Aachen - 179 statt 19 Busse zwängen sich durchs Nadelöhr

179 statt 19 Busse zwängen sich durchs Nadelöhr

Von: Robert Esser und Oliver Schmetz
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Parken erlaubt, damit der Verkehr sich staut: Statt Tempo 30 ist jetzt oft Stillstand auf der Maria-Theresia-Allee angesagt, weil der Busverkehr die Ausweichrote von Hohenstaufenallee und Goethestraße blockiert. Foto: Michael Jaspers
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Aufklärungsaktion: Auf der Alkuinstraße wird der Bürgersteig vom parkenden Blech geräumt – denn der Bodenbelag leidet. Derzeit gibt es Warnzettel, ab kommender Woche drohen Verwarnungsgelder. Foto: Michael Jaspers
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Ebenfalls Ärger in der Tempo-30-Zone: Am Ronheider Weg beklagt Anwohner Ernst Hanf zahlreiche Raser. Stadt und Polizei wollen am Donnerstag beraten, wie es dort weitergehen soll. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sobald der Bus kommt, läuft nichts mehr. Seitdem auf der Maria-Theresia-Allee – der Umleitungsroute der gesperrten Hohenstaufenallee und Goethestraße – wieder beidseitig geparkt werden darf, fehlt Platz für die rote Flotte.

Anwohner hatten zuvor beklagt, dass die zur Baustellenzeit eigentlich parkfreie Allee zum Rasen in der Tempo-30-Zone einlädt. Entsprechende Geschwindigkeitsmessungen des Ordnungsamtes hatten dies bestätigt.

Gerade mal 171 Fahrzeuge wurden überprüft, 53 Fahrer erhielten ein Bußgeld. Anstatt nun konsequent weiter gegen Tempoverstöße vorzugehen und den Radarwagen dort für mehrere Tage in Stellung zu lassen, ließen die städtischen Verkehrsplaner Parkverbotsschilder demontieren. Die logische Konsequenz: Jetzt geht zuweilen gar nichts mehr, weil Autos und Busse im Begegnungsverkehr nicht aneinander vorbeikommen.

Täglich gibt es – vor allem im Berufs- und Schulverkehr – Hupkonzerte und Wendemanöver von entnervten Autofahrern, die dort im Stau feststecken. Warum? Weil nun wegen der Sperrung laut Aseag nicht mehr 19 Busse (Linie 53), sondern 179 Busse (Linien 2 und 32) über die Umleitungsroute rollen – plus Pkw-Ausweichverkehr.

Noch schlimmer: Die Bauarbeiten auf der Goethestraße, die eigentlich zum 2. Dezember beendet sein sollten, dauern länger. „Die Stadt will noch Arbeiten an einer Mittelinsel vornehmen, die zuvor nicht eingeplant waren. Zudem werden Radwegmarkierungen erneuert“, erläutert Stawag-Sprecherin Angeli Bhattacharyya. Deshalb kann der Verkehr frühestens kurz vor Weihnachten wieder über die derzeitige Sackgasse Goethestraße abfließen. Die Hohenstaufenallee – wo ein neuer Kanal und eine neue Fernwärmeleitung verlegt werden – ist hingegen mindestens bis Ende April 2017 dicht.

Die Umleitungsrouten sind regelmäßig verstopft. Was vor allem für die Schillerstraße als Verbindung zwischen Hohenstaufenallee und Goethestraße gilt. Hier wurden stundenweise Verkehrskadetten eingesetzt, um das Chaos in den Griff zu kriegen. „Die Kundschaft und wir leiden natürlich unter der Sperrung. Aber eine kurzfristige Lösung – vor allem des Parkplatzproblems – ist wohl nicht machbar“, sagt Andreas Hatlé, Geschäftsführer des benachbarten Edeka-Centers.

Das Presseamt der Stadt bat lediglich um „Verständnis für mögliche Verzögerungen“. Und fügte hinzu: „Die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer hat für uns die höhere Priorität gegenüber der Leichtigkeit des Verkehrs.“ Was indes so schwierig daran ist, zumindest für die Zeit der Bauarbeiten die angrenzende Weberstraße Richtung Boxgraben in beide Richtungen als Ausweichroute zu öffnen, vermochte das Presseamt am Montag nicht zu beantworten.

Geschwindigkeitsmessungen und Tempoverstöße gibt es gar nicht weit entfernt – am Ronheider Weg – auch schon seit geraumer Zeit. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich Anwohner Ernst Hanf erstmals bei der Stadt über Raser beschwert, die die Tempo-30-Zone vor seiner Haustüre ignorieren. „Und geändert hat sich daran bislang nichts“, sagt er. Hanf hat mehrfach telefoniert und Mails geschrieben, hat sich an die städtischen Verkehrsplaner und die Polizei gewandt. Ergebnis: „Hier wird immer noch gerast.“

Der Anwohner kann nicht verstehen, warum man das Tempolimit nicht deutlicher kennzeichnet, etwa mit zusätzlichen Schildern oder Piktogrammen auf dem Asphalt, „um die Autofahrer immer wieder daran zu erinnern“. „Geht nicht“, entgegnet Axel Costard vom städtischen Presseamt auf diesen Wunsch – zumindest was zusätzliche Schilder angeht. Dies erlaube die Straßenverkehrsordnung nicht. Und bei Piktogrammen müsse man „die Verhältnismäßigkeit prüfen“, so der Sprecher.

„Wir können ja nicht in allen Tempo-30-Zonen Piktogramme auftragen.“ Handlungsbedarf scheint am Ronheider Weg allerdings zu bestehen. Nicht weniger als 17 Mal habe man seit März dieses Jahres dort kontrolliert und etliche Knöllchen verteilt. Zuletzt sei die Zahl der Verstöße zwar „leicht rückläufig“ gewesen, sagt Costard, gleichwohl steht das Thema aber am Donnerstag auf der Tagesordnung der regelmäßigen Verkehrsbesprechungen von Stadt, Polizei und Aseag. „Und da gibt es keine Denkverbote“, sagt Costard. „Vielleicht denkt man da auch über bauliche Veränderungen nach.“ Platz wäre ja genug vorhanden. Selbst wenn hier ein Bus kommen würde...

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