1,5 Millionen Euro für den Marienturm

Von: Matthias Hinrichs
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Schwieriges Terrain: Mit großer Vorsicht gehen die Archäologen schon wegen diverser Versorgungsleitungen am Marienturm zu Werke. Bis zu drei Meter tief wollen sie buddeln – und hoffen, dabei auf Reste der alten Königshalle aus Kaiser Karls Tagen zu stoßen. Foto: Michael Jaspers
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Vor Karls Bauarbeitern könnten die Römer Spuren hinterlassen haben: Andreas Schaub wittert wieder manche kleine Sensation unterm Rathaus.

Aachen. Während am Marienturm die ersten Baugerüste in die Höhe wachsen, rücken dieser Tage bereits die „Bodenexperten“ dem altehrwürdigen Gemäuer zu Leibe – buchstäblich. Das Großprojekt namens Rathaussanierung geht in die nächste Etappe: Wenn die Aachener im kommenden Jahr den 1200. Todestag ihres Stadtpatrons feiern, sollen die Reparaturen am zweitschönsten Prachtbau der Stadt abgeschlossen sein.

Und buchstäblich tiefschürfende Erkenntnisse könnten auch im Zuge der Restaurierung des mächtigen Rathausturms nicht lange auf sich warten lassen – hofft nicht nur Stadtarchäologe Andreas Schaub.

Bis zu drei Meter tief will Schaubs Team am Fuß des mittelalterlichen Bollwerks buddeln, um den Geheimnissen der Aachener Historie abermals ein Stück näher zu kommen. „Gleich neben dem Marienturm haben wir bereits Mauerreste von mittelalterlichen Gebäuden freigelegt, die übrigens erst nach dem großen Rathausbrand im Jahr 1883 aus dem Stadtbild verschwunden sind“, erläutert der Experte. Dass sich weiland unmittelbar neben dem Turm ein eher zierliches Drei-Fenster-Haus sowie ein weiteres jahrhundertealtes Gebäude befanden, das zuletzt eine Apotheke beherbergt hat, sei unter anderem durch Ansichtskarten aus dem 19. Jahrhundert belegt.

Schaubs Erwartungen freilich sind weit höher – beziehungsweise viel tiefer – anzusiedeln. „Wir haben jetzt die Chance, auf die Grundmauern der ehemaligen Aula Regia Karls des Großen zu stoßen, auf denen das heutige Rathaus im 14. Jahrhundert errichtet wurde“, frohlockt der Archäologe. „Damit können wir hoffen zu erfahren, wo das Bodenniveau beim Baubeginn in der Karolingerzeit genau gelegen hat. Und: Es wäre natürlich fantastisch, wenn wir das exakte Datum durch Fundstücke wie Scherben, Münzen oder Holzreste ermitteln könnten.“ Denkbar sei zudem, dass man drei Meter unterm zeitgenössischen Pflaster abermals auf römische Relikte stößt, etwa Reste der Wehranlage aus dem 4. und 5. Jahrhundert, die ebenfalls erst kürzlich an der Westseite des Katschhofs entdeckt worden sind.

Unterdessen nehmen Schaubs Kollegen vom städtischen Gebäudemanagement bereits die nahe Zukunft des historischen Bauwerks in den Blick. Rund 1,5 Millionen Euro – größtenteils aus Mitteln des Konjunkturprogramms I – werden für den vierten und fünften Abschnitt der Rathaussanierung in die Hand genommen. Ebenso wie jüngst beim Granusturm muss das äußere Dach des Marienturms vollständig erneuert werden. Die Bleieinfassungen weisen tiefe Risse und Löcher auf. Das berühmte Glockenspiel, das 1979 vom niederländischen Spezialunternehmen „Koninklijke Eijsbouts“ unterm Turmdach installiert worden ist, wird demontiert und ebenfalls erneuert. Ein schwieriges, aber notwendiges Unterfangen: „Am Übergang zur Schiefereindeckung des Turmkegels dringt bereits Wasser ein“, weiß Axel Costard vom städtischen Pressebüro.

In Kürze wird das Mauerwerk im Keller des Turms trockengelegt sein. Und sobald die Archäologen ihr Werk vollendet haben, wird auch der untere Teil eingerüstet. Somit können weitere Forschungen am Gemäuer vorgenommen und natürlich Schäden behutsam behoben werden.

Viele Fragen wirft das Projekt derweil nicht nur aus Sicht der Wissenschaftler auf. So muss geklärt werden, wie die Betonglasfenster nach Entwürfen des Architekten Gerhard Graubner aus den Sechziger Jahren nachhaltig erneuert werden können. Und wer weiß: Womöglich finden sich – ein paar Meter tiefer – ja neue Hinweise auf die Spuren eines uralten Mythos‘. 1199 Jahre nach dem Tod des großen Kaisers käme die Entdeckung seiner sagenumwobenen Grabstätte auch den städtischen PR-Experten wohl gerade recht . . .

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