Aachen - 1500 fordern schnelle Taten gegen Tihange

1500 fordern schnelle Taten gegen Tihange

Von: Matthias Hinrichs
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Riesiger Andrang vor der Rotunde: Rund 1500 Demonstranten protestierten lautstark gegen den Beschluss, das vielfach von Pannen gebeutelte Atomkraftwerk in Tihange weiter am Netz zu lassen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Statt sanfter Klingklöckchenklänge dröhnte (vermeintlicher) Katastrophenalarm aus den Lautsprechern. Statt Punsch wurden Plakate in Massen geschwungen. Anders als mancher Geschäftsmann können die Vertreter des Aktionsbündnisses gegen Atomenergie dieser Tage über mangelnden Zuspruch beileibe nicht klagen.

Rund 1500 Demonstranten haben am Dienstagabend am Elisenbrunnen keinen Zweifel daran gelassen, dass sei keine Ruhe mehr geben wollen, bis der Atomreaktor im belgischen Tihange endgültig abgeschaltet ist. Nach der jüngsten Panne in Block 1 des Kraftwerks nahe Lüttich übten auch zahlreiche Ratspolitiker unter der Rotunde – und unter teils frenetischem Jubel der Protestierenden – den Schulterschluss im Widerstand gegen die Pläne, auch jenen Teil der Anlage in Kürze wieder ans Netz zu nehmen, der aufgrund eines Brandes erst vor wenigen Tagen heruntergefahren worden ist.

So blickten die Organisatoren Walter Schumacher und Jörg Schellenberg nicht nur weiterhin mit größter Sorge Richtung Westen, sondern auch mit großer Freude auf die beeindruckende „Abstimmung mit den Füßen“ vor ihren Mikros. „Frau Merkel, Sie schaffen das!“, war da etwa auf einem Plakat zu lesen – und: „Wir wollen keine Flüchtlinge werden.“ Die Politik habe – leider auch in Aachen – längst nicht genug unternommen, um die Parlamentarier im Nachbarland zum Ausstieg aus der brandgefährlichen Technologie zu bewegen, konstatierte Schumacher einmal mehr.

Wütende Pfiffe ernteten daher vor allem zwei potenzielle Redner, die an diesem Abend gar nicht vor besagte Mikros traten: Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte sich wegen anderweitiger Verpflichtungen entschuldigen lassen, auch Feuerwehr-Chef Jürgen Wolff war nicht erschienen.

Statt dessen geißelten Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) die Atompolitik im Nachbarland. Etschenberg betonte, dass er damit im Namen sämtlicher Bürgermeister der Städteregion spreche. Scheidt zeigte sich „enttäuscht“ von der Bundesregierung – es könne nicht angehen, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks nicht erheblich mehr Druck auf die Mächtigen in Brüssel ausübe.

„Wenn die Gesundheit von Hunderttausenden gefährdet ist, brauchen wir einen internationalen Schulterschluss gegen die Atomkraft“, sagte Scheidt unter großem App-laus. Nicht weniger als rund 100 000 Unterschriften gegen Tihange und Co. habe man der belgischen Atombehörde gerade erst übergeben. Uneingeschränkte Solidarität mit den Protestierenden bekundeten neben dem Dürener Bundestagsabgeordneten der Grünen, Oliver Krischer, auch die Ratsleute Mathias Dopatka (SPD), Peter Blum (FDP) und Leo Deumens (Die Linke). Und: Mit Muriel Gerkens hatte sich auch eine Abgeordnete aus dem belgischen Nationalparlament am Elisenbrunnen eingefunden.

Auch sie forderte die Zuhörer auf, im Gespräch mit den Menschen jenseits der Grenze Überzeugungsarbeit zu leisten. Leider sei der Versuch der belgischen Grünen, die Bürgermeister in den Städten und Gemeinden Ostbelgiens zu einer gemeinsamen Stellungnahme gegen Tihange zu bewegen, gescheitert.

Dass die Bürger durchaus Möglichkeiten hätten, sich zu wehren, wurde vielfach unterstrichen. „Bombardieren sie den AKW-Betreiber Electrabel mit Mails, motivieren Sie ihre belgischen Freunde, auf Anbieter von Ökostrom umzusteigen“, sagte eine Vertreterin des Bündnisses. „Es gibt viele Wege. Ich selbst habe Electrabel soeben eine Rechnung geschickt zur Begleichung der Kosten für Vorsorgemaßnahmen, die ich für meine Familie ergriffen habe.“

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