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Heckings Wahl: Fitter Hahn oder müder Raffael?

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Zwei Stürmer, eine Frage: Wer läuft in Wolfsburg auf? Raffael fehlt die Spielpraxis...
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...André Hahn hat sie mittlerweile, aber besitzt nicht die Qualität des Brasilianers.

Aachen/Mönchengladbach. Ein Trainer muss „berechnend“ sein. Die Aufgabe, die Dieter Hecking für das letzte Auswärtsspiel seiner Mönchengladbacher Profis am Samstag in Wolfsburg lösen muss, lautet: Was ist für meine Mannschaft mehr wert – 70 Prozent Raffael oder 100 Prozent André Hahn?

Der Brasilianer fehlt seit dem rheinischen Derby in Köln am 8. April, in dem er sich eine Bänderverletzung im Knie zuzog. Diese Woche stieg der Edel-Techniker wieder ins Mannschaftstraining ein. Speziell nach den aktuellen Problemen im Sturm könnte der 32-Jährige mit seiner Schlängeltechnik mit Ball eine Hilfe sein, Borussia wieder zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen.

Doch in Spiel eins nach fünf Wochen Wettkampfpause kann Raffael nicht bei 100 Prozent sein. Und dennoch eine Option? „Wenn du trainierst, bist du fit, aber nicht spielfit: Du bist nicht widerstandsfähig, kannst nicht über 90 Minuten gehen“, umreißt Max Eberl die Problematik. Und weist auf das Match in der Rückrunde in Frankfurt hin. „Da haben wir mit vieren angefangen, die aus einer Verletzung kamen. Das 0:0 war okay, das Spiel aber schlecht. Allerdings ging es darum, dass die Spieler ein Spiel mehr bekommen.“

Die Situation ist jetzt eine andere. In gut einer Woche steht die letzte Bundesligapartie an. Und so definiert Mönchengladbachs Sportdirektor die Maxime kurz und knapp: „Es müssen die spielen, mit denen man am ehesten gewinnt.“

Wiegt also die Qualität eines Raffael trotz des Praxis-Malus die 100 Prozent eines Sturmkämpfers wie Hahn auf? Ausführungen von Dieter Hecking deuten einen potenziellen Ausweg aus dieser Problematik an. Der Borussen-Coach hat für die Rückkehr zu seinem ehemaligen Verein gründlich das Video zum 1:1 gegen Augsburg studiert. „Da sind wir bis zur Halbzeit zehn Mal bis zur Grundlinie durchgekommen – und es ist nichts passiert.“ Patrick Herrmanns Pässe fanden konsequent nur Augsburger Spieler.

Einer der Saisonhöhepunkte des André Hahn erzählt quasi eine Gegengeschichte: In der Champions League bei Celtic Glasgow luchste der Stürmer auf der Torauslinie Kolo Touré den Ball ab, servierte ihn Lars Stindl, der zum 1:0 einschoss. Schlechter als derzeit Herrmann kann es Hahn auf der rechten Außenbahn auch nicht machen. Das Raffael-rein, Hahn-raus ist also nicht zwingend.

In der Autostadt geht es so oder so um vieles: für Wolfsburg um den Klassenerhalt, für Gladbach um die Europa League. Für Raffael & Co. Motivation zur Genüge. Aber wie sieht‘s mit Gladbacher Neuzugängen aus, die ihr Kommen von einem internationalen Wettbewerb abhängig machen? „Wenn ein Spieler das sagt, dann war‘s das. Da bin ich ganz klar“, erklärt Eberl. Der Manager will keine Spieler, die nur kommen, wenn die europäische Bühne geboten wird. „Sie müssen sich vielmehr mit unserem Verein und seiner Philosophie identifizieren.“

Außer Bayern und Dortmund könne kein Bundesligist Europa garantieren. Aber „die Aussicht ist Argumentation genug“. Zumal für Top-Talente, die bei den Groß-Klubs eh nur auf der Bank sitzen würden.

Eberl verweist auf die jüngere Geschichte Borussias, um zu untermauern, dass Qualitätsgewinn auch ohne derartige Lockmittel möglich ist. „Raffael, Kramer und Kruse sind 2013 ohne Europa gekommen.“ Und einer bleibt, selbst wenn nur Platz acht oder neun rausspringt: Fabian Johnson hat am Donnerstag seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Schulz - Herrmann (Hahn), Kramer, Dahoud, Hofmann - Raffael, Stindl

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