Eifel - Der „Wacholderweg“ bietet abwechslungsreiche Aus- und Durchblicke

Der „Wacholderweg“ bietet abwechslungsreiche Aus- und Durchblicke

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
Wacholder Weg
Der „Wacholderweg“ ist gut ausgezeichnet und führt meist über Wiesenpfade. Foto: Martin Thull
Wacholder Weg
Sehr gut ausgeschildert: Zahlreiche Hinweise weisen den Weg. Foto: Martin Thull
Wacholder Weg
Der Traumpfad führt gleich zum Start am „Heidegarten Wabelsberg“ entlang. Foto: Martin Thull
Wacholder Weg
Wer Zeit und Lust hat, kann seinen Glücksklee suchen. Foto: Martin Thull
Wacholder Weg
An Start und Ziel lädt die „Wacholderhütte“ zur Stärkung ein. Foto: Martin Thull
Wacholder Weg
Ein stiller Steingruß früherer Wanderer auf einem Hinweispfosten. Foto: Martin Thull

Eifel. Und dann ist es doch passiert. Wir gehen und reden und laufen und quatschen. Aber irgendwann fehlt die Wegmarkierung. Noch bis zur nächsten Weggabelung. Aber wenn bis dahin keine der orange-weißen Markierungen unseres „Traumpfades“ zu finden ist, dann müssen wir zurück, bis zum letzten Zeichen. Dabei ist das unmöglich, sich zu verlaufen. Eigentlich.

Der „Wacholderweg“ ist wie die anderen Traumpfade auch ausgezeichnet. Sich verlaufen ausgeschlossen. Außer, der Wanderer gibt nicht acht, lässt sich ablenken. Aber da die Hüter dieser Wege alle etwa 200 bis 300 Meter eine Markierung an Bäumen, Zaunpfählen oder Masten angebracht haben, fällt dann der Irrweg doch auf.

Die Marketingverantwortlichen der Eifeltouristik haben das Label „Traumpfad“ gefunden. Nun wird jeder Wanderer seine eigenen Ansprüche an solch ein Versprechen haben. Tatsache ist, dass diese Premiumwege in der südlichen Eifel einen Standard bieten, der dem Wanderer und seinen Bedürfnissen nach Naturerleben und sportlicher Herausforderung gleichermaßen gerecht wird.

Und es gibt in der Vielzahl der Angebote sicher einige, die dieses geschickte Marketing-Etikett eher verdienen als andere. Sei's drum! Ohnehin ist ja jeder für sich selbst verantwortlich und dafür, was er für einen Traum hält.

Der Traumpfad

Der „Wacholderweg“, der an der Wacholderhütte in Langscheid startet und endet, gehört sicher zu den einfacheren Traumpfaden. Zudem hat er einen kleinen Ableger, der augenzwinkernd „Traumpfädchen“ genannt wird. Dazu mehr Informationen in der Info-Box. Unser Weg startet an der „Wacholderheide Wabelsberg“. Diese in der östlichen Hocheifel vorkommenden Wacholderheiden sind durch intensivste landwirtschaftliche Nutzung über Jahrhunderte hinweg entstanden.

Intensive Landwirtschaft ist also nicht eine Erfindung der Neuzeit, sondern schon in Vorzeiten, bedingt durch die Kargheit der Böden, lebensnotwendig gewesen. Zunächst waren diese Gebiete begehrte Weideflächen. Die Bodenvegetation wurde regelmäßig abgezogen und als Einstreu in den Stallungen verwandt.

Die zunächst nicht bedachte Folge: Der Boden „verarmte“ immer mehr und es entstanden anspruchslose Wacholderheiden. In der Abwechslung von Wacholderbüschen, Gras und lila Erika erinnert die Landschaft an die Lüneburger Heide, natürlich sehr viel kleiner, auch die Heidschnucken fehlen.

