Aachen - 15 Jahre Schuldnerberatung: Der Armut ein Gesicht geben

15 Jahre Schuldnerberatung: Der Armut ein Gesicht geben

Von: Valerie Barsig
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Die Schuldnerberatung ist aktu
Die Schuldnerberatung ist aktueller denn je: Leiterin Angelika Frevel zeigt Bilder der Ausstellung zum Jubiläum sowie Informationsmaterial für Kinder. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein neues Leben in Berlin-Kreuzberg anfangen, das wollte Ulrike B. Anfang der 80er. Eine Stelle als Erzieherin und die Liebe zu einem Berliner brachten sie in den Osten. Nur ein Jahr später platzt der Traum: Sie ist mit dem Fahrrad unterwegs und wird von einem Auto überfahren - 80 Prozent schwerbehindert ist sie nun, berufsunfähig und vor allem hoch verschuldet.

Ulrike B. ist einer von den Menschen, die Armut und Verschuldung in Deutschland ein Gesicht geben wollen. Deshalb hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben und sich fotografieren lassen von Mathias Richter für die Ausstellung des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte „Zwischen Mut und Verzweiflung - Es geht weiter”.

Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Schuldnerberatung Aachen sind einige der Fotografien bis zum 29. Juli auch in den neuen Räumen im DGB-Haus in der Dennewartstraße 17 zu sehen. „Die Menschen, die von Schulden betroffen sind, kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft”, erzählt Angelika Frevel, Leiterin der Schuldnerberatung in Aachen.

„Alleinerziehende Mütter, Künstler, Arbeitslose aber auch Geringverdiener sind von dem Problem betroffen”, sagt sie. In Deutschland sind das 3,13 Millionen Haushalte, also etwa acht Prozent der Menschen im Land, die laut Bundesregierung überschuldet sind. „Betreut werden die Leute, die zu uns kommen, je nach Verschuldung mehrere Monate bis zu einem Jahr. Bei einem Insolvenzverfahren sogar bis zu sechs Jahren”, erklärt Angelika Frevel.

Eine Garantie, die Geldsorgen loszuwerden, gebe es aber nicht. Konstantes Mitarbeiten der Schuldner sei Grundvoraussetzung, um wieder bei Null beginnen zu können. Einfach gestaltet sich die Arbeit der Schuldnerberatung allerdings nicht: Nur wer einen Gutschein vom Jobcenter bekommt, kann die Beratung überhaupt in Anspruch nehmen.

Allein 80 Hilfesuchende mussten im letzten Jahr von der Schuldnerberatung abgelehnt werden. „Menschen, die Geringverdiener sind, bekommen im Gegensatz zu Hartz IV-Empfängern keine Unterstützung, sind aber trotzdem häufig verschuldet. Da muss dringend nachgebessert werden. Wir sind zwar im Gespräch mit der Politik, das verläuft allerdings zäh”, kritisiert Frevel.
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