Kriminell, perspektivlos, zwölf Jahre jung: Problem Drogenkriminalität

Von: Jan Mönch
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Mit ihrem Antrag berühren die Sozialdemokraten auch das Gefühl von Unsicherheit, das viele Geilenkirchener beklagen – und zwar nicht nur in der Unterführung am Bahnhof. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Ist Geilenkirchen eine gefährliche Stadt? Die Frage mändert schon seit einiger Zeit durch den Raum, vergangene Woche erst wurde sie bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen auf ein Neues gestellt. Die Behörden verweisen auf die Statistik und sagen: Nein, Geilenkirchen ist keine gefährliche Stadt. Es gibt jedoch auch eine ganze Reihe Bürger, die vorgeben, sich in der Stadt nicht mehr sicher zu fühlen, nachts jedenfalls.

„Es gibt da eine Diskrepanz in der Wahrnehmung“, schließt daraus Sozialdemokrat Christoph Grundmann. Er und seine Fraktion haben zu dem Thema nun einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, jedenfalls zu einem Teilaspekt: zur Drogenkriminalität. Die Sozialdemokraten möchten, dass die Verwaltung ein Sicherheitskonzept „zur Vorbeugung und Bekämpfung der offenen Drogenszene“ in Geilenkirchen erstellt.

Dass man sich gerade auf diesen Aspekt konzentriert, hat mehrere Gründe. Zum einen glaubt Grundmann, dass die Drogenkriminalität ein Bereich ist, in dem sich präventiv etwas ausrichten lässt, und zwar auch und gerade auf kommunaler Ebene. Zum anderen stützt die Polizeistatistik ganz eindeutig den Eindruck, dass hier keine gute Entwicklung vorliegt, denn die Zahl der sogenannten BTM-Delikte (das Akronym steht für „Betäubungsmittel“) hat sich von 2015 auf 2016 nahezu verdoppelt.

Vor allem aber hat sich nach Beobachung der SPD offenbar eine „offene Drogenszene“ in Geilenkirchen etabliert. Mit „offen“ ist dabei gemeint, dass Drogen ganz ungeniert in der Öffentlichkeit konsumiert werden, etwa am Markt oder im Wurmauenpark. Zwar geht es dabei „nur“ um den Konsum von Marihuana und Haschisch, also von sogenannten leichten Drogen.

Allerdings bleibt das eben eine Straftat. Und wer die in aller Öffentlichkeit begeht, tut das in der Regel nur dann, wenn er keine Konsequenzen zu befürchten hat. Das muss sich für die Begriffe der SPD ändern – auch durch Prävention. „Wir wollen keine schwarzen Sheriffs“, sagt Christoph Grundmann. Stattdessen ziele der Antrag vor allen Dingen auf bessere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendamt und Ordnungsamt. Wobei er nicht nur das städtische Ordnungsamt meint, sondern auch nichts dagegen hätte, wenn das mit höheren Befugnissen ausgestattete Ordnungsamt des Kreises Heinsberg sich einmischte. Auch die Erziehungsberechtigten und die Jugendorganisationen sind gefragt.

Aus ärmlichen Verhältnissen

Dass die Szene sich abends im Zentrum Rathaus auf den ein oder anderen Joint trifft, ist nicht alles. Laut SPD-Antrag wird der Drogenkonsum „zum Teil durch kleinere Diebstähle“ finanziert. Einige der Szene-Angehörigen seien erst zwölf Jahre alt, also rechtlich gesehen noch Kinder, sie stammten überwiegend aus ärmlichen Verhältnissen und betrachteten sich als perspektivlos. „Es deutet daher einiges darauf hin, dass in Geilenkirchen ein ernsthaftes Problem insbesondere in der Rauschgiftjugendkriminalität besteht“, wird in dem Antrag geschlussfolgert.

Eigentlich hätte die SPD es gerne gesehen, wenn ihr Antrag im Fachausschuss für Jugendhilfe behandelt wird, der heute Abend tagt. Allerdings klappt es voraussichtlich erst zur Ratssitzung im November.

„Ich vermisse Transparenz“

Christoph Grundmann ist zuversichtlich, dass die anderen Fraktionen dem Antrag zustimmmen. Ganz unabhängig davon ist absehbar, dass die Verwaltung darauf verweisen wird, dass Polizei, Jugendamt und Ordnungsamt ja jetzt schon einiges unternehmen. Genau das hört Grundmann sich gerne an: „Es geht nicht darum, jemandem den schwarzen Peter zuzuschieben oder Untätigkeit vorzuwerfen. Aber dem Gefühl von Unsicherheit begegnet man am besten mit Transparenz, und die vermisse ich durchaus.“

Offen bleibt, wie sicher Christoph Grundmann sich denn selbst so fühlt in seiner Stadt. Ist sie gefährlich oder nicht? „Ich selbst fühle mich nicht bedroht, auch dann nicht, wenn ich im Dunkeln allein durch die Stadt gehe“, sagt er. Er sagt aber auch: „Wenn eine Frau oder ältere Leute sich unsicher fühlen, etwa auf dem schlecht ausgeleuchteten Beamtenparkplatz, kann ich das gut verstehen.“

Diskrepanzen in der Wahrnehmung wird es weiterhin geben.

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