Aachen - 200 Flüchtlinge ziehen ins Neue Kurhaus

200 Flüchtlinge ziehen ins Neue Kurhaus

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Vorerst Platz für Asylsuchende statt Spiel und Kunst: Im Neuen Kurhaus an der Monheimsallee sollen ab April etwa 200 Asylsuchende untergebracht werden, bevor der große Umbau 2017 startet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Während die Roulettetische im großen Stadion an der Krefelder Straße rotieren, schiebt die Stadt im Hinblick auf das gediegene Stammhaus des Spielcasinos am Stadtpark alles andere als eine ruhige Kugel. Denn bei der Suche nach geeigneten, sprich leerstehenden Quartieren zur Unterbringung von Flüchtlingen gibt es längst praktisch keine Tabus mehr.

Jetzt konkretisieren sich die Pläne zur vorübergehenden Nutzung von Teilen des Neuen Kurhauses als denkbar außergewöhnliche Herberge für Asylsuchende. Die ersten Arbeiten zur Herrichtung des denkmalgeschützten Nobelbaus neben dem Eurogress sind bereits im Gange, bestätigte Evelin Wölk vom städtischen Presseamt am Mittwoch auf Anfrage: „Wir hoffen, dass die ersten Flüchtlinge spätestens im April dort einziehen können.“

Insgesamt könnten im Erdgeschoss des weitläufigen Hauses immerhin etwas mehr als 200 Menschen Platz finden, berichtet Wölk. Allerdings ist das Projekt auf ein Jahr befristet. Denn ab etwa Mitte 2017 sollen die Vorbereitungen zur Ansiedlung des Kölner Eventspezialisten Explorado starten, der voraussichtlich in rund zwei Jahren seine ersten großen Ausstellungsprojekte an der Monheimsallee präsentieren will. Auch das Casino soll dann wieder seine Spieltische hinter dem mächtigen Säulenportal aufstellen.

Vor dem 20-Millionen-Projekt zum ganz großen Umbau will die Stadt nun aber erst einmal rund 250.000 Euro in die Hand nehmen, um das Gebäude mit ausreichenden sanitären Anlagen und neuen Brandschutzelementen auszustatten. „Wir gehen allerdings davon aus, dass Bund und Land uns bei der Finanzierung unterstützen“, sagt Wölk.

Kapazitäten für mehr als 200 Plätze biete das Erdgeschoss allemal. Bereiche, die zur Zwischennutzung nicht geeignet scheinen, werden entsprechend gesichert. Im ersten Obergeschoss sollen neben den neuen Duschräumen zudem Büros für Hausmeister und Sozialarbeiter eingerichtet werden.

Auch ein Schulungsraum, etwa für Sprachunterricht, ist dort geplant. Der benachbarte Lenné-Pavillon – dereinst reserviert für gediegene Empfänge und Partys, inzwischen aber eigentlich ein Fall für die Abrissbirne – wird unterdessen als Speise- und Aufenthaltsraum dienen. Denn alternative Lösungen sind derzeit bekanntlich denkbar rar.

Täglich erreichen seit Jahresbeginn rund 30 Flüchtlinge das Dreiländereck – und die Stadt muss alle Möglichkeiten nutzen, ihnen Unterkünfte zu verschaffen. So dürfte die neoklassizistische Residenz, erbaut zwischen 1914 und 1916, ihren 100. Geburtstag unter vordem gänzlich ungeahnten Vorzeichen feiern.

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