Unser Weg folgt in sanften Schwüngen – drei kurze steilere Anstiege – der Landschaft, An- und Abstiege sind zunächst leicht begehbar (wir gehen im Uhrzeigersinn), meist führt der Weg vorwiegend durch Nadelwälder, Schatten ist auch bei Sonnenschein gesichert. Der Untergrund ist ganz überwiegend „Pfad“ (6,4 km) und „Weg“ (1,9 km). „Asphalt“, so sagt es die Information, ist nur über etwa 300 Meter der insgesamt knapp neun Kilometer der Untergrund.

Ein Blick auch zurück

Immer wieder bieten sich Durch- und Ausblicke auf die Hügel der Eifel. Wir befinden uns zwischen 580 und 380 Höhenmetern. In loser Folge laden Bänke zur Rast ein, manchmal sogar mit einem Tisch fürs Picknick. Das gibt Gelegenheit, nochmals über die Entstehung der Wacholderheide nachzudenken.

Denn irgendwie erscheint es paradox: Da der Boden verarmte, entstand diese Landschaftsform. Um diese heute zu erhalten, sind Pflegearbeiten notwendig, die vermeiden müssen, dass der Schnitt der Strauch- und Baumgehölze auf dem Boden verbleibt, denn das könnte zur Düngung führen.

Schließlich hat es vor vielen Jahren hier gebrannt. Und das Fatale ist, dass durch Feuer der Boden aufgedüngt wurde. Der Boden muss also dieses Mal künstlich erneut verarmen. Fachleute haben dafür den Begriff devastieren gefunden, um damit den anzusiedelnden Heidearten ein geeignetes Keimbett zu liefern.

Würde man die Wacholdergebiete sich selbst und dem freien Spiel der Natur überlassen, würde der Wacholder und mit ihm die standort-typische Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren zum Verschwinden gebracht. Dann würden sie binnen weniger Jahrzehnte von der Konkurrenz wildwachsender Sträucher und Bäume überwuchert. Um also die Heidelandschaft natürlich aussehen zu lassen, ist teils starke pflegerische Einflussnahme durch den Menschen notwendig.

Der Wacholderweg entführt in eine Stille, in die weder Motorengeräusche noch anderer Lärm dringen. Allein das Rauschen der Blätter, die eigenen Schritte, das Gluckern der Wasserflasche, der eigene Atem sind zu hören. Lediglich ab und zu von ganz weit her das Dröhnen eines der Flugzeuge, die die Eifel überqueren.

Am Wegesrand blühen der Jahreszeit entsprechend blaue Glockenblumen, gelber Löwenzahn oder weißes Wiesenschaumkraut. Im Spätsommer und Herbst mögen Pilzsammler den einen oder anderen Treffer landen. Kenner sollte man sein – oder die Pilze einfach stehen lassen, damit sich auch die nachfolgenden Wanderer daran erfreuen können.

Wacholder, so wird in der Erinnerung gekramt, das sind doch die kleinen schwarzen Perlen im Sauerkraut. Nicht unbedingt essbar, aber ihr Aroma gibt dem Gemüse einen besonderen Akzent. Und natürlich: Gin erhält seinen besonderen Geschmack durch die Wacholderbeere. Die Beeren sind ein wichtiger Rohstoff bei dieser Alkoholherstellung.

Ähnlich wie übrigens auch bei Spirituosen wie Krambambuli, Steinhäger und Genever. Nun werden in der Eifel keine Wacholderbeeren geerntet, höchstens für die kleine Spezialitätenherstellung in der heimatlichen Küche mit Aufgesetztem. Immerhin liefern die Beeren eine besondere Geschmacksnote.

Der Gin bleibt in der Flasche

In – je nach Schrittgeschwindigkeit, Pausenhäufigkeit und -dauer – zwei bis drei Stunden sind wir rund um den Wabelsberg mit Ausblicken auf die bewaldeten Kuppen der Osteifel gewandert. Wir haben Langenfeld mit seiner markanten Kirche, ein weiterer „Eifeldom“, gesehen, sind zum Büschberg aufgestiegen und ins Tal der Nette gelangt. An Start und Ziel bietet die „Wabelsberger Wacholderhütte“ drinnen wie draußen Stärkung und Erholung. Den Gin verschmähen wir allerdings, denn die Rückfahrt sollte ohne Alkoholpegel erfolgen.

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