In Nuenen dreht sich alles um Vincent van Gogh

Von: Edda Neitz
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Die Wassermühle Opwetten: Hier kam Vincent van Gogh regelmäßig vorbei. Sie liegt am Rundweg von Nuenen, wo der Maler einst zwei Jahre lang lebte. Foto: „Vincentre“
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Blick ins Museum „Vincentre“: Der Malstil von Vincent van Gogh inspirierte viele Künstler. So ähnlich hat es in Vincents Atelier ausgesehen. Foto: „Vincentre“
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Eine der 17 Informationssäulen: – hier vor dem Haus der Familie Begemann. Foto: „Vincentre“

Eindhoven. Auf den ersten Blick sieht Nuenen mit seinen roten Backsteinhäusern um den kleinen Park im Ortszentrum aus wie eines von vielen ruhigen Dörfern im niederländischen Brabant. Doch wer von der Hauptstraße aus in den Ort abbiegt, taucht ein in die Zeit des weltberühmten Vincent van Gogh.

Es braucht keinen runden Geburtstag oder ein besonderes Jubiläum wie in diesem Jahr den 125. Todestag – der große Künstler ist hier immer präsent. Vincent van Gogh war bereits ein guter Maler, als er 1883 nach Nuenen zu seinen Eltern zog. Zwei Jahre blieb er in dem kleinen Dorf. „Nuenen war damals nicht viel kleiner als Eindhoven“, erzählt Harry van den Nieuwenhof: Er führt gerne Besucher durch das „Van Gogh Village“. Eindhoven ist erst mit der Industrialisierung sehr gewachsen, und Nuenen ist mit 20.000 Einwohnern zwar heute auch kein kleines Dorf mehr, aber die bäuerliche Landschaft, die Vincent van Gogh inspirierte, prägt noch immer das Umfeld. Schöne Wälder, üppige Weiden und malerische Windmühlen wechseln sich ab.

Auf dem Weg ins Ortszentrum wird der Besucher schon von van Gogh begrüßt. Seine lebensgroße Statue steht am Eingang des Stadtparkes, auf den die Hauptstraßen des Ortes zulaufen. Auch die weißen Fahnen am Eingang des „Vincentre“ fallen von weitem auf. „Vincentre“ ist der Name des Van-Gogh-Zentrums. Es hat vor fünf Jahren in einem der hübschen historischen Häuser seine Heimat gefunden. Moderne Museumstechnologien und sorgfältig vorbereitete Informationen bieten sowohl Kindern als auch Erwachsenen eine gute Plattform, sich in die Lebenswelt des Malers hineinzuversetzen.

Schon im Erdgeschoss kommt über einen Audioführer die Familie des Künstlers zu Wort. Vorneweg Bruder Theo. Der stand Vincent sehr nahe. Aber auch die Frauen, die Vincent am nächsten standen – seine Mutter, seine Freundin und seine Schwester –, geben Einblick in ihre Gedanken. Eine Etage höher, im Raum mit der Staffelei und anderen persönlichen Utensilien, erfahren wir mehr über seinen Malstil. Vincent malte nicht, heißt es da, sondern er modellierte mit Farbe. Lage für Lage strich er die Ölfarbe auf die Leinwand und schuf damit den typischen Van-Gogh-Stil.

Das „Vincentre“ ist ein ansprechendes Museum – aber kein Gemälde, keine Zeichnung, geschweige denn überhaupt ein Original schmückt eine der drei Ausstellungsetagen. „Das können wir uns nicht leisten“, erklärt Peer in t’Veld. Er organisiert Malkurse für kleine Gruppen und Veranstaltungen für Reisegruppen. Peer in t’Veld zählt zu den rund 180 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die unermüdlich an der Rezeption stehen und im Museums-Café. Das lädt mit fröhlich-gelben Van-Gogh-Möbeln im Vintage-Stil geradezu zu einer Pause ein. Es gibt Kaffee und Kuchen – natürlich aus den Händen der ehrenamtlichen Van-Gogh-Fans. Sie betreuen mit großer Hingabe das komplette Van-Gogh-Zentrum. Hinter all dem Engagement steht die Stiftung „Van Gogh Village Nuenen“. Diese Zuneigung und diesen Respekt für sein Leben und Werk hätte Vincent sicher gerne zu Lebzeiten gespürt, denn er fühlte sich oft als Außenseiter.

Nuenen ist ein Freilichtmuseum. 17 Informationssäulen sind über eine Wanderstrecke und einen Radweg verbunden. Eine Säule steht gleich gegenüber vom „Vincentre“ vor dem Wohnhaus von Vincents Eltern. Daneben wohnte Familie Begemann, deren Tochter Margot dem Künstler nahestand. In diesem Haus wird derzeit ein modernes Pop-up-Museum eingerichtet. Hier soll Vincents Leben erneut wach werden. Besucher erfahren von niederländischen Künstlern mehr über Maltechnik, Farben und Motive. Auch zu der reformierten Kirche, die der Künstler einst für seine Mutter malte und in der sein Vater predigte, führt der Rundweg. Der Kirchplatz wirkt, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Nur die Bäume sind weiter gewachsen. „Leider ist das Gemälde verschollen“, sagt Tourismusführer Harry van den Nieuwenhof. Bei einem Kunstraub 2002 im Van-Gogh-Museum in Amsterdam wurde es mit weiteren Kunstwerken gestohlen.

Das Motiv für die „Kartoffelesser“, ein sehr bekanntes Werk von ihm, stammt auch aus Nuenen. Genau an der Stelle, wo heute noch ein kleines Landhaus steht, war das Haus der Bauernfamilie, die für van Gogh Modell stand. Oft halten mehrere Touristen-Omnibusse vor dem Haus, um es zu fotografieren. In diesem Jahr werden besonders viele Touristen kommen, hofft Peer in t’Veld.

Vincent van Gogh und Nuenen. Auf dem Wanderweg bekommt man so einen sehr schönen Eindruck. Aber das ist nicht alles: Der Radweg zwischen Nuenen und Gerwen hat auch seinen besonderen Reiz. Er soll an das Gemälde „Sternennacht“ erinnern. Seine volle Wirkung erzielt er allerdings erst, wenn die Sonne untergegangen ist. Dann leuchtet der Schotter auf dem Weg. Es ist fluoreszierendes Material im Bodenbelag eingearbeitet. Der Radrundweg führt an zahlreichen Bauernhöfen vorbei, über Feldwege und Baumalleen. Die Wanderungen – zu Fuß oder auf dem Rad – beflügeln die Fantasie. Vincent van Gogh hat das eindrucksvoll bewiesen.

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