1200 Gäste strömen zum 50-jährigen Jubiläum

Von: Aljona hartstock
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Gewaltiges Interesse: Moderato
Gewaltiges Interesse: Moderator Bernd Büttgens beleuchtete im Business-Bereich des Tivoli in Gesprächsrunden Aufgaben und Herausforderungen der Lebenshilfe. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein derart reges und fröhliches Treiben wie am 11. Februar herrscht im Business-Bereich des Tivoli in diesen Tagen vermutlich nicht oft. Das Fest zum 50-jährigen Jubiläum der Lebenshilfe Aachen lockte sagenhafte 1200 Gäste - darunter Politiker, Mitarbeiter und Angehörige - in das Stadion. .

Die Selbsthilfeorganisation hatte ein buntes Programm mit Jazzmusik von den „Perlen”, Gesprächsrunden und einer ohrenbetäubenden Überraschung vorbereitet. Doch dazu später mehr

Zunächst stimmte Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur der Aachener Zeitung, die Zuschauer auf das Thema ein, indem er den Traum von Adam Ruczinsky aus dem Buch „Normal? Sind wir doch alle nicht!” zitierte.

Der junge Mann arbeitet in der Holzwerkstatt, würde aber gern einmal Koch werden. Anschließend kam Büttgens mit Politikern und Mitgliedern des Vorstands der Lebenshilfe ins Gespräch.

Vorstandsvorsitzender Professor Gerd Ascheid brachte die Aufgabe der Lebenshilfe auf den Punkt: Menschen mit Behinderungen dabei zu helfen, so normal wie möglich zu leben. Dazu bietet man breite Unterstützung. Frühförderung, Gesprächskreise für Eltern und betreutes Wohnen sind da nur einige von vielen Beispielen.

Auch Ascheid wird - wie viele andere bei der Lebenshilfe - für seine Arbeit nicht bezahlt. Arbeitsminister Guntram Schneider nutzte das Jubiläum in Aachen, um sich für das Engagement der rund sechs Millionen Ehrenamtler in NRW zu bedanken.

Allein durch das Ehrenamt kann die Lebenshilfe heute jedoch nicht mehr getragen werden. Geld kommt hier in erster Linie vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Etwa 22 Millionen Euro fließen jährlich nach Aachen, erklärte LVR-Direktorin Urike Lubek.

Das Ziel der Inklusion - also das alltägliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung - nimmt in manchen Bereichen bereits konkrete Formen an. Dies zeigt das Beispiel von Max Haberland: Er hat eine Behinderung und arbeitet als Vorstandsmitglied bei der Lebenshilfe in Aachen.

„Ich habe keine Alibifunktion, sondern kann die Geschicke der Organisation entscheidend mitlenken”, betonte er. Das sei in anderen Städten jedoch nicht immer der Fall. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen mit Behinderungen Teil der Gesellschaft sind. Aber an der Umsetzung muss noch gearbeitet werden”, erklärte auch Oberbürgermeister Marcel Philipp.

In der zweiten Talkrunde schilderten Mitarbeiter und Eltern konkrete Erfahrungen mit der Lebenshilfe. Es wurde deutlich, dass die Organisation für manche Familien nicht nur zu einer großen Stütze, sondern sogar unentbehrlich geworden ist. Für die Zukunft wünscht sie Geschäftsführer Herbert Frings daher „Mitarbeiter mit Herz und Verstand, die ihren Job gerne machen”.

Flohmarkt als Spendenquelle

Vorbilder gibt es schon. So wurden engagierte Mitarbeiter geehrt, die seit 25 beziehungsweise 30 Jahren den jährlichen Flohmarkt organisieren.

Dazu sammelt das Team das ganze Jahr über Sachspenden in der Städteregion Aachen, die dann zum Jahresende verkauft werden. So nahmen Gerda Jansen, Paul Zeevaert, Brigitte Schulze (vertreten von ihrer Schwester Hildegart Meeßen) und Marianne Schell die Ehrennadel entgegen.

Zum Finale hatten sich die Veranstalter noch eine Überraschung ausgedacht: Mit vielen Trommeln konnte das Publikum unter Anleitung des Teams vom „Drum Cafe” Rhythmusgefühl unter Beweis stellen. Der Business-Bereich des Tivoli verwandelte sich für eine halbe Stunde in ein Trommel-Orchester, bei dem alle sichtlich Spaß hatten.

Mit einem lauten Pauken- oder besser Trommelschlag ging so die Jubiläumsveranstaltung der Lebenshilfe Aachen zu Ende.

Vorbildliches Engagement der Ehrenamtler beim Festakt ausgezeichnet

Ehrung der Ehrenamtler der Lebenshilfe: Vorstandsvorsitzender Professor Gerd Ascheid (im Bild 2.v.l.) und Geschäftsführer Herbert Frings (2.v.r.) zeichneten Paul Zeevaert (1.v.l.), Maria Schell (3.v.l.), Wolfgang Schäfer (4.v.l.), Brigitte Schulze (3.v.r.) und Gerda Jansen (1.v.r.) für deren langjährigen Engagement zum Wohle behinderter Menschen aus.

Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kündigte unterdessen beim Festakt an, sich in absehbarer Zukunft in der Bundesorganisation der Lebenshilfe stärker engagieren zu wollen.

Der Verein Lebenshilfe war 1962 in Aachen von betroffenen Eltern, Angehörigen und Förderern gegründet worden. Erste Aktivitäten waren Spielenachmittage mit Behinderten im Jugendheim Kalverbenden. Heute betreibt man - unter anderem - mehrere Wohnheime und Kitas.

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