Eupen - Serie „Unser Sommer“: Wildes Wasser und weite Blicke im Hohen Venn

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Serie „Unser Sommer“: Wildes Wasser und weite Blicke im Hohen Venn

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kontraste: An der manchmal durchaus wilden Hill entlang geht es durch den verwunschenen Hertogenwald,... Foto: Bornefeld
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... im Brackvenn bleibt man auf den Holzstegen und lässt dafür den Blick wandern. Foto: Bornefeld
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Das Wollgras ist eine der typischen Pflanzen dieses einmaligen Naturraums. Foto: Bornefeld
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Rund um das Haus Ternell finden auch Insekten ein komfortables Zuhause. Foto: Bornefeld

Eupen. Christine Kirschfink macht eine Ausnahme: „Für Kinderwagen sind die Wege nichts. Ansonsten findet sich für jeden Wanderer etwas rund um das Haus Ternell“, meint die Mitarbeiterin des Naturzentrums Haus Ternell und zeigt fleißig auf der Karte umher.

In der Tat hat Christine Kirschfink einige Antworten parat, wenn es um die Frage geht, wie man wandernd die Gegend erkunden kann, egal ob man eine Stunde oder mehrere Tage Zeit hat. Sie empfiehlt mir – relativ wenig Zeit, auf der Suche nach spannenden Wegstrecken – zwei Routen, die ganz sicher reichlich Abwechslung zu bieten haben.

Zunächst schickt sie mich in das Tal der Hill. Ich kenne den dazu gehörigen Hertogenwald von winterlichen Langlauftouren, die gleich am Haus Ternell beginnen. Die Loipen werden aber auf den breiten, geraden Forstwegen gespurt, gesäumt von langweiligen Nadelwäldern, optimiert für die Forstwirtschaft angepflanzt. Und hier soll eine Familie mit wanderunwilligen Kindern Spaß haben?

Als ich kurz vor der kleinen Forsthütte der gelben Markierung (gelbes Kreuz) folgend rechts in den Laubwald abbiege, wird klar: Frau Kirschfink hat nicht zu viel versprochen. Sofort schrumpft der Weg auf Pfadesbreite, es geht steil bergab, Baumwurzeln und Steine durchziehen den Weg, so dass jeder Schritt gut gesetzt sein sollte. Festes Schuhwerk ist hier unerlässlich.

Nach nur wenigen Metern treffe ich auf die Hill, die in einigen Wanderführern als „wild und entfesselt“ beschrieben wird. Vielleicht wegen des trockenen Frühjahrs präsentiert sie sich mir eher zahm und ohne Frage als perfekten Spielplatz für Steinchenwerfer, Wasserplanscher und Felskletterer. An mehreren Stellen führen Brücken über den Fluss, die nur mit großen Schritten erklommen werden können – eine Herausforderung für alte und junge Wanderer und dadurch kein bisschen langweilig. Nur vier Kilometer umfasst die kleine Tour und bietet doch alles, was einen Sonntagsspaziergang zu einem herzerfrischenden Ausflug werden lässt. Und an heißen Sommertagen gibt es hier Bachtalkühle und Baumschatten gratis.

Zurück am Haus Ternell lässt sich der Durst mit Brause und belgischem Bier löschen. Ein kleines Venn- und Waldmuseum (Eintritt zwei Euro) zeigt die Tiere, Pflanzen und Pilze, die für die Region typisch sind – vom Fliegenpilz bis zum äußerst seltenen Birkhuhn. Im Arboretum lassen sich typische Baumarten begutachten und ein frisch renovierter Spielplatz holt auch noch die letzte Bewegungsenergie aus den Kindern heraus.

Durch das Brackvenn

Die zweite von Christine Kirschfink empfohlene Route führt durch das Brackvenn, „in dem alles zu sehen ist, was für das Hohe Venn charakteristisch ist“, wie sie sagt. Also weiter Blick und Holzstege, denke ich. Aber das Brackvenn hat darüber hinaus einiges zu bieten – alles ebenfalls in ungefähr zwei bis drei Stunden Tour zu sehen. Nur einige Kilometer folge ich dafür vom Haus Ternell der N67 weiter Richtung Mützenich. Der Parkplatz Nahtsief liegt etwas abseits der Straße auf der linken Seite.

Einmal die Straße überquert, stehe ich bereits in der Schutzzone B. Hier darf man sich nur noch auf den markierten Wegen – im Brackvenn sind das fast ausschließlich die bei den Besuchern so beliebten und gut zu gehenden Holzstege – bewegen und sollte auch das vierbeinige Familienmitglied zu Hause lassen. Allerdings sollte man auch hier hin und wieder auf den Weg schauen, denn immer mal fehlen Latten in den Stegen, oder die Untergrundbefestigung hat sich gelöst, was den ganzen Steg zum Wanken bringen kann.

Dennoch ist im Brackvenn die dauerhafte Pflege und Instandhaltung der Stege fest zugesagt, und ich bekomme auf dreisprachigen Info-Tafeln viel Interessantes über das Venn erzählt. Zum Beispiel was Palsen und Lithalsen sind und dass das Wollgras eine der typischen Pflanzen des Moorgebietes ist. In der Tat bewegen sich die weißen Puschel überall im Wind.

Apropos Wind: Der kann auf den Hochebenen des Venns schon mal kräftig wehen. Eine Jacke im Gepäck zu haben, kann da nicht schaden. An heißen Sommertagen ist der Wind allerdings die einzige Abkühlung, die sich hier bietet. Dennoch ist die Sommerhitze meist nicht die Ursache für Sperrungen des Venns wegen Brandgefahr. „Das passiert meist im Frühjahr, wenn die Vegetation noch winterlich trocken ist“, erklärt Christine Kirschfink. Sperrungen werden mit roten Fahnen an den Eingängen signalisiert, informieren kann man sich auch über die Hotline 0032/80447273. Immer geöffnet ist der Naturlehrpfad im Poleûr-Venn zwischen Baraque Michel und Mont Rigi.

Mein Weg führt vorbei am Königlichen Torfmoor – das einzige noch aktive Moor im Venn. Es ist eine Schutzzone D und darf überhaupt nicht betreten werden. Trotzdem lassen sich einige Einblicke in die Torfentstehung erhaschen. Nach einer etwa einstündigen Runde auf der südlichen Seite des Brackvenns, kann man für eine ähnlich lange Tour noch auf die nördliche Seite wechseln. Hier warten Biber – oder zumindest ihre Spuren – auf naturkundliche Beobachter. Also Augen auf und vielleicht ein Fernglas nicht vergessen. Damit kann man auch gut die vielen Vögel, die das Venn ihr Revier nennen, näher betrachten.

Zwei Touren, zwei ganz gegensätzliche Landschaften – Frau Kirschfink hat nicht zu viel versprochen: Für jedes Familienmitglied ist etwas dabei.

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