Aachen - 100 Jahre Kriegsgräberstätte Ehrenfriedhof

100 Jahre Kriegsgräberstätte Ehrenfriedhof

Von: Julia Arndt
Letzte Aktualisierung:
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Völkerverbindende Kranzniederlegung, Oberbürgermeister Marcel Philipp und Vertreterin der Stadt Lüttich Brigitte De Deyne vor dem restaurierten Obelisken Foto: Kurt Bauer

Aachen. Licht fällt durch das Blätterdach auf den mosigen Waldboden. Getragene Klänge einer Trompete durchbrechen die andächtige Stille. Es ist ein milder Herbstnachmittag auf dem Aachener Ehrenfriedhof. Hundert Jahre nachdem beschlossen wurde genau an diesem Ort eine Kriegsgrabstätte zu errichten.

Rund 60 Aachener Bürgerinnen und Bürger versammelten sich am 11. September auf dem Gelände des Waldfriedhofs um diesem Jahrestag zu gedenken. In stiller Andacht an die insgesamt über 5.000 Opfer der beiden Weltkriege und der Nazi-Diktatur.

Oberbürgermeister Marcel Philipp eröffnete die Veranstaltung und übergab danach das Wort an die anwesenden Vertreter der drei Glaubensgemeinschaften. Ein jüdisches Gebet, eine kurze Lesung aus dem Evangelium, eine Rezitation aus dem Koran. Drei Sprachen, eine Botschaft: Frieden - für die Verstorbenen, wie für uns und unsere Zukunft.

Wie brüchig dieser Frieden sein kann, sprach auch der Oberbürgermeister in seiner Rede an. Das Datum, das nun schon seit 13 Jahren mit einer ganz neuen Art von Krieg assoziiert wird, führt dies leider mehr als deutlich vor Augen. Mit Blick auf den nahen Osten, den Irak und die Situaion in der Ostukraine bedarf es keiner langen Erklärung, warum die Anwesenheit einer Vertreterin der Stadt Lüttich, als Zeichen der Aussöhnung 100 Jahre nach dem Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien immer noch bewegenden Symbolcharakter besitzt.

„Unser Gedenken an dieser Stelle mahnt uns, nicht nur heute, sondern an jedem anderen Tag des Jahres genug zu tun, damit ein solches Leiden und Sterben sich nicht wiederholt. Wir wollen nicht gegeneinander sterben, sondern miteinander leben.“, sagt Marcel Philipp.

Zentrum der Gedenkfeier ist ein über vier Meter hohe Obelisk, den die französische Armee schon 1923 für gefallene alliierte Soldaten errichtete. Dank des Einsatzes des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge, der Bundeswehr, des Aachener Stadtbetriebs, der Aachener Steinmetzinnung und tatkräftiger Mithilfe aus der Bürgerschaft konnte das Denkmal aus rotem Mainsandstein vor dem Verfall gerettet werden.

Gedenkstätten wie diese und ihre Instandhaltung sind von großem Wert. Wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch erinnern sie an Taten, die sich in ihrer Grausamkeit kaum begreifen, geschweigedenn ausdrücken lassen und doch nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Um es mit den Worten des Oberbürgermeisters zu sagen:

„Wenn wir auch mit Worten ringen, die Denkmäler des Friedhofes sprechen ihre eigene Sprache.“

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