2400 Euro Strafe für Attacke gegen Polizeibeamten

Von: Wolfgang Schumacher
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Prozess vor Amtsgericht: Neonazis stießen 2013 am Elisenbrunnen mit der Linksjugend zusammen. Symbolbild: dpa Foto: dpa

Aachen. Aus der Reihe von fünf Angeklagten, die alle dem rechtsextremen Spektrum angehören sollen, blieb am Ende ein aus Österreich stammender 35-jähriger Mann übrig, der am Mittwoch von Richterin Kerstin Gess wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Widerstands gegen einen Polizeibeamten zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt wurde.

Das Verfahren richtete sich zunächst auch gegen das ehemalige Mitglied der rechtsextremen Kameradschaft Aachener Land, Daniel T. (30), es wurde jedoch abgetrennt. Daniel T. ist bekannt, weil er 2010 versucht hat, mit einer selbstgebastelten Nagelbombe nach Berlin zu reisen und damals erst auf der Busfahrt gestoppt wurde.

Die Verfahrensabtrennung galt ebenfalls für einen mutmaßlichen Sympathisanten der rechtsextremen griechischen Partei „Goldene Morgenröte“, den Aachener Dimi T. (25). Auch er soll im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und linken Demonstranten am 2. November 2013 am Elisenbrunnen in Höhe des Glaskubus versucht haben, einen Kumpel zu befreien. T. bestritt dies und gab an, er sei rein zufällig an Ort und Stelle gewesen.

Die Demonstration der „Aachener Linksjugend“ gegen die Ursachen des europäischen Flüchtlingselendes stieß an jenem Nachmittag auf eine sogenannte „Reisegruppe“ aus Deutschlands Süden. Darunter war der Angeklagte D. aus Österreich, weiter ein 35-jähriger Mann aus Freilassing sowie ein 30-jähriger Neonazi aus München. Der Prozess gegen diese drei Angeklagten wurde dann fortgeführt. Alle drei sollen der Neonazi-Vereinigung „Freies Netz Süd“ angehören, deren Mitglieder sich auch in der rechten Hooligan-Szene bewegen.

Nach Alemannia-Spiel

Am Mittwoch gab der 35-jährige D. aus Österreich zu, als Mitglied besagter „Reisegruppe“ nachmittags auf die Demo der Linksjugend gestoßen zu sein. Da sei er dann „eingekesselt“ worden. Zuvor hätten sie das Heimspiel der Alemannia besucht, berichtete D., dann seien sie „einfach so“ in die City gegangen. „Das tun wir regelmäßig, wenn wir Städtetouren unternehmen“, versuchte D. die Situation als eher harmlos darzustellen. Allerdings trug die Gruppe „rein zufällig“ ein Banner mit sich, darauf bekundeten sie ihre Solidarität mit der rechtsextremen griechischen Partei „Goldene Morgenröte“.

Einen Tag vor der Aachener Demo waren in Athen zwei Mitglieder der „Morgenröte“ auf offener Straße erschossen worden. Sofort kam es am Rande der linken Demonstration zu Auseinandersetzungen. Sie seien angespuckt worden, beschwerten sich die Angeklagten.

Die Aachener Polizei ging damals dazwischen, verschiedene Einsatzbeamte beschrieben dies im Zeugenstand. Einer von ihnen hatte die Aufgabe, den kräftigen Österreicher, der durch die Reihen der Demo auf die andere Straßenseite marschiert war, festzusetzen und ihm einen Platzverweis zu erteilen. Das ging schlecht für den Beamten aus.

Als er an der Seite von D. gestanden habe, habe jener ansatzlos einen Schulterwurf aus dem Griffarsenal des Judosports angewandt und ihn auf den Boden geworfen, schilderte der Beamte den Ablauf. Andere Beamte und der „Geschulterte“ selbst konnten den Alpenkraftmeier danach jedoch gemeinsam überwältigen. Der hatte behauptet, den Polizisten für einen linken Angreifer gehalten zu haben. Die beiden Mitangeklagten sollen gleichfalls tätlich geworden sein, was aber nicht nachzuweisen war – sie wurden frei gesprochen. D. allerdings muss zahlen, entschied Richterin Gess, Widerstand gegen die Staatsgewalt ist schließlich keine Bagatelle.

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