns in Brand eine Veranstaltungsstätte“, räumt der Bezirksbürgermeister ein. Anstelle der alten Turnhalle würde dieser entstehen können – wenn es nach dem Willen der Brander Politiker geht. Bis zu zwei Millionen Euro müssten investiert werden. „Bis zur Kommunalwahl 2020 möchten wir das auf jeden Fall realisieren“, betont Tillmanns.

Anderswo wird schon kräftig gebaut: Etwa an der Trierer Straße, wo unter dem Namen Vennbahncenter gleich reihenweise neue Geschäfte – darunter ein Vollsortimenter – einziehen. Die Eröffnung ist für Ende Herbst dieses Jahres avisiert. „Darunter wird der gewachsene Brander Einzelhandel nicht leiden. Im Gegenteil: So halten wir mehr Kaufkraft vor Ort“, sagt Tillmanns. Vielleicht kommen dann auch mehr Gäste und Kunden von auswärts. Der bronzene Stier wartet schon.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert