Aachen - 25 Jahre Schülerlotsin: Sturm und Regen weggelächelt

25 Jahre Schülerlotsin: Sturm und Regen weggelächelt

Von: Svenja Pesch
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Eine „Goldene Kelle“ bekam Angelika Hambücken für ihre Tätigkeit von der Schule Am Römerhof, wo sie von Schulleiterin Ruth Reinehr (links) und den Kindern gebührend verabschiedet wurde. Foto: Andreas Herrmann
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So kannte man Angelika Hambücken: Am Zebrastreifen auf der Erzbergerallee sorgte sie dafür, dass Kinder und auf Wunsch auch Erwachsene sicher über die Straße kamen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Angelika Hambücken kennt sie alle. Die Geschichten von Emilia, Jonas oder Finn. Sie weiß mitunter sogar noch vor den Eltern der Kinder, wie die Mathearbeit gelaufen oder das Zeugnis ausgefallen ist. Als ehrenamtliche Schülerlotsin hat die 59-jährige Aachenerin 25 Jahre lang Schulkinder sicher über die Straße gebracht.

Vier Mal täglich hat sie auf der Erzbergerallee bei Regen und Sonnenschein gestanden und dabei unzählige Male in gelber Weste und mit Kelle in der Hand die Kleinen sicher von A nach B geleitet.

„Als meine Tochter im ersten Schuljahr der Grundschule Erzbergerallee war, erfuhr ich, dass die dortige Schülerlotsin aufhörte und so habe ich mich kurzerhand entschlossen, ihre Nachfolge anzutreten“, erzählt Hambücken, die selbst Deutsch, Religion und Mathe auf Lehramt studiert hat. Mit dem Umzug der Grundschule von der Erzbergerallee zum Römerhof hat sich ihr Einsatzort lediglich um ein paar Meter verschoben. „Meine erste Schicht geht von halb acht bis acht. Dann ist immer am meisten los, und es kommen teilweise ganze Schülergruppen. Dann stehe ich mittags um halb zwölf und halb eins hier sowie um viertel nach eins“, ergänzt Hambücken. Dabei ist es völlig egal, ob es stürmt, hagelt, regnet oder schneit, denn wenn es eine Sache gibt, die man als Schülerlotsin nicht sein darf, dann zimperlich. Und so radelt Hambücken mehrmals täglich die Erzbergerallee hinauf, um die Kinder über die Straße zu bringen. Dabei erfährt sie so einiges über die Kleinen. „Ich schreibe mir immer zu Beginn eines neuen Schuljahres die Namen der I-Dötzchen auf und versuche, diese auch zu behalten. So spreche ich sie mit Namen an und sehe, wie sie groß werden“, sagt Hambücken lachend.

Die meisten ihrer Schützlinge kennt sie auch weit über 20 Jahre danach noch mit Namen. Und nicht nur die. Auch mit der Nachbarschaft und den Anwohnern kommt die studierte Lehrerin nach so vielen Jahren ganz selbstverständlich ins Gespräch. „Die meisten Kinder kommen von der Grundschule Am Römerhof, aber ich hatte letztens sogar noch eine Neuntklässlerin, die sich von mir über die Straße lotsen ließ. Ich kenne sie schon seit der ersten Klasse und das war einfach eine schöne Situation“, so Hambücken.

Die weniger schönen Situationen, wie beispielsweise der Moment, als ein Autofahrer abgelenkt war und erst im letzten Momenten bremsen konnte, wird sie zwar auch in Erinnerung behalten, aber das Positive überwiegt ganz klar. „Ein wenig wehmütig bin ich schon, aber ich freue mich auch, dass ich nun mehr Zeit für meine Familie habe und meinen Alltag freier gestalten kann“, sagt sie und nimmt zum letzten Mal die Kelle in die Hand um eine Gruppe ankommender Schüler sicher über die Straße zu lotsen.

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