180-Sekunden-Raubüberfall: Alpträume nach Blick in den Pistolenlauf

Von: wos
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Spektakulärer Raubüberfall: Innerhalb von 180 Sekunden schlugen die Gangster am 6. Februar 2014 in einem Juweliergeschäft in der City zu. Ein mutmaßlicher Mittäter steht derzeit vor Gericht, will aber laut Aussage nicht direkt am Raubüberfall beteiligt gewesen sein. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er war auf die Sekunde genau geplant und die Täter wussten genau, worauf sie es abgesehen hatten: „Nur“ teure Uhren seien es gewesen, die das Trio bei dem spektakulären Raubüberfall am späten Nachmittag des 6. Februar 2014 auf das Studio Küpper am Holzgraben in ihre Reisetaschen geworfen hatten, sagte eine Zeugin am Mittwoch vor Gericht aus.

Erstaunt sei sie gewesen, berichtete am Mittwoch die damals „an der Front“ stehende Verkäuferin in dem Prozess um einen der mutmaßlichen Mittäter von damals.

Sie sei damals schnurstracks auf einen der Täter zugegangen, eigentlich in der Absicht, erinnerte sie sich, ihn freundlich als Kunde zu begrüßen. Davon ließ sie aber abrupt ab, als sie bemerkte, dass alle drei vermummt waren und man „nur noch die Augen durch die Schlitze“ sehen konnte. Da habe sie gewusste, was gerade passiere.

Schreckliches Erlebnis

Die Frau wurde Opfer eines Blitzüberfalls eines Räuber-Quartetts, das in nur 180 Sekunden die Schmuckvitrinen des Ladens zertrümmerte und zielgenau Uhren höchster Qualität und von höchstem Preisniveau in den Sack steckten.

Noch heute leide sie sehr unter diesem Raubüberfall, berichtete sie dem Vorsitzenden der 5. Großen Strafkammer, Richter Roland Klösgen. Habe sie die Folgen des auf den Punkt geplanten Überfalls zunächst nicht so ernst genommen, machten sich die Auswirkungen der brutalen Vorgehensweise der Täter bei ihr später bemerkbar. So plagen die Frau regelmäßig Alpträume in der Nacht, ihren Job habe sie kürzlich gekündigt: „Es ging nicht mehr“, sagte sie unter Tränen.

Denn die Zeugin musste Schreckliches miterleben. Als sie nämlich aus dem Obergeschoss hinunter in den Verkaufsraum kam, um die potenziellen Kunden zu bedienen, blickte sie unversehens in die Mündung einer Pistole, die einer der Täter auf sie richtete. Anschließend agierte das Trio, das in den Juwelier gestürmt war, enorm zielgerichtet, um an die Beute zu kommen.

„Einer der drei schlug mit seiner Pistole die Scheiben ein, ein weiterer, eher untersetzt, hatte einen richtig dicken Hammer dabei und schlug damit zu“, schilderte sie die Blitzaktion. Die schmale Ursulinerstraße nahe des Elisenbrunnens hatte das Quartett auf Höhe der Deutschen Bank mit zwei BMW, einer Limousine und einem Kombi, verperrt, später flüchteten die Täter in einem der Wagen bis zu einem Aachener Innenstadtparkhaus. Dort ließen sie auch zweite das Fahrzeug zurück.

Ob die Täter sich denn ausgekannt hätten, wollte Klösgen von der Zeugin wissen. Ja, taten sie, antwortete die Frau. Des Öfteren habe man im Betrieb des Juweliergeschäfts den Eindruck gehabt, dass hier Männer nur kamen, um das Objekt „auszubaldowern“. Dazu passte auch, dass die Räuber es nur auf Uhren – 104 insgesamt – abgesehen hatten. Hochwertigen Schmuck ließen sie unbeachtet in den Vitrinen zurück. Am Ende des 180-Sekunden-Raubüberfalls ertönte ein Pfiff, dann verschwanden alle drei so plötzlich aus dem Laden, wie sie gekommen waren.

Der jetzt wegen schweren Raubes angeklagte Zlatko Z. (34) ließ sich am Mittwoch zu den Vorwürfen ein. Er habe wenig direkt mit der Sache zu tun, berichtete der Serbe dem Gericht. Er sei auf Veranlassung von „Kollegen“, die er nicht nennen wolle, aus Serbien eingeflogen worden, um die zwei späteren Tatfahrzeuge zu stehlen. An den in Bonn und Düsseldorf geklauten Wagen hatten Ermittler DNA-Spuren von Zlatko Z. sichergestellt.

Doch mit dem Überfall selber, so der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht, habe er gar nichts zu tun. Allerdings wolle er die Namen seiner „Geschäftsbeziehung“, also die Personen, die in den Raubüberfall verwickelt sein könnten, nicht nennen. Der Prozess geht am  Freitag weiter.

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