300 Euro Nachschlag: Empörung bei Akut

Von: Matthias Hinrichs
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Fühlt sich von Politik und Verwaltung verschaukelt: Akut-Vorsitzende Jutta Kröhnert.

Aachen. Zahlreiche freie Einrichtungen und Künstler haben dieser Tage eine zusätzliche Förderung aus überschüssigen Mitteln im Kulturetat erhalten. Bei Jutta Kröhnert kam allerdings beileibe keine vorweihnachtliche Freude auf, als ihr jetzt der Bescheid des Kulturbetriebs ins Haus flatterte.

„Gerade einmal 300 Euro hat man uns zusätzlich bewilligt“, grollt die Vorsitzende der Aachener Kultur- und Theaterinitiative Akut. Und das, nachdem der Verein mit Sitz am Gasborn im Sommer mit einem Brandbrief und einem ausführlichen Vortrag auf Einladung der Linken im Kulturausschuss an Politik und Verwaltung appelliert hatte, die städtische Unterstützung nachhaltig zu erhöhen. „Tut mir leid, aber ich frage mich inzwischen wirklich, ob man uns zum Narren halten will“, sagt Kröhnert. „So geht es jedenfalls nicht weiter. Ich weiß nicht, wie wir diese Botschaft verstehen sollen. Wir werden die 300 Euro jetzt wahrscheinlich zurück überweisen.“

Alternativ könne man das Geld allerdings verwenden, um endlich eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, ergänzt sie nicht ohne bittere Ironie: „Immerhin organisieren wir zum Beispiel die Schultheatertage ganz maßgeblich mit, und mit dieser Erfolgsgeschichte schmücken sich gerade viele Politiker. Das finanzielle Risiko aber tragen wir allein.“ Dabei habe der Verein nicht einmal die Möglichkeit, zumindest eine halbe hauptamtliche Stelle einzurichten, um den enormen bürokratischen Aufwand in Sachen Zuschussanträge zu bewältigen.

Derzeit wird Akut mit einen jährlichen Sockelförderung von 15.000 Euro bedacht – und die Künstler fragen sich weiterhin, ob sie Aussichten auf eine substanzielle Erhöhung der Mittel im kommenden Jahr haben. Zwar hat der Kulturbetrieb mit breiter Zustimmung der Ratsfraktionen für das laufende Jahr im Ganzen immerhin 140.000 Euro aus dem aktuellen Budget an die „Freien“ ausgeschüttet – was der Hälfte der Überschüsse entspricht. Für 2015 soll das Budget für die unabhängige Kultur auf Antrag der SPD allerdings um gerade einmal 25.000 Euro erhöht werden.

„Ich missgönne keinem Kollegen etwas“, betont Kröhnert. „Aber wir tun wirklich eine Menge für das kulturelle Leben in dieser Stadt. Auf der einen Seite sagt man uns, wir sollten keinen verwaltungstechnischen Wasserkopf installieren – dabei sind wir als Ehrenamtliche einfach nicht in der Lage, uns ständig viel Zeit für das enorm komplizierte Antragsverfahren zu nehmen. Dann sehen wir uns umgekehrt dem Vorwurf ausgesetzt, wir arbeiteten nicht professionell genug.“

Als „durchaus nachvollziehbar und verständlich“ bezeichnet unterdessen Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram die Empörung der Vereinsvorsitzenden. „Die Politik hat die Initiative auf jeden Fall im Blick“, sagte er auf Anfrage. Leider sei eine weitere Finanzspritze aus formalen Gründen jedoch nicht möglich gewesen, habe die Verwaltung gegenüber der Politik argumentiert – im Prinzip müssten Etat-Überschüsse nämlich zwingend dem Rücklagentopf überantwortet werden.

„Der Bedarf von Akut ist aber im Grunde unbestritten“, sagte auch CD-Ratsherr Hubert Bruynswyck. Umso wichtiger sei es, dass die sogenannten Kaste-Mittel (Kultur außerhalb städtischer Einrichtungen) „2015 wirklich spürbar erhöht werden – und zwar über die „fast lächerlichen“ 25.000 Euro hinaus, die SPD und CDU für den vorläufigen Wirtschaftsplan des Kulturbetriebs bereits beschlossen haben, fordert Pilgram. Und: „Es zeigt sich hier einmal mehr, dass auch die Förderrichtlinien dringend überarbeitet werden müssen.“ Ebendies soll im kommenden Jahr auf dringenden Wunsch der Politik erfolgen.

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