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Grausamer Tod eines kleinen Jungen: Prozessauftakt

Von: Elke Silberer
Letzte Aktualisierung:
Mönchengladbach
Der Prozess gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten hat begonnen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Die junge Mutter ist wie so oft am Vorabend auf dem Sofa eingeschlafen. Als ihr Lebensgefährte am nächsten Morgen zur Toilette geht, bittet sie ihn, nach Luca zu schauen. Der Mann ruft: „Schatz, komm ganz schnell und bring Dein Handy mit.”

Während sich Lucas Mutter am Dienstag die Ereignisse vom Oktober 2016 vor dem Landgericht Mönchengladbach in Erinnerung ruft, kommen ihr die Tränen: „Ich seh, wie er da liegt mit Schaum vorm Mund.” Das Gesicht sei blau angelaufen gewesen. Ihr Partner ruft den Notarzt. Luca stirbt. Er ist fünf Jahre alt.

Lucas Mutter (24) und ihr 27 Jahre alter Lebensgefährte aus dem niederrheinischen Viersen stehen seit Dienstag vor Gericht. Die Anklage wirft dem Mann Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung vor. Die Mutter muss sich vor Gericht verantworten, weil sie den Kontakt des Mannes zum Kind nicht unterbunden haben soll. Sie habe die Schmerzen und die Leiden ihres Sohnes in Kauf genommen, stellt Staatsanwalt Stefan Lingens fest.

Die kindlich wirkende Frau mit den langen blonden Haaren spricht auf der Anklagebank: Über ihre Zeit in der Sonderschule, den Wunsch, eine Familie zu haben, über ihren Sohn Luca. Und ihre Beziehung zum leiblichen Vater von Luca, die auch dann noch nicht richtig beendet ist, als der Neue kommt: Ein junger Mann mit fast kahlgeschorenem Kopf und dem auffallenden Vollbart. Der Mann, der schräg hinter ihr auf der Anklagebank sitzt und zu den Grausamkeiten schweigt - er äußert sich nicht zu den Vorwürfen.

Die Anklage beschreibt die entsetzliche Geschichte des kleinen Luca, der im Dinosaurier-Schlafanzug ins Bettchen gebracht wird und später brutal misshandelt wird. Laut Anklage erleidet das Kind ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Milzriss, Einblutungen in Magen und Darm. Die Mutter bezeichnet ihren Lebensgefährten vor Gericht als „Zwei-Gesichter-Mann”, wie sie sagt: „Er wurde schnell aggressiv.”

Bereits nach einem Vorfall im Januar 2016 schaltet sich das Jugendamt ein. Der Junge wird laut Anklage geschlagen, hat später Kopfschmerzen im Kindergarten. Dann wird das Gesicht blau. Der Kindergärtnerin soll er erzählt haben, dass es der Partner seiner Mutter war. Der Kindergarten informiert das Jugendamt, das Luca in Obhut nimmt.

Bei einem späteren Termin vor dem Familiengericht soll die 24-Jährige, die noch ein weiteres Kind hat, angegeben haben, dass sie sich von ihrem Lebensgefährten getrennt habe. Der Junge darf unter Auflagen zurück. Die Auflage, den Kontakt zu dem 27-Jährigen zu unterbinden, ignoriert sie, wie sie vor Gericht zugibt: „Weil ich keine Gefahr gesehen habe.”

Sie erzählt auf Nachfragen, wie ihr Partner beim Baden mit Luca sexuell erregt gewesen sei und sie selbst das „komisch” gefunden habe. Sie erinnert sich auch an eine weitere zweideutige Situation.

Im April 2016 wird Luca im Kindergarten gebadet. Dabei fallen der Erzieherin zwei Brandwunden am Rücken auf. Das Feuerzeug habe der Freund seiner Mutter gehabt, soll Luca ihr gesagt haben. Der Fall landet wieder beim Familiengericht.

Ein Sachverständiger kommt zu dem Schluss, dass die Mutter erziehungsfähig sei, keine Kindeswohlgefährdung vorliege und von dem Lebensgefährten keine Gefahr ausgehe. Noch bevor das Familiengericht seine Entscheidung mitteilen kann, ist Luca tot.

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