Ideal für Kinder: Familienausflug nach Brüssel

Von: Rolf Minderjahn
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Im Comic-Museum in Brüssel zu sehen: Kapitän Haddock und Tim. Auch in der Stadt – zum Beispiel auf zahlreichen Häuserwänden – begegnen Besucher diesen und anderen Comic-Helden. Foto: Stock/Tacke
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Muss man gesehen haben: das Atomium – außen und innen. Foto: Atomium

Brüssel. Ihr berühmtester Einwohner ist ein Knirps. Da dürfte es nahe liegen, dass Brüssel als Stadt auch Kindern einiges zu bieten hat. Die Kleinen sind in Brüssel oft die Großen. Allen voran Manneken Pis, bunt und bizarr in seinen vielen Kostümen zeigt er es allen, ein gerade einmal 50 Zentimeter kleiner Pisser, den fast die ganze Welt kennt.

Auch andere Helden wie die legendären Comic-Figuren Tim und Struppi oder Lucky Luke sind hier zu Hause. Hier und da grüßen sie von Häuserwänden und versetzen Kinder wie Erwachsene in freudiges Erstaunen.

Brüssels Vielfältigkeit, die Aktivitäten, die hier möglich sind, nicht zu vergessen die überschaubaren Ausmaße der Stadt, sind für Eltern wie für Kinder sehr angenehm. Wer in Welkenraedt oder Eupen den Zug nach Brüssel nimmt, kommt in den Genuss günstiger Tarife wie etwa der Zehnerkarte für 76 Euro. Kinder unter zwölf Jahren fahren kostenfrei. Und Zugreisende ab 65 Jahren erhalten ebenfalls preisgünstige Tickets.

Ankunftsstelle in Brüssel ist der Gare Central, der Zentralbahnhof, inmitten der Stadt. Er ist wenige Schritte von den königlichen Sankt Hubertus-Galerien und der prachtvollen Grand Place entfernt. Und schon ist man mitten im quirligen Geschehen der Hauptstadt, die nicht nur aufgrund ihrer architektonischen und kulinarischen Besonderheiten die Sinne anspricht.

Wer Comics liebt, sollte sich direkt hier in der City auf die einzigartige Comic-Route begeben und Brüssel und seine architektonischen Kleinode vom schönen Marktplatz aus in bunten Bildern und Sprechblasen auf Häuserfassaden, an Ecken und auf Plätzen entdecken. Einen Stadtplan mit dieser Route gibt es bei der Tourist-Info. Die Route führt auch zum belgischen Comic-Zentrum in einem ehemaligen Handelshaus aus dem Jahre 1906. Es ist ein Juwel des Brüsseler Jugendstils. Victor Horta, der berühmte Architekt, hat das Museumsgebäude entworfen.

Für den kleinen Hunger zwischendurch, der sicher aufkommen wird, alleine schon durch die verführerischen und unglaublich üppigen Auslagen der Zuckerbäckereien wie Dandoy (Rue au Beurre 31), der Schokoladenmeister, der Waffelbäcker und die den wunderbar typischen Duft verströmenden Friterien, sei die Ecke Rue de l’Ecuyer und Rue du Marché aux Herbes nahe der Grand Place empfohlen. Schließlich ist Brüssel auch die Königin der Gaumenfreuden. Kakao und Schokolade, wer mag die nicht?

Das trifft sich gut, denn die Brüsseler haben auch diesen Verführungen ein Museum gewidmet: das Kakao- und Schokoladenmuseum an der Grand Place. Die Verkostung und die Vorführung der Herstellung dieser Leckereien vor Ort lassen sich Naschkatzen nicht entgehen. Und dazu diese romantische Kulisse der Grand Place. Jean Cocteau hat den Platz als „schönstes Theater der Welt“ bezeichnet.

Oder man geht auf einen Lunch hinauf zum Sablon-Platz ins Comic-Dorf mit seinem originellen Comics-Café zu Mega-Burgern, Bagels, Pommes Frites und Brüsseler Spezialitäten wie Carbonnade (Gulasch in Bier). Abgesehen vom Gulasch mit Bier schmeckt es den Kindern in diesen Cafés besonders gut.

