23 neue „Stolpersteine“ machen die ganze Stadt zur Gedenkstätte

Von: Thorsten Vierbuchen
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Künstler Gunter Demnig legt in der Alt-Haarener-Straße selbst Hand an und verlegt einen „Stolperstein“ für die Familie Lewy. Foto: Ralf Roeger
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Zur Verlegung der neuen „Stolpersteine“ begrüßt Bürgermeister Norbert Plum auch Gäste, die sogar aus Israel und den USA angereist sind. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die „Stolpersteine“ erinnern in Aachen an die Opfer des Nationalsozialismus, seit gestern gibt es 23 solcher Erinnerungssteine mehr. An zehn Stellen im Stadtgebiet wurden die Steine des Künstlers Gunter Demnig verlegt.

Beim Empfang im Weißen Saal des Rathauses betonte Bürgermeister Norbert Plum vor Verwandten der Ermordeten, die auch aus Israel und den USA angereist waren, sowie den Initiatoren der „Stolpersteine“ die Verantwortung, sich an die grausame Vergangenheit zu erinnern.

„Wir alle stehen in der Verantwortung, uns ständig daran zu erinnern, was mit den Menschen während des Nationalsozialismus geschehen ist“, sagte Bürgermeister Norbert Plum und nahm auch die junge Generation in die Verantwortung. Die „Stolpersteine“ leisteten einen Beitrag gegen das Vergessen, die Anstrengungen für das Erinnern müssten aber weiter gesteigert werden, so Plum.

„Sich erinnern bedeutet auch, nicht zu schweigen, wenn Menschen anderer Nationen oder anderer Religionen verfolgt werden. Wer weg sieht, wird seiner Verantwortung nicht gerecht“. Gedenkstätten, wie die „Stolpersteine“, seien unverzichtbar, sie erinnerten daran, wo die Verbrechen ihren Anfang genommen haben, nämlich in der Nachbarschaft, ergänzte Plum.

Seit 2008 erinnern die „Stolpersteine“ in Aachen an die Menschen, die deportiert, ermordet oder zur Flucht getrieben wurden. „Durch die Steine sind die Menschen wieder unter uns“, betonte Norbert Plum die symbolische Bedeutung der „Stolpersteine“.

Vom Stadtrat unterstützt

Das Projekt wird vom Stadtrat unterstützt und wurde an der Volkshochschule Aachen (VHS) angesiedelt, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzt.

„Die neuen Steine wirken an zwei Orten an der Alt-Haarener-Straße und der Krefelder Straße sowie an jeweils einem Ort an der Ottostraße, der Brabantstraße, der Roonstraße, der Bismarckstraße, An den Frauenbrüdern und an der Stephanstraße gegen das Vergessen“, erklärte Winfried Casteel, stellvertretender Direktor der VHS. Insgesamt seien dann rund 60 „Stolpersteine“ in Aachen verlegt, die von den Initiatoren oder dem Netzwerk gegen Gewalt und Rassismus gestiftet worden sind, so Casteel weiter.

Die ersten Steine wurden gestern um 12.30 Uhr an der Alt-Haarener-Straße für Angehörige der Familie Lewy verlegt. Entworfen wurden sie vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der bei der Verlegung an der Alt-Haarener-Straße dabei war. Die Arbeiten an den neun weiteren Orten zogen sich bis in den späten Nachmittag hinein hin. „Damit ist die gesamte Stadt eine Gedenkstätte gegen das Vergessen“, betonte Winfried Casteel.

Zum Abschluss des Tages im Zeichen der Erinnerung hielt Gunter Demnig einen Vortrag zum Thema „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ in der Volkshochschule Aachen.

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