260.000 Narren jubeln bei Traumwetter fast ohne Ende

Von: Nina Krüsmann
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Grünes Licht für den Rekord-Rosenmontagszug: Er war der wohl längste seiner Art, der bisher durch Aachens Straßen zog. Auch das Wetter war rekordverdächtig, so dass sagenhafte 260 000 Jecke an den Zugweg strömten, um fast 170 Gruppen zuzujubeln. Erst, als es schon fast dunkel wurde, kam der letzte Teilnehmer am Templergraben an. Foto: Andreas Steindl
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Prinz mal ganz anders: Axel II. startete seinen Triumphzug auf dem Pferd, bevor er den Prinzenwagen enterte. Auch hier übrigens ein Rekord: So viele Pferde waren noch nie unterwegs. Foto: Andreas Steindl
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Ach du dickes Ei! Der Vielfalt der Kostümierung waren auch gestern keinerlei Grenzen gesetzt – wie die Zugteilnehmer eindruckvoll bewiesen. Foto: Andreas Steindl
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Doch ein Portiönchen Skepsis? Sei‘s drum, die Augen des jecken Nachwuchses strahlen so blau wie der gestrige Öcher Himmel. Foto: Andreas Steindl
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Generationsübergreifende Begeisterung: Wobei es einer dabei bequemer hat als der andere. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Petrus muss den Karneval lieben, so viele wärmende Sonnenstrahlen sendet er den Öcher Jecken zum Höhepunkt des närrischen Treibens. Der Rosenmontagszug mit seinen stolzen 167 Gruppen und Wagen dürfte da manchem fastelovvend-seligen Steppke wie das Paradies auf Erden erscheinen – nicht nur, weil allein die Karmelle unablässig aufs Pflaster regnen.

„Traumwetter“, strahlt Wilm Lürken, Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), bereits vor dem Startschuss. Schon bei der Aufstellung der Wagen am Adalbertsteinweg ist Partystimmung hoch elf angesagt. Was folgt, gerät allemal zum rekordverdächtigen Schwof-Marathon: Länger noch als das Öcher Sönnchen – und das will was heißen – halten die rund 260.000 Jecken auf Trottoirs und Plätzen aus.

Um Punkt 11.11 Uhr heißt es für alle Teilnehmer und die jecken Zuschauer am Wegesrand „Alaaf - D‘r Zoch könt!“ Prinz Axel II. sorgt in dieser Session für eine besondere Überraschung und reitet mit seinem Verein, den Aachener Stadtreitern, hoch zu Ross vorneweg. Auf dem nagelneuen Wagen des AAK – die Nummer 1 im Zug – freut sich neben Lürken derweil auch Carl Meulenbergh, ehemaliger Landrat, passionierter Karnevalsfan und Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins „Für mich ist es das allererste Mal auf einem Wagen beim Öcher Rosenmontagszug, und ich freue mich total, das jecke Treiben einmal aus dieser Perspektive zu erleben“, frohlockt er. Und das nicht von ungefähr. Schließlich steht das Sessionsmotto des AAK – „Vür Jrösse met Alaaf at hü Europas bejste Rütterlsü“ – ganz im Zeichen der nahenden Reit-EM in der Soers. Und so viele edle Vierbeiner wie diesmal haben den Höhepunkt des Karnevals im Dreiländereck garantiert noch nie begleitet...

Der Wagen mit der Startnummer 1 markiert einen ganz besonderen Höhepunkt in diesem Jahr: 80 Jahre lang kam der AAK ohne Rosenmontagswagen aus, jetzt endlich führt er den Zug an. Thomas Sieberichs und Torsten Mierski von der Rathausgarde Öcher Duemjroefe haben den vier Meter hohen Prunkwagen gebaut. Und auch die AZ erlebt die besondere Ehre, bei der Premiere mittenmang dabei sein zu dürfen...

Längst haben sich die Jecken warm geschunkelt. Vorbei geht es am Steffensplatz, wo Axel II. den Zug begrüßt. Klar: Für ihn und für alle Karnevalisten ist dieser Tag der schönste im Jahr, der Lohn für monatelange ehrenamtliche Arbeit und Hingabe ans Brauchtum. Nicht zu vergessen die rund 600 Menschen, die am Zugrand für die Sicherheit zuständig sind. Sie erledigen ihren schwierigen Job mit Bravour.

Ein regelrechter Rausch

Über Wilhelmstraße und Normaluhr geht es in die Theaterstraße. Auf Wagen Nummer 1 wird die jecke Fahrt zum regelrechten Rausch: Links und rechts sichtet man Freunde und Bekannte, schmeißt Karmelle und Blumensträuße ohne Ende – fast. Insgesamt 75 Kisten Waffeln hat der AAK-Wagen geladen. Sängerin Roberta Lorenza sorgt an vorderster Front für Stimmung. 20 Personen sind an Bord, freuen sich mit den lustigen Leuten, die ihnen zujubeln, um die Wette. Überall sieht man tolle Kostüme, ganze Gruppen haben sich als Eisbären oder Clowns kostümiert. Einmalig anzusehen ist diese Vielfalt an jecken Verkleidungen. „Wer einmal auf einem Wagen mitgefahren ist und so den Rosenmontag erlebt hat, der möchte dieses Erlebnis nie mehr missen“, weiß Thomas Sie-berichs. Wohl wahr. Und weiter geht‘s durch ein Meer der strahlenden Gesichter unter strahlendem Sonnenschein.

Über den Elisenbrunnen schlängelt sich der närrische Lindwurm an den Tribünen der Stadtgarde Oecher Penn und der Stadtwache Oecher Börjerwehr vorbei und entlang der Komphausbadstraße in Richtung Markt. Hier steigt Wilm Lürken ab, um gemeinsam mit Oberbürgermeister Marcel Philipp vor dem Rathaus den Zug zu kommentieren. Über die Jakobstraße geht‘s bis zur Auflösung am Templergraben.

Campusbahn fährt doch...

Nicht nur die großen Vereine machen den Zauber dieses Tages aus, sondern auch die vielen kleinen, privaten Gruppen. Seit 50 Jahren etwa ist die Familie Schürmann dabei. Eine jecke Idee steuern die Brander Unterbähner mit ihrer Brander Campusbahn bei. Eine Fußgruppe bietet angesichts frühlingshafter Temperaturen sogar Eis feil.

Allein sieben Zugnummern bestückt gegen Ende der AKV. Jubel brandet auf, als Prinz Axel II. erst gegen 17 Uhr als allerletzter mit der Nummer 168 vom Rathaus aus in Sichtweite ist. Nach dem Ende dieses fantastischen Rosenmontagszuges wird dortselbst natürlich weitergefeiert – mit dem vorletzten Auftritt von Axel II. und Märchenprinz Anton I., die wie all die Öcher Jecken noch lange von diesem furiosen Finale ihrer Narrenherrschaft träumen werden.

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