Remagen - Museum „Brücke von Remagen“: Erinnerungen an den Krieg

Museum „Brücke von Remagen“: Erinnerungen an den Krieg

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
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Hier war das Gefangenenlager: Eine zeltartige Kapelle erinnert daran. Foto: Marin Thull
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Mahnende Erinnerung: ein Teil der Brücke von Remagen. Foto: Stock/F. Berger

Remagen. Die Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Remagen sollte den Schlieffenplan unterstützen. Der sah vor, bei einem neuen Krieg gegen Frankreich schnell Truppen aus dem Rheinland nach Westen zu transportieren. Zwar begannen die Planungen 1912, 1916 wurde mit dem Bau begonnen. Die Brücke unter dem Namen „Ludendorff-Brücke“ wurde aber erst 1918 fertig, da war der Erste Weltkrieg bereits vorbei.

Und im Zweiten Weltkrieg hatte die Wehrmachtsführung diesen Rheinübergang offenbar vergessen. Jedenfalls maß man ihm in Berlin keine größere strategische Bedeutung bei. Erst nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie merkten die Generäle, dass die Brücke ja auch in entgegengesetzter Richtung wichtig werden könnte. Allerdings galt das nicht für die deutsche, sondern für die amerikanische Armee, deren Vormarsch seit dem 5. Juni 1944 immer schneller vorankam und auch durch die deutsche Ardennenoffensive im Herbst 1944 nicht ernsthaft gestoppt werden konnte.

Also gab es den Befehl, Vorsorge für die Sprengung der Brücke zu treffen. Doch dies schlug fehl. Die anrückenden amerikanischen Truppen konnten am 7. März 1945, also vor rund 70 Jahren, den Rhein überqueren und schnell eine neue Front rechtsrheinisch aufbauen. Wahrscheinlich ein Manöver, das den Krieg verkürzte. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen, General Dwight D. Eisenhower, soll gesagt haben: „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert.“

Sabotage unterstellt

Vier von fünf verantwortlichen Offizieren der deutschen Wehrmacht wurden durch ein „Fliegendes Standgericht“ zum Tode verurteilt. Man unterstellte ihnen die fehlgeschlagene Sprengung der Brücke als Sabotage. Dabei waren die mangelhaften Vorbereitungen von anderer Stelle zu vertreten.

Am 17. März stürzte die Brücke in den Fluss und riss mindestens 30 amerikanische Soldaten, die mit Reparaturarbeiten beschäftigt waren, in den Tod. Die Brücke wurde nicht wiederaufgebaut. In dem linksrheinischen Brückenbauwerk entstand ein Friedensmuseum, auf der rechtsrheinischen Gegenseite wurde in dem erhalten gebliebenen Bauwerk ein Raum für kulturelle Veranstaltungen eingerichtet. Der Kampf um die Brücke selbst wurde 1969 weltbekannt durch den Hollywood-Streifen „Die Brücke von Remagen“.

Das Friedensmuseum, das auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Hans Peter Kürten eingerichtet wurde, blättert wie in einem Album alle Aspekte im Leben dieser Brücke auf. Ähnlich einem Heimatmuseum sind Fotos und Dokumente, Bruch- und Fundstücke präsentiert und ausführlich erläutert. So geht es treppauf und treppab.

Und so nebenbei erhält der Besucher einen Eindruck von dem Bauwerk, dessen Türme mit Schießscharten, Truppenunterkünften für die Brückenbesatzungen und Vorratslagern ausgestattet waren. Von den Flachdächern hat man heute noch einen hervorragenden Blick über das gesamte Tal.

Das Verdienst der vielen Ehrenamtlichen bei der Erarbeitung der Konzeption ist, dass sie nicht in der Beschreibung und Auswertung der Vergangenheit verharren, sondern den Blick weiten. Etwa, wenn in einem Raum ungezählte Tafeln die Kriege seit dem 8. Mai 1945 weltweit dokumentieren. Einfach so, in aller Schlichtheit wirken diese Daten wie eine Mahnung an die Besucher heute. Mehrere Hunderttausend sind seit der Eröffnung 1980 gekommen.