Brüssel lohnt wegen der Comics und der Grand Place. Aber das ist natürlich längst nicht alles. Ein Brüssel-Besuch ohne Atomium? Das geht irgendwie nicht. Das Atomium ist ja schließlich immer noch das Wahrzeichen der Stadt – mit seinen immer silbern glänzenden Kugeln.

Für Touristen, die länger als einen Tag bleiben, könnte sich der Kauf der Brussels Card lohnen. Damit erhält man in über 30 Museen freien Eintritt und viele Ermäßigungen auch in Restaurants. Mit der Brussels Card + Sightseeing kann man die Sightseeing Busse günstiger nutzen. Sie fahren zu allen großen Sehenswürdigkeiten der Stadt, sind bei schönem Wetter offen und ideale Aussichtsplattformen zugleich. Einfach ein- und aussteigen, wo immer man möchte. Ein Sightseeing-Bus fährt zum Beispiel direkt vom Zentralbahnhof Richtung Atomium. Wer lieber schneller dort ist, nimmt die Metro, Linie 6 zum Heysel-Plateau.

Wie eine auf die Ecke gestellte, würfelförmige Raumstation ragt das Atomium über Brüssel und dem Heysel-Plateau oder doch wie die im Wurf erstarrten Bälle eines Jongleurs? Das Atomium regt die Fantasie an. Automatisch legt man den Kopf in den Nacken und hebt den Blick zu den großen Kugeln. Man darf gespannt sein, wie es in den runden Dingern aussieht und erst recht wie sie von hier unten aus erreicht werden. Ein Aufzug vom Empfangspavillon aus katapultiert seine Fahrgäste mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde in nur 23 Sekunden zur obersten Kugel auf knapp 100 Meter.

Der 360-Grad-Blick über Brüssel und das Heysel-Plateau – und bei entsprechendem Wetter weit darüber hinaus – ist überwältigend. Von den neun Kugeln des Atomiums können fünf besichtigt werden. Es geht durch die vielen Verbindungsröhren, per Treppe oder Rolltreppe, mal rauf, mal runter. Die Rolltreppen in den Röhren des Atomiums gehören zu den längsten in Europa.

Die Basis-Kugel beherbergt eine Dauerausstellung als Hommage an den Zeitgeist der 50er Jahre und die fabelhafte Geschichte der Weltausstellung Expo 58. „Ein großer Erfolg ist die Kinder-Kugel“, sagt Gästeführerin Yvonne Boodts. „Die Kinder sind fasziniert von der Vorstellung, einen Tag mit Übernachtung im Atomium zu verbringen“. Den Raum hat die spanische Künstlerin Alicia Framis entworfen.

Die Kugeln, die an der Decke des oberen Bereichs aufgehängt sind, können auf den Boden gesetzt oder neu aufgehängt werden, um mehr Platz zu erhalten. Wenn diese „Regenmoleküle” auf dem Boden ruhen, dienen sie den Kindern als originelle Schlafräume für die Nacht. Das Atomium wurde vom Ingenieur André Waterkeyn für die Weltausstellung von 1958 konzipiert und symbolisiert ein Eisenkristall in 165-milliardenfacher Vergrößerung.

Am Fuße des Atomiums liegt der Freizeitpark Mini-Europa. Bei einer Führung erfährt man Interessantes über die Historie und die Kultur dieser Denkmäler, gespickt mit köstlichen Anekdoten, etwas fürs Auge und die Bildung gleichermaßen. Man kann aber auch einfach so mit den Kindern durch den Park gehen. Das meiste erklärt sich ganz von selbst.

Zu einem Familienausflug nach Brüssel gehört auch der Besuch eines vor allem für Kinder faszinierendsten Museen Belgiens. Fans von Dinosauriern werden die größte Dinosaurier-Galerie Europas im Museum der Naturwissenschaften einfach nicht auslassen können. Neben den Dino-Nachbildungen gibt es Mineralien, Mondsteine, Wale und lebende Insekten zu bestaunen. Das Museum liegt in der Nähe des Europäischen Parlaments und des Parc Léopold. Im Dino-Café gibt es zudem leckere Menüs für Kinder. Und dann geht‘s entspannt mit der Bahn zurück nach Welkenraedt oder Eupen.

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