Struffeltroute bei Roetgen bietet abwechslungsreiche Ausblicke

Von: Martin Thull
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Blick auf die Staumauer der Dreilägertalsperre, das Trinkwasserreservoir für die Stadt Aachen, Teile der Städteregion sowie des Kreises Heinsberg. Foto: Martin Thull
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Das Hochmoor „Naturschutzgebiet Struffelt“ begeistert durch weite Landschaft und bequeme Wegführung über Holzstege. Foto: Martin Thull
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Bei einem Tümpel am Wegesrand kommen sogar romantische Gefühle auf.

Region. Es sind rund zwei Dutzend ins Erdreich gegrabene und mit Eisen und Holz befestigte Stufen, mit denen dieser Rundweg beginnt. Keine richtige Treppe, die kommt erst später nach einigen Serpentinen, nachdem der Wanderer Höhe gewonnen hat. Dann kann er – nach etwa 120 Metern auf asphaltierter Straße – von der Aussichtsplattform einen Blick auf die Staumauer der Dreilägerbachtalsperre in Roetgen werfen.

Wir befinden uns auf dem Struffeltrundweg. Der Streckenverlauf beinhaltet leichte und mittelschwere Auf- und Abstiege. Neben nur wenigen asphaltierten Passagen führt die Route überwiegend über Stege oder naturbelassene Wege und Pfade.

Und nach diesem Anstieg ist der Wanderer nicht nur etwas atemlos, sondern auch auf Betriebstemperatur. Und das ist gewiss: Wer diesen Rundweg im Uhrzeigersinn geht, also mit dieser etwas seltsamen Treppe beginnt, der hat das körperlich anstrengendste Stück des Weges bereits hinter sich.

Namensgeber ist das „Naturschutzgebiet Struffelt“, ein Hochmoor mit eindrucksvoller Landschaft. Doch zunächst zu der Talsperre, die gleichsam im Auge dieses Rundwegs liegt. Dieser ist kein Uferwanderweg, das Wasser sehen wir nach dem Aufstieg nur noch einmal. Die Talsperre, die in den Jahren 1909 bis 1912 entstand, versorgt die Stadt Aachen und Teile der Städteregion sowie des Kreises Heinsberg mit Trinkwasser. Sie bildet einen etwa 40 Hektar großen See und wird in erster Linie vom Dreilägerbach gespeist.

Der Rundweg ist gut markiert, durchweg in beiden Richtungen, jedenfalls an den Kreuzungen. Er kann also auch gegen den Uhrzeigersinn begangen werden. Dann beginnt er nahezu auf dem Parkplatz, wenn es rechts den Weg hochgeht. Wir aber haben die Landstraße L 238, von der wir mit dem Pkw von Aachen aus angereist sind, überquert und den beschriebenen Anstieg genommen.

Nach der Aussichtsplattform erreichen wir bald die Höhe des Naturschutzgebiets Struffelt. Auf über 450 Metern erhebt sich der unbewaldete Struffeltkopf zwischen Rott und Roetgen, der schon in historischen Karten als Heidegebiet inmitten bewaldeter Umgebung gekennzeichnet ist. Eine schattenlose Hochfläche, vereinzelte Birken, die den lehmigen, feuchten Untergrund offenbar gut vertragen. Viele seltene Pflanzen- und Tierarten leben in diesem einmaligen Biotop. Typisch für den Struffelt ist etwa das Pfeifengras, dessen Halme mit den violettgrauen Ähren früher als Pfeifenputzer benutzt wurden, da die knotenfreien Halme beim Durchziehen nicht im Pfeifenhals stecken bleiben. Wir gehen über Plankenwege, die die Strecke auch bei hoher Feuchtigkeit bequem begehbar machen. Sie sollten auch tunlichst nicht verlassen werden. Gesäumt werden sie von hüfthohen Farnen, die den Eindruck eines grünen Meeres erwecken, das sich im Wind langsam bewegt.

Der Weg, der dieses Stück identisch mit dem Eifelsteig verläuft, führt zunächst knapp zwei Kilometer nach dem Start zu einer Kreuzung, an der Ruhebänke und ein großer Tisch zur Pause mit Picknick einladen. Später taucht dann links ein Tümpel auf, man mag sich das Froschquaken in der Dämmerung vorstellen. Hier steht auch eine der wenigen Bänke, die den Weg säumen.

Es ist still. Geräusche von Autos oder Motorrädern dringen nicht bis hierhin vor, bis dann das Rauschen eines der Bäche das Schweigen der Natur durchbricht, die ins Tal des Dreilägerbachs drängen. Nach etwa 3,5 Kilometern erreichen wir auf bequemem Weg das Vorbecken der Talsperre, die zweite „Begegnung“ mit dem Trinkwasserreservoir. Der Weg folgt dann dem Lauf des Dreilägerbachs bis zur Dreilägerbachhütte.

Weiter geht es etwa drei Kilometer am Schleebachgraben entlang. Immer wieder liegen dicke Rohre am Wegesrand. „Breitbandverkabelung“ in der Eifel mag der Spötter denken. Tatsächlich gibt es stellenweise kein Mobilfunknetz und der naive Wanderer könnte meinen, hier würden SMS durch Trommeln auf diesen anscheinend funktionslosen Rohren übermittelt. Aber das wäre eine andere Geschichte. Der Schleebachgraben ist ein künstliches Gewässer, 1919 angelegt. Er sammelt das im Wald abfließende Wasser und führt es dem Dreilägerbach zu. Eine ähnliche Funktion übernimmt an anderer Stelle der „Hasselbachgraben“.

Die nächste Station ist das „Naturdenkmal Rackesch“: eine Gruppe alter Buchen und Eichen am Rackerscheider Weg, nach denen auch das umliegende Gebiet im Roetgener Wald benannt wurde. Rackesch war nach der Überlieferung ein alter Versammlungsplatz. In der Roetgener Mundart steht „Eesch“ für Eiche. „Rack“ ist gleichbedeutend mit „karg“. So nennt man einen nicht gebefreudigen Menschen „enne rackige Mensch“ und kargen Boden, der keine großen Erträge abwirft, „rackige Ead“. Bei dem Rackerscheider Gebiet waren in früheren Zeiten keine großen Erträge zu erzielen, nur Brandholz, Vennheu, Heide zum Besenbinden, Zaunmaterial und dergleichen. So erklärt das die Roetgener Heimatkundlerin Martha Reinartz.

Viele der uralten Buchen und Eichen sind in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vermutlich der Umweltverschmutzung zum Opfer gefallen. Nur eine über 200 Jahre alte Buche und einige Eichen sind noch übriggeblieben. Eine Schutzhütte und Sitzgelegenheiten laden ein, hier zu verweilen und sich für die weiteren Abschnitte zu stärken. Die Strecke wird sich zu jeder Jahreszeit anders präsentieren. Jetzt blühen Fingerhut (Vorsicht: giftig!) und Geißblatt oder Holunder. Neben den vielen unbekannten kleinen blauen und gelben Blüten, die den Laien erfreuen, ohne dass er sie wie ein Fachmann bestimmen kann.

Unterhalb der Rackesch-Wiese kommt man zum Kindergartenwald Roetgen. Der Kindergartenwald liegt auf einer Lichtung am örtlichen Schwarzwildgehege. Ein Teil des Kindergartenwalds wurde für die örtlichen Kindergärten eingerichtet. Der zweite Teil des Geländes ist für jedermann zugänglich. Hier können alle vorbeikommenden Kinder spielend Erfahrungen mit der Natur sammeln. Allerdings muss der Wanderer ein wenig Glück mitbringen, um im benachbarten Gehege eine der Wildschweinrotten – im Frühjahr mit den Frischlingen – sichten zu können. Vielleicht ist neben Glück auch noch ein wenig Geduld nötig?

Wir biegen bildlich gesprochen in die Zielkurve ein und gehen durch den Randbezirk von Roetgen. Noch etwa 1,5 Kilometer sind es bis zum Start am Parkplatz. Vorbei an Resten des Westwalls geht es jetzt über einen asphaltierten Weg zurück. Zuvor gab es einen Mix aus Schotter- und weichen Waldwegen, die Holzstege im Moor und weiche Wiesenpfade. Alle waren leicht mit festem Schuhwerk zu bewältigen. Und für Familien mit Kindern ab schulpflichtigem Alter ist es ein etwa elf Kilometer langer Wanderweg, der teilweise einem Spaziergang ähnelt und selbst mit reduzierter Kondition gut zu bewältigen ist.

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