Oder eine Plastik des Künstlers Alexander Schmid, „Friede als Dialog“, bei der schon durch einfache Mittel Vertrauen geweckt werden kann: „Manchmal reicht schon ein Handschlag – und Friede kehrt ein.“ In einem anderen Raum gibt es ein vielschichtiges, auch widersprüchliches Angebot an Denkanstößen zum Thema Frieden: Denker und Philosophen kommen ebenso zu Wort wie Kabarettisten, Politiker, Dichter, „heilige Bücher“ und internationale Verlautbarungen.

Frieden wird als dynamischer Prozess einer ständigen Kompromisssuche verstanden, nicht als abgeschlossener Zustand. Schließlich noch der Blindgänger, der im Rhein gefunden wurde: So, wie Schwerter zu Pflugscharen verwandelt werden können, so wurde dieser Metallzylinder ein Musikinstrument.

Leider sind die Klöppel – trotz ständigen Nachschubs – entwendet worden, ein origineller Einfall ist der ganz in Rot gehaltene Ausstellungsraum dennoch. Das Leitmotiv ist eine Aufforderung an alle Besucher: „Lasst uns jeden Tag mit Herz und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst.“

Eine besondere Geschichte verbindet Hilmar Pabel, einen der bedeutendsten Fotoreporter und Kriegsberichterstatter des 20. Jahrhunderts, mit der Brücke – und jetzt mit dem Museum: Er war als Fotograf einer in Remagen stationierten Propagandakompanie immer wieder mit den historischen Ereignissen um die Brücke befasst. Er dokumentierte im Winter 1944/45 die Bombenangriffe auf Remagen.

Nach dem Krieg besuchte er die Überlebenden von damals immer wieder mit seiner Kamera. So entstand eine von menschlicher Anteilnahme geprägte Reportage über eine Remagener Familie im Laufe der Jahrzehnte, die auch in bewegten Bildern gezeigt wird. Eine Ironie der Geschichte ist dies: 1968 wird Pabel von der Redaktion des „Stern“ in die Tschechoslowakei geschickt, um dort die Dreharbeiten zu dem amerikanischen Spielfilm „Die Brücke von Remagen“ fotografisch zu begleiten.

Die Dreharbeiten finden ein jähes Ende, als am 20. August 1968 sowjetische Truppen in Prag einfallen und den als „Prager Frühling“ in die Geschichtsschreibung eingegangenen Reformprozess gewaltsam stoppen. Wieder ist Krieg. Hilmar Pabel – als Beobachter einer Kriegsfilmproduktion nach Prag gekommen – ist plötzlich wieder als Kriegsberichterstatter am Ort.

Die Rheinwiesen

Seit einer Aktualisierung der Ausstellung erhält auch das Kriegsgefangenenlager der US-Armee besondere Beachtung. Auf den Rheinwiesen bei Remagen wurden von April bis Juli 1945 insgesamt fast 300.000 Gefangene festgehalten. Ohne Zelte und Betten. Es müssen grauenhafte Zustände geherrscht haben, über 1000 ehemalige deutsche Soldaten starben an Unterernährung oder Infektionskrankheiten.

Einer der Gefangenen, der Bildhauer Adolf Wamper, hatte aus dem Lehm der Rheinwiesen eine Marienfigur mit Kind gestaltet. Erst später gelang die Konservierung der Figur. Jetzt ist sie in einer zeltartigen Kapelle auf dem Gelände des damaligen Gefangenenlagers aufgestellt. Wind und Regen können durch die offene Konstruktion fegen wie im Frühjahr 1945 durch das Lager. „Frühere Fehler dürfen nicht wiederholt werden. Vergeltung ist keine Liebe und Hass kein Boden, auf dem Frieden gedeihen kann“, steht dort geschrieben.

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