1,3 Millionen Mehrkosten: Politik in Rage

Von: Jan Mönch
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Hübsch anzusehen, aber alles andere als günstig: Das neue Gebäude für Aachens vierte Gesamtschule soll (inklusive Turnhalle) mindestens 1,3 Millionen Euro teurer werden. Grafik: Büro Kresing

Aachen. Schlägt die Verwaltung einem Ausschuss vor, ihre Entwürfe, Planungen oder Berechnungen „zustimmend zur Kenntnis“ zu nehmen, dann möchte sie, dass die Ausschussmitglieder ihr – im übertragenen Sinne – freundlich auf die Schulter klopfen und sagen „Gut gemacht, liebe Verwaltung“.

Ebendieser Vorschlag wurde auch dem Schulausschuss unterbreitet, bei dem es am Mittwoch um Aachens vierte Gesamtschule ging. „Zur Kenntnis nehmen“ mussten die Vertreter der Politik, dass die Kosten abermals gestiegen sind, da blieb ihnen nichts anderes übrig. Das Wörtchen „zustimmend“ ließen sie allerdings in fraktionsübergreifendem Einvernehmen streichen – „zähneknirschend“ hätte es womöglich getroffen. Außerdem wurde dem Planungsausschuss empfohlen, abermals nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Wie Ende 2010 vom Stadtrat beschlossen, soll an der Sandkaul-straße ein neues Gebäude für Aachens vierte Gesamtschule entstehen. Hierzu soll auch auf die vorhandene Bausubstanz der David-Hansemann-Realschule zurückgegriffen werden (wo nun auch die Ausschusssitzung stattfand). Wie berichtet, werden die Kosten rund 1,3 Millionen Euro höher ausfallen als ursprünglich prognostiziert. Von den Mehrkosten entfallen 700 000 auf die geplante Turnhalle, 600 000 Euro auf das Schulgebäude selbst. Aller Voraussicht nach werden die Gesamtkosten nach neuestem Stand so bei 15,1 Millionen Euro liegen.

Grund hierfür sind unter anderem marode Leitungen und zu beseitigende Schadstoffe aus dem alten David-Hansemann-Gebäude. Und auch die Instandsetzung von dessen Türmen wird wohl aufwendiger ausfallen als ursprünglich angenommen.

Außerdem, so die Ausführungen von Klaus Schavan, dem technischen Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, wurde von seinem Haus eine inflationär bedingte Kostensteigerung von 2,3 Prozent einkalkuliert, die für den Zeitraum zwischen Planung und Umsetzung angenommen werden könne. Diese sogenannte Indexierung wolle die Stadt im Sinne von „Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit“ bei größeren Bauvorhaben künftig häufiger vornehmen. Ein „Paradigmenwechsel“ (Schavan), den der Ausschuss nicht mit großer Gegenliebe honorierte.

Noch weniger Verständnis wurde dafür aufgebracht, dass das beauftragte Münsteraner Architekturbüro Kresing entlang der Sandkaulstraße eine „städtebaulich anspruchsvollere Fassade“ errichten soll, wie es in den Sitzungsunterlagen hieß. „Die Schule erträgt seit Jahren das Wellblech da draußen“, bemerkte Ulla Griepentrog mit Blick aus dem Fenster, „vielleicht erträgt sie ja auch, dass ihre Fassade nicht in eine Hochglanzbroschüre passt.“ Auch wies der Ausschuss darauf hin, dass das nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Volkszählung von 2011 (zumindest auf dem Papier) geschrumpfte Aachen in Zukunft mit deutlich weniger Schlüsselzuweisungen durch das Land auskommen muss – ergo müsse in Zukunft jede Euromünze noch einmal mehr umgedreht werden als bislang.

Schavan beteuerte zwar, dass die Wahl der kostpieligeren Fassade nicht nur nach optischen Gesichtspunkten gefallen sei, sondern sich in Sachen Unterhalt auf Dauer rechnen werde. Unterstützung hielt er jedoch nur von Schulleiter Hanno Bennemann, dem die Empfehlung an den Planungsausschuss, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, partout nicht gefallen wollte: „Meine Angst ist, dass es dann an die Konzepte geht.“

Der Um- und Neubau des Schulgebäudes soll 2014 beginnen, die Turnhalle wird voraussichtlich erst 2016 angegangen.

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