Mayen/Bürresheim - Schloss Bürresheim, das Uneinnehmbare: Einzigartige Einblicke

Schloss Bürresheim, das Uneinnehmbare: Einzigartige Einblicke

Von: Martin Thull
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Schloss Bürresheim
Der ehemalige „Küchengarten“ unterhalb von Schloss Bürresheim ist zu einem barocken Schmuckstück umgestaltet worden. Das mittelalterliche Ensemble war kurz Kulisse für „Indiana Jones“ und später Schauplatz bei Märchenfilmen. Foto: Martin Thull
Schloss Bürresheim
Die Sommerküche macht den Eindruck, dass die Köchin sofort loslegen könnte. Foto: Martin Thull
Schloss Bürresheim
Im früheren „Vogthaus“ findet der Besucher heute den Ticketschalter, im Hintergrund rechts die Ruine der Kölner Burg. Foto: Martin Thull
Schloss Bürresheim
Der spätgotische Wohnbau wurde in Fachwerktechnik errichtet. Foto: Martin Thull
Schloss Bürresheim
Verschiedene Fenster wie Schießscharten geben dem Eingangsdurchgang stimmungsvolles Licht. Foto: Martin Thull

Mayen/Bürresheim. Diese Burg in der Eifel ist nie von feindlichen Truppen eingenommen worden. Und dafür gab es Vorkehrungen: Der einzige Zugang zum heutigen Schloss Bürresheim bei Mayen bestand in einem langen, dunklen Gang, spärliches Licht kam nur von kleinen Durchbrüchen der fast zwei Meter dicken Mauern.

Von oben konnte nicht nur ein Fallgitter herabgelassen, sondern durch Löcher auch siedendes Öl oder flüssiges Pech auf mögliche Angreifer geschüttet werden.

Und wenn diese dann solche Hindernisse überwunden hatten, dann gab es nur eine Wendeltreppe ins Obergeschoss. Die drehte rechts, so dass eine Waffe nur mit der Linken geführt werden konnte. Und diese Treppe, die einzige nach oben, endete vor drei Türen.

Es kam niemals so weit, dass ein Angreifer die Probe hätte machen können, welche Türe denn erfolgreich geöffnet werden könnte, um die Eroberung fortzusetzen. Denn wie gesagt, Bürresheim wurde nie eingenommen. Ebenso wie übrigens die nicht weit entfernt liegende Burg Eltz. Aber das ist eine andere Geschichte.

Einmal also war es die Bauweise, die eine Einnahme erfolgreich verhinderte. Es kam aber noch ein weiterer Grund für die Unversehrtheit hinzu: Verwandtschaftliche Beziehungen zweier Frauen – eine in Eltz, die andere in Bürresheim – zum französischen König Ludwig XIV. Der sorgte nämlich dafür, dass das französische Heer bei seinem Zug durch die Eifel diese beiden Burgen tunlichst verschonte. Denn nicht einmal ein Sonnenkönig mochte Ärger mit der weiblichen Verwandtschaft.

Viele Besitzer

Bürresheim wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1157 erwähnt. Der Besitz ging, wie damals durchaus üblich, hin und her. So wurde kurz vor 1189 ein Teil an den Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg verkauft. Auch das Erzbistum Trier erkannte die Wichtigkeit der Anlage und erwarb unter Erzbischof Heinrich II. von Finstingen die andere Hälfte der damaligen Burg. Rivalitäten zwischen zwei einflussreichen Bischöfen. Daher auch die Unterscheidung in Trierer und Kölner Burg.

Der Name Bürresheim stammt von der gleichnamigen Familie, die im 14. Jahrhundert zunächst Besitzer des Vorgängers der heutigen Anlage war. 1473 erwarb Gerlach von Breitbach die Ostburg. Über ein Jahrhundert später wurde die Familie Breitbach, aus der im 18. Jahrhundert der Mainzer Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim hervorging, Alleinbesitzer der gesamten Burganlage.

Ihr verdankt die Burg ihr heutiges Aussehen. Die letzte Nachfahrin verkaufte 1938 die „Trierer Burg“ mit sämtlichem Inventar an die preußische Rheinprovinz, nach Ende des 2. Weltkrieges übernahm das Land Rheinland-Pfalz als Rechtsnachfolger den Besitz. Und pflegt ihn seitdem.

Der heutige Besucher nähert sich der Burg mit einem gewissen Grundwissen über das späte Mittelalter, das meist aus Romanen und Filmen, die in dieser Zeit spielen, gespeist ist. Und manch einer wünscht sich sogar, mit einer Zeitmaschine in diese Zeit katapultiert zu werden, weil er sie für sich verklärt hat. Er würde eine – wahrscheinlich böse – Überraschung erleben.

