Drei verschiedene Herbstspaziergänge am Otto-Maigler-See

Von: Martin Thull
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Lichte Laubwälder – Durchblicke auf den See – und ebene Wege machen jeden Spaziergang zu einem entspannenden Erlebnis. Foto: Martin Thull
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Der See bietet die perfekte Idylle und Entspannung. Foto: Martin Thull
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Still ruhen die Boote der Angler am Steg. Foto: Martin Thull
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Ein Paradies für Enten, Schwäne und andere Wasservögel. Foto: Martin Thull

Hürth. Die Werbung des Surfclubs am Otto-Maigler-See ist eindeutig: Entfernung zum Kölner Dom etwa 15 Minuten. Wahrscheinlich ohne Stau. Aber immerhin, das Naherholungsgebiet rund um den See ist stadtnah und bietet dennoch pure Natur.

Wenn auch kultivierte Natur, ein wenig Idylle. Wären da nicht gelegentlich die Übungsflüge von Bundeswehr-Düsenjägern, wahrscheinlich vom Fliegerhorst in Nörvenich.

Und das Ganze liegt in einem früheren Braunkohlerevier. Der Besucher kann also auch anschaulich vorhersehen, was aus der verwüsteten und ausgebeuteten Landschaft in einigen Jahrzehnten erwachsen kann – im wörtlichen Sinne.

Ganz gleich, welchen der möglichen Wege Wanderer einschlagen, sie führen ihn durch lichten Laubwald. Buchen und Eichen, Weiden und Birken. Bänke laden zur Rast ein. Solange nicht gegrillt wird, ist eine Pause auch an den vielen Grasflächen am Wegesrand möglich.

Denn das Gelände gehört zum Naturpark Rheinland, Zelten und Grillen ist ausdrücklich verboten. Gelegentliches Innehalten ist empfohlen, denn auf der Wasserfläche tummeln sich Enten in vielen Farben und Formen. Auch Schwäne gibt es, die ihre langen Hälse unter den Wasserspiegel tauchen, um Nahrung aufzunehmen.

Diverse Fische und Enten

Angler sitzen am Wasserrand und hoffen auf das Anbeißen von Wels, Zander oder Karpfen, Hecht oder Barsch, Aal, Schleie oder Weißfisch. „Eigentlich schwimmt hier alles, was auch sonst im Süßwasser lebt“, gibt einer der geduldig auf das Anbeißen der Fische Wartenden bereitwillig Auskunft.

Der im Jahr der Eröffnung des Sees (1977) gegründete „Angelsportverein Burbach“ hegt und pflegt den See und seinen Fischbesatz zusammen mit Angelsportvereinen aus den umliegenden Orten. Zu schaffen macht dem Verein die besonders im ruhigeren Winter zunehmende Anzahl von mitfischenden räuberischen Kormoranen.

Der See ist Durchzugs- und Winterquartier für verschiedene Entenarten, wie Blässrallen, Reiher-, Stock-, und Tafelenten sowie einer großen Anzahl von Höckerschwänen. Vereinzelt sind auch Kormorane und Schellenten vorhanden. Wer die nötige Zeit mitbringt und zur richtigen (Jahres-)Zeit vor Ort ist, der kann mit etwas Glück diese Vielfalt von Vögeln beobachten – sofern sie sich nicht in den geschützten Bereich des „Hürther Waldsees“ zurückgezogen haben. Jedenfalls finden sie dort ruhige Brut- und Rückzugsräume.

Idylle zwischen Natur und Papierproduktion

Wenn denn neben den Düsenjägern etwas die Idylle stört, dann gelegentlich die Produktionsgeräusche der nahegelegenen Papierfabrik. UPM Hürth in Hürth-Knapsack, geplant und gegründet 2001 und in Betrieb gegangen am 4. Juli 2002, produziert mit einer der modernsten Papiermaschinen der Welt Zeitungsdruckpapier aus Altpapier. Und beliefert auch das Medienhaus Aachen mit dem Papier, auf dem die Print-Version dieses Textes zu lesen ist.

Der Otto-Maigler-See liegt im rekultivierten südlichen Teil des Rheinischen Braunkohlereviers in Nordrhein-Westfalen südwestlich von Köln auf dem Stadtgebiet von Hürth. Früher war hier das Grubenfeld Gotteshülfe. Die Braunkohle in Hürth und das damit verbundene Wirtschaften sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Das heutige Naherholungsgebiet steht seit Juni 1977 der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Das nahe gelegene Naturschutzgebiet, der kleinere Hürther Waldsee, ist zum Ausgleich für die Belastung der umliegenden Industriegebiete zum größten Teil nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und durch Zäune oder dicht wachsende Sträucher abgeriegelt. Der Wanderweg führt aber um dieses Gebiet herum.

Rekultivierungsplan

Der See entstand durch zufließendes Grundwasser nach dem Braunkohleabbau in einem geplanten Tagebaurestloch. Der vom Bergamt Brühl bereits im Jahre 1959 genehmigte Rekultivierungsplan der damaligen Rheinbraun fußte im Wesentlichen auf Vorarbeiten des Kölner Landschaftsarchitekten Victor Calles, die dieser seit 1946 für die Rekultivierung der Abbaugebiete zu einem konkreten Plan für das Gebiet des Feldes mitten in der Gemeinde Hürth ausformulierte.

Das Areal steht heute unter Landschaftsschutz und gehört zum Naturpark Rheinland. Das Restloch wurde zu einem großen See zusammengefügt. Zeitgleich wurde ein Badesandstrand an der Nordwestseite des Ufers angelegt.

Der Namensgeber Otto Maigler war Grubenpionier und Direktor der Roddergrube AG. Kurz nach seinem Tod am 20. Juni 1967 beschloss der Gemeinderat Hürths, den Regatta-See im Erholungsgebiet Otto-Maigler-See zu nennen. Maigler hatte sich als Vorstandsmitglied der Rheinbraun für die Wiederaufforstung und Rekultivierung der Revierlandschaft eingesetzt.

Zudem war er maßgeblich an den Planungen zur Umsiedlung des Ortsteils Berrenrath beteiligt. Der Ortsteil wurde auf dem bereits ausgekohlten Gebiet des Weilers Aldenrath in unmittelbarer Nähe zum See neu errichtet. Die damalige RWE Rheinbraun bzw. Rheinbraun AG hatte seit Mitte der 1960er Jahre Gutachten in Auftrag gegeben, um den Pflanzen- und Tierreichtum auf rekultivierten Flächen des Braunkohlereviers zu dokumentieren.

Neben dem Angelsport wird der See vor allem von der ortsansässigen Surfschule und vom Ruderclub genutzt. Auf der 2200 Meter langen Strecke bei einer Fläche von 50,5 Hektar werden hier auch internationale Ruderregatten durchgeführt, so vor zwei Jahren die Deutsche Jugendmeisterschaft im Rudern. Und wenn ein Winter lange andauernd richtig kalt wird, dann kann der nur 7 bis 9 Meter tiefe See auch zufrieren. Das war zum letzten Mal vor zehn jahren der Fall.

Wer die Wahl hat...

Der Otto-Maigler-See in Hürth bietet eine solche Vielfalt an Wandermöglichkeiten, die nicht oft zu finden ist. Vom Parkplatz oberhalb des Seebades aus gibt es nämlich drei Rundwege: der um den Hürther Waldsee ist ebenso wie der um den Otto-Maigler-See etwa fünf Kilometer lang. Beide lassen sich auch verbinden und führen dann über zehn Kilometer.

Ausgeschildert mit einem schwarzen „O“ auf weißem Grund ist ein Verlaufen unmöglich, erst recht, wenn sich der Wanderer oder Spaziergänger beim Gang um den großen See immer in Ufernähe bewegt. Wer vom Parkplatz startet, kann gegen den Uhrzeigersinn laufen, die Wege sind breit und bieten Joggern, Fahrradfahrern und Spaziergängern ausreichend Platz.

Die vielen Abfallkörbe führen dazu, dass nur wenig Unrat die Wege säumt. Startet man am Parkplatz nach links im Uhrzeigersinn, so geht es etwas oberhalb des Otto-Maigler-Sees in Richtung Hürther Waldsee. Möglich ist auch ein Abstecher zum Kloster Burbach, eine 1233 gegründete Zisterzienserinnen-Abtei, die bis zur Säkularisierung 1802 bestand.

Heute sind nur noch wenige Gebäude erhalten, der ehemalige Kreuzgang ist durch Hainbuchenhecken angedeutet. Jetzt dienen Gelände und Gebäude vielen Vereinen als Heimstatt.

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