100 Jahre DLRG oder: „Deinem Leben Richtung geben“

Von: Valerie Barsig
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Einmal hinterm Steuer sitzen: Das Motorrettungsboot „Vieser Shadow“ erwies sich als Kindermagnet, als die DLRG am Elisenbrunnen ihren 100. Geburtstag feierte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Und plötzlich ist das Hochwasser auch in Aachen: nämlich durch die Erzählungen von Ralf Reisgen, Bezirksleiter der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Er ist in Magdeburg gewesen, hat mit vier Kollegen aus Aachen geholfen, die Deiche zu befestigen.

„Wir haben dafür gesorgt, dass ein Umspannwerk gesichert wird. Wäre es überflutet worden, wären mehrere Stadtteile ohne Strom gewesen“, berichtet er.

DLRG, das bedeutet nicht nur Rettung auf dem Wasser, sondern auch Rettungseinsätze an Land und Schwimmunterricht für Kinder und Erwachsene. Seit 100 Jahren gibt es die Gesellschaft – Grund genug, sich am Elisenbrunnen unter dem Motto „Flagge zeigen“ zu präsentieren. Einsatzfahrzeuge, ein Wasserrettungsboot, ein Sanitätszelt und Puppen für die Erste Hilfe gibt es zu sehen.

Viel wichtiger als das Equipment sind aber die Menschen, die hinter der Gesellschaft stehen: Die Mitglieder arbeiten alle ehrenamtlich. Die meisten kommen durch das Schwimmen zur Gesellschaft, viele fahren in den Ferien ans Meer und übernehmen dort Strandwachen. Mit „Baywatch“ sei das nicht zu verwechseln, scherzt Stephan Hecker, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Aachen.

Die Sache mit der Figur stimme dann doch nicht wganz. „Steht man im DLRG-Shirt am Strand, hört man oft: ‚Na, Deinen Job möchte ich haben‘. Viele Menschen wissen gar nicht, dass man das freiwillig macht“, erzählt er, während er neben einem Motorrettungsboot, Modell „Vieser Shadow“, steht. 6,30 Meter lang, 2,20 Meter breit und ein echter Kindermagnet: ein Mal hinterm Steuer sitzen und so tun, als würde man das Funkgerät betätigen.

Seit 1938 leistet die DLRG Dienst am Rursee. Sechs Wachmannschaften patrouillieren an den Wochenenden von April bis Oktober am See. Baden ist dort nämlich verboten. „Nur in den Freibädern darf gebadet werden. Überall sonst kann die Strömung sehr tückisch sein“, erklärt DLRG-Mitglied Jürgen Karl. „Auch auf die Segler müssen wir aufpassen“, sagt er. „Die Winde dort sind nicht immer berechenbar, man darf den See nicht unterschätzen.“ Letztes Jahr hat die DLRG 16 575 Stunden auf Schwimmer und Segler aufgepasst – 349 Mal musste sie ausrücken, allerdings nur einmal zur Lebensrettung.

Zwei Jahre Wachdienst am Rursee hat auch Dana Wolf hinter sich. Die 26 Jahre alte Biologiestudentin ist DLRG-Mitglied, seit sie klein war. Nachwuchsprobleme hat die Gesellschaft nicht: Von 3500 Mitgliedern in der Aachener Region sind 1900 unter 25. Dana Wolf ist Vorsitzende der DLRG-Jugend in Aachen. „Mit dem Ehrenamt bin ich aufgewachsen, meine Eltern haben mir das weitergegeben.“ Die Aufgabe mache ihr Spaß. „Aus Jungen Leuten selbstbewusste Erwachsene zu machen, das ist das Ziel“, erklärt sie. Dazu gehören neben Freizeitangeboten auch Schwimmtrainings, Erste-Hilfe-Kurse und Aufklärung: Baderegeln im Schwimmbad, Baderegeln am See und „Eisregeln“, also das Verhalten, wenn jemand im Winter ins Eis einbricht.

„DLRG, das steht für ‚Deinem Leben Richtung geben‘“, sagt einer, der es wissen muss: Leopold Chauvistré ist Mitglied seit 70 Jahren. Mit 13 Jahren kam er zur DLRG. „Mein Schwimmabzeichen bekam ich damals vor der ganzen Schule verliehen“, erzählt er. Schwimmlehrer, DLRG-Bezirksleiter, Vizepräsident des Landesverbands – „ich bin einfach haften geblieben“. Er hat das Schwimmen an seine Kinder weitergegeben. „DLRG, das ist eben mehr als nur Wasserrettung“, weiß er.

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