Denn die Lebensumstände waren damals schwierig, die Winter in den meist unbeheizten Räumen bitterkalt, die Sommer heiß und reich an stechenden Insekten. Der spätmittelalterliche Wohnbau in Bürresheim veranschaulicht sehr gut, wie einfach man um 1490 wohnte. In jedem Stock befindet sich ein einziger großer Saal mit Eichenholzpfeilern, Balkendecken und unebenen Natursteinböden. Erst in späteren Jahrhunderten teilte man gemütliche Zimmer ab.

Und doch war Bürresheim vergleichsweise komfortabel. Denn nicht nur gab es in jedem Raum einen Kamin oder einen Kanonenofen, der – weiterer Komfort – von einer nebenliegenden Heizkammer befeuert wurde. Insgesamt gab es sieben Toiletten, diskret versteckt hinter dunklen Holztüren. Das war zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich.

Dass die Hinterlassenschaft nach draußen fiel und die unmittelbare Umgebung der Burg eher unwirtlich erscheinen ließ, nahmen die Bewohner – und Besucher – offenbar in Kauf. Das Flüsschen Nette war zu weit weg, um für zusätzliche Hygiene zu sorgen. Und ein Badezimmer, um beim Hygienethema zu bleiben, gab es bis zuletzt nicht, also bis ins 20. Jahrhundert Fehlanzeige. Also eher ungemütliche Wohnbedingungen.

Der Übergang

Anna Magdalena von Metzenhausen, die Witwe Wolf Heinrichs von Breidbach, begegnet dem Besucher im Schloss mehrfach auf unterschiedlichen Porträts. Sie ließ zwischen dem Rundturm und dem Vogthaus einen großen Südflügel errichten, und in der Zeit von 1698 bis 1700 wurde durch Georg Reinhard von Breidbach die letzte bauliche Lücke zwischen Bergfried und gotischem Wohngebäude durch den sogenannten Kapellenbau geschlossen.

Ungewöhnlich hierbei war, dass der Erbauer die Kapelle entgegen den damaligen Gepflogenheiten nicht im Erdgeschoss, sondern in der ersten Etage einrichten ließ. Aus der Burg wurde ein Schloss. Bereits 1683 entstand an der Südwestseite des Schlosses ein französischer Terrassengarten im Stil des Barock, der in seiner heutigen Form 1952 rekonstruiert wurde. Auch der frühere Küchengarten wurde zwischenzeitlich im Barockstil neu angelegt.

Dem Umstand, dass Bürresheim über eine lange Zeit in der Hand einer einzigen Adelsfamilie war, verdankt das Schloss seine sehenswerte, einzigartige Innenausstattung, die Stücke aus der Spätgotik bis hin zum Historismus umfasst. Ledertapeten aus Portugal oder handgepresste französische Tapeten sind nur ein Beispiel, Möbel mit kostbaren Intarsien und Kabinettschränke mit Geheimfächern ein anderes. Zahlreiche Porträts zeigen Mitglieder und Verwandte der Besitzerfamilie und Fürsten vergangener Zeiten. So blieb bis in die heutige Zeit ein einmaliges Zeugnis rheinischer Adels- und Wohnkultur erhalten.

Das Schloss als Filmkulisse

Nicht verwunderlich ist, dass Foto- und Filmaufnahmen die Burg als willkommene Kulisse nutzen. So gab es im Mai 2009 Dreharbeiten zum WDR-Märchenfilm „Rumpelstilzchen“. Eine kurze Außenaufnahme des Schlosses ist in dem Abenteuerfilm mit Harrison Ford „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ zu sehen. Im Film stellt es das fiktive Schloss Brunwald an der deutsch-österreichischen Grenze dar, in dem Professor Henry Jones senior festgehalten wird.

Der Zuschauer soll also denken, dass es ein Schloss in Österreich ist, dabei steht es in Wirklichkeit in der Eifel. Illusionskunst. Schloss Bürresheim zählt zu den seltenen Beispielen, die eine stufenweise Entwicklung von der mittelalterlichen Wehranlage zur barocken Wohnburg so deutlich aufzeigen können. Die Bauten um den Burghof herum stammen aus fünf verschiedenen Epochen. Ein Schnellkurs in Sachen Architekturgeschichte. Und der Besucher verlässt das Schloss mit der Frage, ob das mit der Zeitmaschine wirklich eine gute Idee war.

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