18 Quadratmeter Boden gehen jede halbe Stunde verloren

Von: Christiane Chmel
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Wertvoller Boden: Ein Aktionsbündnis aus verschiedenen Verbänden und Bürgerinitiativen forderte am Elisenbrunnen eine Einschränkung des Flächenverbrauchs. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Was ist unser Boden wert?“ Diese Frage stellte ein Aktionsbündnis zum Unesco-Jahr des Bodens im Rahmen einer Öffentlichkeitsaktion vor dem Elisenbrunnen in Aachen.

Vertreter der Organisationen des Aachener Baumschutzbündnisses, der Bürgerinitiative zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Eselsweg–Beverau, der „Bürgerinteressen Richtericher Dell“ (BI-Dell), des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND NRW), des NABU und des Ökologie-Zentrums informierten über den Bodenverbrauch in Aachen mit seinen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Mittels eines etwa 18 Quadratmeter großen, ausgelegten Rollrasens wurde dargestellt, wie viel Fläche jede halbe Stunde in Aachen unwiederbringlich durch den Neubau von Wohn- und Gewerbegebieten oder Verkehrsflächen verschwindet.

„Boden ist ein wertvolles und endliches Gut“, betonte Brigitta Hollmann, Geschäftsführerin des Ökologie-Zentrums. „Er wird in Deutschland und weltweit in unvorstellbarem Ausmaß und Tempo verbraucht.“ Aus diesem Grund erklärte die Unesco das Jahr 2015 zum Jahr des Bodens, um weltweit auf die Bedrohung und Zerstörung von Böden durch neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen aufmerksam zu machen.

Die Problematik des Bodenverbrauchs ist auch in Aachen aktuell und brisant. Unversiegelter Boden und Klima stehen in enger Wechselbeziehung. Freiflächen sind wichtig für das Mikroklima und damit vor dem Hintergrund des prognostizierten Klimawandels für das Stadtgebiet besonders bedeutsam. Durch die Aufnahme von Wasser und Abgabe durch Verdunsten erfüllen unversiegelte Böden eine entscheidende Kühlungsfunktion. Zudem droht durch die fortschreitende Versiegelung eine weitere Vernichtung von fruchtbaren Ackerböden.

In Aachen wird zurzeit an der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans gearbeitet. Der im Sommer 2014 vorgelegte Vorentwurf enthält eine Vielzahl von neuen potentiellen Baugebieten. Im dem seit 50 Jahren bestehenden Landschaftsschutzgebiet Beverau am Eselsweg droht laut Bürgerinitiative beispielsweise die Zerstörung eines Kaltluftentstehungsgebietes mit Verbindung zur Innenstadt. „Es geht nicht immer nur um Eigeninteressen der Anwohner“, betonte deren Pressesprecher Lutz Dechamps. „Man muss die Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die Versigelung der Flächen im Landschaftsschutzgebiet Beverau würde zum Beispiel auch zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr führen.“

In Aachen lag der durchschnittliche Flächenverbrauch in den Jahren von 1995 bis 2010 bei 25 Hektar pro Jahr. Berücksichtigt wurde dabei der Verbrauch durch Gebäude- und zugehörige Freiflächen sowie Verkehrsflächen. Aus diesem Grund fordern die Beteiligten des Aktionsbündnisses eine Reduzierung des Bodenverbrauchs in Aachen und die Nutzung von Baulücken und ehemaligen Gewerbegebieten. Weitere Informationen erhalten Interessiere im Internet unter www.oekologie-zentrum-aachen.de.

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