14 Monate auf dem Rad und im Zelt

Von: Bernd Büttgens
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Wohnung aufgelöst, Job gekündigt, Fahrrad gepackt: Sabine und Bernd Simons werden heute Aachen verlassen, um 14 Monate mit ihren Rädern Süd- und Mittelamerika zu Foto: Michael Jaspers

Aachen. Leben ist Reisen. Das ist ein munteres Motto, und so manch einer wird dem gerne zustimmen, ein-, zweimal pro Jahr. Welch andere Bedeutung bekommt der Slogan, wenn er im wahrsten Wortsinn zu verstehen ist!

Sabine und Bernd Simons, beide 33, sie Sozialarbeiterin, er Consultant bei einer Softwarefirma, mögen keine halben Sachen und werden deshalb morgen früh von Frankfurt aus nach San José, was in Costa Rica liegt, aufbrechen. Dann sind die knapp einjährigen Vorbereitungen endlich Geschichte, dann ist die Idee dieser Reise ein letztes Mal erzählt worden, dann werden zum letzten Mal die engsten Leute - vielleicht ja Sabines Eltern am Flughafen - gefragt haben, ob es denn wirklich sein muss.

Ja, es muss. 14 Monate wollen die beiden Aachener durch Süd- und Mittelamerika mit dem Fahrrad reisen, Costa Rica, Panama, per Flugzeug die Brücke über Kolumbien rüber nach Peru, dann drei, vier Monate durch die Anden, sprich Bolivien, Chile, Argentinien, runter nach Patagonien, Feuerland. „Und die letzten beiden Monate wollen wir dann noch durch Neuseeland fahren”, sagt Sabine, und Bernd strahlt dazu. Es wird eine extreme Tour, das wissen die beiden, am Ende könnten es rund 15000 Kilometer werden. Mal in der Höhe der Anden, da gibt es Pässe im 4000-Meter-Segment. Mal in tropischer Hitze, willkommen im Dschungel.

Natürlich hat diese Reise ihre Geschichte, ihre Wurzeln. Dass die beiden Aachener gerne mit dem Rad unterwegs sind, versteht sich. Und dass sie deshalb lieber mit dem Rad urlauben als mit dem Auto, kann der Zuhörer gut nachvollziehen. „Wir haben unseren ersten Urlaub in Südfrankreich mit dem Auto gemacht”, erzählt Bernd Simons. „Das war alles sehr schön, doch im Nachhinein waren wir uns einig, dass man Land und Leute wohl viel besser kennenlernt, wenn man mit dem Rad reist.”

Daraus wurde ein Motto - zunächst für die Urlaube: Was im darauffolgenden Jahr mit einer Tour vom Gardasee in die Toskana begann, fand diverse Fortsetzungen: Thailand. Indien. Laos. Marokko, Achtung: China!

„Die kleineren Ausflüge in der Heimat zählen wir kaum mehr mit”, sagt Sabine. Straßburg - Bodensee - München oder München - Venedig, solche Etappen meint sie.

So reifte, vom Reiz der Touren beseelt, von ihren körperlichen wie geistigen Herausforderungen, vor allem aber von den zahlreichen Begegnungen mit den Menschen beflügelt die ganz große Idee: in Aachen aussteigen, in Costa Rica aufs Rad steigen - und dann bis Feuerland und noch ein Stück weiter. „Jetzt können wir das noch machen”, sagen die beiden, die nach anfänglichem Zögern den Weg konsequent gegangen sind.

Zeit ist purer Luxus

Sabine, gebürtig im Sauerland, hat ihren guten Job in einem Wohnheim für Behinderte in Krefeld gekündigt, Bernd hat im Aachener Softwarehaus adieu gesagt. Was nach der Heimkehr folgt? Abwarten, sagen die beiden gelassen.

„Wir wissen, dass es der pure Luxus ist, 14 Monate Zeit zu haben”, sagt Sabine. Sie weiß aber auch, welche Entbehrungen, welche Vorbereitungen, welche Strapazen das mit sich bringt. Gute Freunde sprechen mit großem Respekt vom Mut der beiden, der Öcher Uradel in der Bekanntschaft hat auch das schöne Wörtchen „total bekloppt” in den Mund genommen. Wie auch immer, Sabine und Bernd Simons starten morgen früh durch. Die Räder - Spezialreiseräder mit Stahlrahmen -, dazu 30 Kilo Gepäck inklusive Zelt, in jeweils fünf Taschen verpackt, stehen bereit. „Wir werden es realisieren, wenn der Flieger abhebt”, sagt Bernd.

Es wird Tränen geben, klar. Und auch Heimweh. „Dass wir den Öcher Karneval nicht miterleben können, das schmerzt zum Beispiel”, sagt Sabine. Narrenkappe, Pappnase und das gesammelte Werk der Drei Atömchen als mp3-Dateien sollen deshalb den entsprechenden Trost spenden.
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