Aachen - 13. RWTH-Wissenschaftsnacht: Kaiser Karl kommt aus dem 3D-Drucker

13. RWTH-Wissenschaftsnacht: Kaiser Karl kommt aus dem 3D-Drucker

Von: Katharina Redanz
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Volle Ränge am Freitagabend: Bei der Wissenschaftsnacht kommen meist mehr als 5000 Besucher. Foto: Steindl
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Auf der Bühne zischt und knallt es: Das ist die Wissenschaftsnacht. Foto: Steindl

Aachen. Partystimmung im Hörsaal – und das am Freitagabend um halb acht. Eine Zeit, zu der Studenten und Lehrende in der Regel schon ihr Wochenende genießen. Doch stattdessen sind alle Plätze besetzt, der Raum prall gefüllt und auf der Bühne knallt und zischt es. Das Publikum jubelt und applaudiert so, wie es eher auf Konzerten oder im Theater als an einer Universität der Fall ist.

Es ist die 13. RWTH Wissenschaftsnacht „5 vor 12“. Auf der Bühne steht Joachim Hecker, Wissenschaftsredakteur beim WDR, und zeigt in „Heckers Hexenküche“ verschiedenste Experimente – von Styropor-Fröschen im Schnellkochtopf über Wunderkerzen, die auch unter Wasser noch brennen bis hin zu einem Bleistiftanspitzer, der sich in Essig auflöst und dabei sogar noch einen Luftballon aufbläst. „Ganz klar, wenn Essig und Blei aufeinandertreffen kommt es zu einer chemischen Reaktion und es entsteht Wasserstoff“, erklärt Hecker. Das Publikum ist fasziniert.

Seine Hexenküche ist eine von über 70 Veranstaltungen von verschiedensten Fachrichtungen der Hochschule. „Wir wollen der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, einmal hinter die Kulissen dieser großen Hochschule zu schauen“, sagt Rektor Ernst Schmachtenberg, sie sei ja sehr präsent in Aachen aber viele wüssten nicht ganz genau, was hier passiert. „Außerdem wollen wir gegenüber der Stadt offen sein und eine gute Nachbarschaft pflegen“, so Schmachtenberg. Ihn freue besonders, dass so viele junge Leute da sind: „Durch so eine Nacht können wir hoffentlich auch Berührungsängste abbauen, sodass die jungen Menschen später keine Angst vor dem Studium haben.“

 

Ein paar Meter weiter auf dem sogenannten „Physik-Jahrmarkt“ sind die Berührungsängste im wahrsten Sinne des Wortes jetzt schon nicht mehr vorhanden. Marc Strehlow, Maschinenbaustudent an der RWTH, steht in einem Käfig aus Metall und weiß, dass genau hier gleich der Blitz einschlagen wird. Mutig berührt er mit einer Hand die Innenseite des Käfigs, plötzlich surrt es sehr laut und der künstliche Blitz ist zu sehen – Marc ist unversehrt. „Mit so einer Aktion wollen wir den Menschen zeigen, dass sie bei Gewitter zum Beispiel im Auto wirklich sicher sind und nichts passieren kann“, erklärt Dr. Marco Pratzer vom Lehrstuhl für Experimentalphysik. Hochspannung sei ein wichtiges Thema: „Das ist für die Menschen eigentlich ein Alltagsthema, aber leider schätzen sie die Gefahr von Blitzen nicht richtig ein.“ Hauptsächlich ginge es bei der Wissenschaftsnacht aber darum zu zeigen, „was in der Physik an der RWTH so läuft“ und die Lust an Physik bei den Menschen zu wecken. „Und das funktioniert“ sagt Pratzer und lacht, „es ist schon einmal ein Student zu mir gekommen der gesagt hat, dass er bei der Wissenschaftsnacht hier war und jetzt tatsächlich Physik studiert.“

Genau so etwas wünscht sich auch Prof. Dr. Leif Kobbelt vom Lehrstuhl für Computergraphik und Multimedia der Informatik. Und es läuft gut: Vor dem Stand seines Lehrstuhls im Super C steht eine Menschentraube, die gebannt auf einen kleinen Kaiser Karl schaut: Der wohl bekannteste Aachener wird live von einem 3D-Drucker gedruckt. „Das hier so viele stehen bleiben ist verständlich“, sagt Kobbelt, schließlich seien 3D-Drucker „voll im Trend“ und der kleine Karl sei hier wirklich „Wissenschaft zum Anfassen.“ Doch bis ein Objekt wie Karl gedruckt werden könne sei es ein langer Weg, der den Menschen häufig nicht bewusst sei. „Wir am Institut entwickeln Algorithmen, um Daten eines Objektes zu erzeugen und druckbar zu machen“, erklärt er. Die Wissenschaftsnacht eigne sich optimal um darauf aufmerksam zu machen: „Wir wollen Wissenschaft populär machen und unser Ziel ist es, dass die Leute unsere Arbeit wertschätzen.“ Denn „viele Menschen wissen gar nicht, wie viel Wissenschaft in ihrem Alltag steckt“, so Kobbelt, das fange beispielsweise schon beim Smartphone an. Mit dem Drucken von Karl sind die Informatiker auf jedem Fall auf dem besten Wege ihr Ziel zu erreichen: Die Menschentraube rund um den Drucker wächst stetig.

Aber nicht nur Wissenschaft zum Anfassen gibt es an diesem Abend bis Mitternacht: Mit beispielsweise Konzerten von „AStAcapella“ und der Bläserphilharmonie Aachen gibt es auch musikalische Darbietungen, beim RWTH „Science Slam“ verschmelzen Wissenschaft und Poesie.

„Es ist eine tolle und vielseitige Veranstaltung“, sagt Rektor Schmachtenberg, ein bisschen sei es so wie ein Tag der offenen Tür. Zwischen 5000 und 6000 Menschen erwarte er insgesamt auf allen Veranstaltungen – nach denen der Besucher gewiss weiß, was „an der RWTH und in der Wissenschaft so läuft.“

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