Aachen - 14 Stolpersteine als Mahnung für die Zukunft

14 Stolpersteine als Mahnung für die Zukunft

Von: Andreas Steindl
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Erinnerung an die Familie Frank, Mahnnung für die Zukunft: Am Pastorplatz mauerte Axel Stärk vom Bauhof der Stadt die „Stolpersteine” im Beisein der Anne-Frank-Schüler in den Boden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, meint der Künstler Gunter Demnig. Und deswegen schuf er die Stolpersteine. Jeder einzelne Stein erinnert an ein Schicksal, an einen Mord, an eine Gräueltat.

Verübt durch Nazis zwischen 1933 und 1945. Bereits im letzten Jahr wurden neun Steine in die Wege eingearbeitet, am Montag kamen 14 weitere an fünf verschiedenen Orten hinzu.

Vier Steine erinnern an der Freunder Landstraße an die Familie Borkowski, fünf an der Trierer Straße an die Familie Mathes, drei am Pastorplatz an die Familie Frank, deren Schicksal durch das Tagebuch der Tochter Anne um die Welt ging. Jeweils ein Stolperstein wurde in der Salierallee und in der Triebelsstraße in Gedenken an Anne Amberg und Lili Frankenstein vor den Häusern platziert, in denen die Opfer zuletzt gewohnt haben.

Doch es wurden nicht nur einfach Steine verlegt. Vielmehr haben sich Kinder und Jugendliche teilweise über Jahre mit der jüdischen Geschichte und besonders mit den Biografien der Opfer beschäftigt. In Brand wurde deswegen auch die Stolpersteinverlegung in einen würdigen Festakt gepackt. Schüler der Gesamtschule Brand und des Evangelischen Kinderheims präsentierten Auszüge aus dem Tagebuch der Anne Frank, ein Chor aller Brander Grundschulen untermalte das Ganze passend. Diana Mathes, eine Enkelin zweier Opfer war dafür mit ihrem Mann extra aus New York angereist, und als die Steine für ihren Großvater und ihre Großmutter in den Boden gelassen wurden, war nicht nur sie sichtlich bewegt.

Auch Axel Stärk und Rene John, die die Steine fachmännisch in den Boden einbauten, machten sich so ihre Gedanken, was hinter den Steinen und den Namen für Schicksale stecken und sind stolz darauf, die Aktion auf diese Weise unterstützen zu können.

Berthold Winterlich, Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums, involvierte die Schüler der Jahrgangsstufe 8 in die zweite Stolpersteinverlegung Aachens: „Eigentlich sind es ja keine Stolpersteine sondern Trittsteine, ein Tritt in eine Zukunft, die besser sein soll.” Da war es für ihn und seine Schüler natürlich eine Ehrensache, die Steine der Namensgeberin der Schule zu verlegen. Während Anne Frank und ihre Familie nur einige Monate in Aachen lebten, ist die Stadt für andere einfach Heimat gewesen. So auch Lili Frankenstein, die auf der Viktoriaschule ihr Abitur machte oder Anna Amberg, der das Haus an der Salierallee sogar gehörte, bis sie von den Nazis enteignet und schließlich ermordet wurde.

Genau diese Schicksale deckten Schüler des Einhard-Gymnasiums auf. Sieben Schüler schlossen sich einer von Waltraud Felsch geleiteten und auf Wunsch von Schülern entstandenen „Arbeitsgemeinschaft Stolperstein” an. „Das Leben der einzelnen Familien interessierte mich einfach. Aber es war schon schwierig, Material zu finden” erklärt etwa Linda Schaar ihre Motivation und die Schwierigkeiten der Recherche. Eliezer und Francis Treuherz, Urenkel und Enkel von Anna Amberg besuchten am Montag auch die Schüler der 10. Klasse des Einhard-Gymnasiums, um aus ihrem Leben und dem ihrer Familie zu erzählen. „Das war schon ergreifend und bedrückend”, beschreibt Dominik Bettag die Stimmung in der Klasse.

Rund 1300 Menschen jüdischen Glaubens wurden bei der Volkszählung 1933 registriert, hunderte wurden wie Anne Frank, Lili Frankenstein, Simon Borkowski oder Erich Mathes verschleppt und in Konzentrationslagern umgebracht. Es gibt also noch viele Namen und Schicksale, die man nicht vergessen sollte.
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