Bei Windkraft wähnt sich die Stadt auf der sicheren Seite

Von Oliver Schmetz | 14.02.2012, 20:48

Aachen. Der Bau neuer Windräder ist in Aachen umstritten - und wird das auch bleiben. Das hat einmal mehr die Debatte im Umweltausschuss am Dienstag gezeigt. Die Verwaltung stellte dort ihr Planungskonzept für neue Windkraftstandorte vor, mit dem die bislang avisierten Flächen deutlich verkleinert worden sind.
Nur im Norden im Bereich Horbach und Vetschau und im Süden im Münsterwald sollen neue, 185 Meter hohe Windräder gebaut werden können. Das Meinungsbild in der Politik ist dazu vielschichtig - zumindest am Dienstagabend. Die Mehrheit findet es gut (CDU und Grüne), die anderen wissen es noch nicht genau (SPD), manche wollen noch mehr Flächen für Windräder (Linke), manche doch lieber gar keine.

Bei Letzteren handelt es sich um die FDP, die damit ziemlich alleine steht. Im Norden führte Peter Blum für die Liberalen «die vielen Menschen» an, die «jetzt schon von Windrädern beeinträchtigt sind», im Süden den schützenswerten Wald: «Da müssten viele Bäume gefällt werden.»

Während die SPD im Norden Bedenken hat und noch Beratungsbedarf reklamiert, stellte Blum generell die Frage nach der euregionalen bzw. städteregionalen Zusammenarbeit in Sachen Windkraft. «Die Städteregion verweist dabei auf die kommunale Planungshoheit», antwortete Planungs- und Umweltdezernentin Gisela Nacken. Und Belgien und Holland? «Die machen ihre eigene Planung. Aachen ist gefragt!»

Und das mittlerweile noch mehr als früher. Denn der Gesetzgeber verlangt von den Kommunen, dass sie der Windkraft «substanziell» Raum verschaffen. In anderen Bundesländern hält man zwei Prozent der Fläche für substanziell, in NRW gibt es keine Festlegung. Die Verwaltung steht mit den vorgeschlagenen Flächen bei 1,45 Prozent.

«Das ist für eine Großstadt sehr ambitioniert, damit glauben wir, auf der sicheren Seite zu sein», sagt Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt. Möglicherweise müsse «diese spannende Frage aber ein Richter beantworten». Denn: Nicht nur gegen Windräder kann man klagen, sondern auch gegen zu wenige Windräder. Der Rat entscheidet wohl im Sommer, die Debatte geht weiter - und bleibt umstritten.