Aachen - 183 Bäume werden gefällt und „eins zu eins ersetzt”

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183 Bäume werden gefällt und „eins zu eins ersetzt”

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Die Parkordnung am Klinikum wi
Die Parkordnung am Klinikum wird neu geordnet: Mehr Platz fürs Blech wird geschaffen, der dann aber bezahlt werden muss. 183 Bäume werden dafür gefällt, aber alle Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die nackten Zahlen lassen einen erst einmal aufschrecken: Um vor dem Aachener Uniklinikum 368 zusätzliche Parkplätze zu schaffen, werden 183 Bäume gefällt. Für jeden zweiten Parkplatz fällt ein Baum.

Aber die nackten Zahlen sagen auch nicht alles: Denn zum einen sind unter den 183 Bäumen „nur” 42 schützenswerte, die laut Baumschutzsatzung ersetzt werden müssen. Und zum anderen will das Klinikum alle 183 Bäume durch Neupflanzungen ausgleichen.

„Wir machen das eins zu eins”, sagt der kaufmännische Direktor des Uniklinikums, Peter Asché. „Dadurch wird die Baum-Bilanz sogar noch verbessert, weil nachher mehr geschützte Bäume da sind als vorher.” Die grüne Baudezernentin der Stadt, Gisela Nacken, verweist auf die „dramatische Parksituation” vor dem Großkrankenhaus und darauf, dass die „Grünstruktur” der Parkplätze durch die Neupflanzungen erhalten bleibe. „Außerdem werden andere Bereiche, zum Beispiel am Steinbergweg, durch neue Bäume aufgewertet.”

Und Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt, betont die Entlastungen, die mehr Parkplätze vor dem Klinikum auch in den benachbarten Wohngebieten mit sich brächten: „Unter lufthygienischen und stadtklimatischen Aspekten wird sich die Umweltbilanz verbessern.”

Fakt ist zweifellos: Die Parksituation rund um das Klinikum, auf dessen Gelände sich täglich zwischen 13.000 und 16.000 Menschen bewegen, ist seit Jahren katastrophal. Die heutigen 1862 Stellplätze reichen bei weitem nicht aus. Das führt zu allmorgendlichem und endlos langem Parksuchverkehr, zu zugeparkten Wohngebieten und bisweilen auch - wie Betroffene berichten - zu aggressiven Auseinandersetzungen beim Kampf um Platz fürs Blech.

„Wir müssen dringend etwas tun”, sagt Asché, der schon etliche Beschwerden von Patienten und deren Angehörigen erhalten hat. Und auch wenn der Klinikumsvorstand mit seinem neuen Mobilitätskonzept wie berichtet auch auf Verkehrsvermeidung und Anreize zum Umsteigen auf Fahrräder, Busse und Bahnen setzt, ist eines klar: Zusätzliche Parkplätze müssen her. „Das ist ein zentraler Punkt”, sagt Asché.

Durch die Baumfällungen und „Umgruppierungen” werden auf den beiden großen bestehenden Parkflächen vor dem Klinikum mehr als 220 neue Stellplätze geschaffen. Das soll bis Mitte März über die Bühne gehen. Außerdem soll ab März der alte Hubschrauberlandeplatz zum Parkplatz werden, was zunächst mehr als 140 weitere Parkplätze einbringt. Dort bestehen auch Ausbaukapazitäten: Sollte das Klinikum in den nächsten Jahren auf Teilen seines großen Parkplatzes Neubauten etwa für Forschungseinrichtungen realisieren, könnte auf dem alten Landeplatz ein Parkhaus gebaut werden. Gleich in der Nähe dieses Landeplatzes soll bis spätestens Juli außerdem eine teilweise überdachte Abstellmöglichkeit für bis zu 200 Fahrräder geschaffen werden.

Und dann startet das Klinikum gemeinsam mit der Stadt auch noch einen Versuch: Im abgesehen von den Spieltagen meist leerstehenden Tivoli-Parkhaus werden kostenlose Parkplätze für 200 Krankenhausmitarbeiter bereitgehalten. Ein Aseag-Shuttle soll von dort den Transport zur Arbeit übernehmen.

Finanziert werden soll das Ganze aus Parkgebühren. Denn: Wie bereits berichtet, sind die Tage des kostenlosen Parkens am Klinikum gezählt. Das soll auch für Mitarbeiter gelten, weswegen der Vorstand noch in Verhandlungen steckt. „Der Personalrat der nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten hat wegen der Parkgebühren dem Konzept noch nicht zugestimmt”, sagt Asché.

Eine neue „Umwelttrasse”

Mittelfristig bleibt es vor dem Klinikum indes nicht nur bei ein paar hundert zusätzlichen Parkplätzen. Voraussichtlich ab 2013 will man auch die Verkehrsströme völlig neu ordnen. So soll die Pauwels-straße, die direkt vor dem Haus entlangführt, zur „Umwelttrasse” umgestaltet werden. Das heißt: Nur noch Busse, Taxis und Fahrräder dürfen dort fahren, später eventuell auch eine Stadt- oder Campusbahn. Der Individualverkehr wird dann in zwei Richtungen über die Kullenhofstraße fließen. Ein neuer Kreisverkehr soll in Zukunft den Verkehr verteilen, der zudem durch ein intelligentes Leitsystem gelenkt werden soll.

Trotz Umwelttrasse können Patienten auch künftig über eine Schrankenanlage per Pkw bis zur Notaufnahme gelangen. Und auch zum reinen Absetzen von Besuchern ist in direkter Nähe zum Haupteingang ein sogenannter „Kiss & Ride”-Streifen etwa in Höhe der heutigen Bushaltestellen vorgesehen. Kosten soll das Ganze 1,8 Millionen Euro, von denen 600 000 auf Infrastrukturmaßnahmen der Stadt entfallen. Der Rest verteilt sich auf Klinikum und Bau- und Liegenschaftsbetrieb. Die Stadt will für ihren Anteil Fördergelder beantragen. „Wir hoffen auf 90 Prozent”, sagt Nacken.

Die ersten Bäume fallen derweil bereits am kommenden Montag, und zwar nachts. „Aber das bedeutet nicht, dass das eine Nacht- und Nebelaktion ist”, beteuert die Baudezernentin. Man folge bloß ganz pragmatischen Erwägungen. „Tagsüber wäre das nicht möglich, da ist der Parkplatz viel zu belebt.”
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