Aubel - Herver Land: Melancholische Schönheit im Herbst

Herver Land: Melancholische Schönheit im Herbst

Von: Edda Neitz
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Malerischer Blick ins Herver Land. Im Dreieck Lüttich. Maastricht und Aachen bieten sich Wanderungen zu interessanten und landschaftlich sehr schönen Zielen an. Foto: Edda Neitz
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Virginie Harzé ist Braumeisterin von Val Dieu. Fünf Biersorten werden in der Klosterbrauerei hergestellt. Foto: Edda Neitz

Aubel. Weit ausgebreitet liegen Wiesen unter einem blass-blauen Himmel. Nebelschwaden bedecken den Boden im Herver Land. Der Herbst verleiht dieser Region einen besonderen, fast melancholischen Glanz.

„Multikulturelles Euregio“ nennen die Einheimischen die Gegend, die im Dreieck Lüttich, Maastricht und Aachen liegt. Schon zu Zeiten der Kelten und später der Römer waren hier wichtige Siedlungen, kreuzten sich Fernwege.

Karl der Große fand dann an den weiten Wäldern, die damals noch das Plateau bedeckten, für seine Jagd Gefallen.

Bis heute nahezu unverändert ist die Ausstrahlung des Klosters „Notre Dame du Val Dieu“, rund vier Kilometer von Aubel entfernt. Vor 800 Jahren gründeten Mönche aus dem niederländischen Hocht die Zisterzienserabtei und entwickelten sie rasch zu einem religiösen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum.

Die Basilika, ein großer Wirtschaftshof mit ehemaligen Stallungen und Scheunen zeugen noch von der Glanzzeit der Ordensbrüder und ihrer Vorbildfunktion bei der Landwirtschaft.

Da die Abtei mehrmals verwüstet wurde – sei es durch Brand oder Erbfolge- und Religionskriege – finden sich sowohl gotische als auch romanische Architekturelemente im gesamten Klosterkomplex.

Christliche Gemeinschaft

Bis 2001 lebten noch drei Mönche in der Abtei, heute ist das Kloster einer christlichen Gemeinschaft anvertraut, die sich sowohl um die Pflege des historischen Gebäudes kümmert, als auch dafür sorgt, dass Val Dieu weiterhin ein Ort des geistlichen Lebens bleibt.

Leider dürfen aber nur einige Bereiche der Abtei besichtigt werden und das nur mit einer Führung. Allerdings können im großen Gästehaus aus dem 18. Jahrhundert prunkvolle Räume für Feste und Ausstellungen gemietet werden. Und einige Gästezimmer für Jakobswegpilger gibt es auch.

Schon immer wurde neben der Seele auch der weltliche Genuss gepflegt. Zwar sind die Mönche inzwischen verschwunden, geblieben ist aber die Tradition des Bier Brauens. Val Dieu ist die einzige belgische Brauerei, die noch auf einem Klostergelände Bier braut. Wer einen gestandenen Braumeister erwartet, der darf staunen. Die zierliche Virginie Harzé, 33 Jahre jung, wacht über die Produktion von 85 000 Liter feinstem Abteibier. Gelernt hat sie das Metier in einer großen Brauerei, dort arbeitete sie vorwiegend im Labor. Hier in Val Dieu dagegen trägt sie die Verantwortung für die Produktion in der Kleinbrauerei mit einem siebenköpfigen Team.

Statt Kühen stehen im ehemaligen Stall nun zwei riesige Behälter, die 22.000 Liter Bier fassen. Gebraut wird nach den Jahrhunderte alten Rezepturen der Mönche. Mehr über die Rezepturen verrät die junge Braumeisterin aus Spa natürlich nicht.

Fünf Biersorten werden in der Klosterbrauerei hergestellt: das „Blonde“ (mit sechs Prozent Alkohol), das „Brune“ (mit acht Prozent), das Triple (mit neun Prozent ) und das „Grund Cru“ (mit 10,5 Prozent). In der Weihnachtszeit gibt es auch das Weihnachtsbier.

Gegenüber der Brauerei befindet sich das einfache Lokal des Klosters, wo man an Tischen, bedeckt mit ländlich rot-weißen Tischdecken, die Abteibiere und regionale Speisen verzehren kann.

Bevor Braumeisterin Virginie Harzé morgens um fünf mit ihrer Arbeit beginnt, genießt sie gerne zum Auftakt des Tages den Ausblick auf den beschaulichen Klosterpark. Nicht nur sie, auch jeder andere Besucher kann die Ruhe im weitläufigen Park genießen, der direkt hinter der Abtei liegt und frei zugänglich ist.

Hohe, alte Buchen- und Eichenbäume säumen die geschwungenen Kieswege. Ein großer Teich in der Parkmitte und das Flüsschen Berwinne – das im übrigen entscheidend dazu beitrug, dass sich die Mönche hier niederließen – unterstreichen einmal mehr den Charme dieser klösterlichen Oase. Zu kurzen Wanderungen laden mehrere Rundtouren ein, die fast alle an der Pforte von Val Dieu beginnen. Nicht weit ist es von Val Dieu nach Aubel.

Der malerische Ort ist wie alle Dörfer der Umgebung von großflächigen Obstbaumwiesen und Weiden umgeben und zählt zu den großen Dörfern im Herver Land, das zudem ein lange Geschichte hat. Ein ansehnliches Bauwerk der Spätgotik ist die Kirche St. Hubertus. Besonders Interessant ist der historische Friedhof. Dort stehen Steinkreuze aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wind und Wetter haben die Steine geschliffen, manche Exemplare tragen aber noch immer die reiche Verzierung der Familienwappen, und das bunte herbstliche Laub verleiht dem Friedhof eine fast behagliche Atmosphäre.

Direkt gegenüber befindet sich die „Auberge au vieil Aubel“, ein altes Wirtshaus aus dem 17. Jahrhundert mit historischem Fachwerk. Wahrscheinlich war es früher für die Reisenden ein wichtiger Umschlagplatz. Pferde wurden gewechselt und ein gutes Mahl stand in der Wirtsstube bereit.

Breite Giebel

Auch die Bürgerhäuser mit breiten Giebeln und teilweise reicher Verzierung, die im Zentrum stehen, zeigen, dass Aubel schon immer ein bedeutsamer Marktplatz war. Seit 1630 und bis heute werden hier sonntags und dienstags lokale Spezialitäten gehandelt.

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