Region - Ostbelgiens schöner Süden: Von Burg Reuland nach Ouren

Ostbelgiens schöner Süden: Von Burg Reuland nach Ouren

Von: Rolf Minderjahn
Letzte Aktualisierung:
Ourtal 2
Ein Blick ins schöne Ourtal. Foto: Tourismusagentur Ostbelgien/Eastbelgium
13397700.jpg
Ein Blick ins schöne Ourtal. Foto: Tourismusagentur Ostbelgien/Eastbelgium
13397703.jpg
Die Aussicht von der Ruine auf den Ort Burg-Reuland. Foto: Rolf Minderjahn

Region. Für Besucher des Ortes Burg-Reuland im Süden Ostbelgiens gehört der Weg auf die Burgruine zum Pflichtprogramm. Man sollte den Wagen kostenlos am Kulturhaus parken, wo auch die Tourist-Info untergebracht ist. Es sind nur wenige Minuten bis zur Burg vom Stadtzentrum aus, denn die Burg ist quasi Teil des Ortes und liegt nicht etwa auf einer Anhöhe, auf die man hinaufklettern muss.

So romantisch wie in einem Märchenfilm ist der Blick von der Ruine Burg-Reuland über den Ort und die Umgebung des Tals. Durch den Ort fließt die Ulf. An ihr vorbei verläuft die letzte Etappe der Vennbahn, die in Aachen beginnt. Von der Vennbahn hat man den schönsten Blick auf die Burgruine.

An der Vennbahn

In Burg-Reuland gibt es zwei Zugänge zur Vennbahn. Am Ortseingang an der Ulftaler Schenke gibt es einen Parkplatz, von dem man auf den Radwanderweg gehen kann. Und: Wenn man im Ortszentrum in der Nähe der Kirche den Torbogen von Haus Zeyen durchschreitet und die Ulf überquert, erreicht man nach wenigen Metern die Vennbahn.

Auf der Burg werden Fundstücke der archäologischen Ausgrabungen und eine Ausstellung über die Ortsgeschichte gezeigt. Die Geschichte der Gemeinde ist eng mit derjenigen der Burg verknüpft, deren Platz bereits im 10. Jahrhundert genutzt wurde. Dort, wo heute nur noch die Burgruine steht, hatten die Römer schon ein festes Kastell angelegt. Die ältesten Fundamente stammen aus dem 12. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert war ein Burgbering vorhanden und ein Turm. Im 14. Jahrhundert wurde der Bering neu aufgebaut und der Bergfried errichtet. Um 1414 gelangte die Burg Reuland in den Besitz der Familie von Pallant.

Die Burgruine Reuland zählt übrigens zu den größten in der Eifel-Ardennen-Region. Über 200 Jahre regierte dort das Geschlecht der Pallants. Der letzte Herr, Balthasar von Pallant, starb im Jahr 1625. Das Grabmal des Balthasar von Pallant und der Elisabeth von Millendonck steht in der Pfarrkirche St. Stephanus in Burg-Reuland. Es handelt sich um einen Sarkophag aus belgischem Schiefermarmor. Beeindruckend ist die Deckplatte im Flachrelief mit den liegenden, lebensgroßen Figuren des Ehepaares in betender Haltung, die Hand vor der Brust gekreuzt.

Durch ein elegantes Portal im mächtigen Turm aus Bruchstein mit der markanten schiefergedeckten Zwiebelhaube betritt man das Gotteshaus. Im oberen Bereich des Turms lassen sich zwei von gekrönten Löwen gehaltene Wappensteine des Balthasar von Pallant-Millendonck erkennen. Die 1772 erbaute Kirche wurde 1912 erweitert. Ihr barockes Inneres mit Altären und Beichtstühlen aus dem 18. Jahrhundert, einer Kanzel aus dem Jahre 1758 sowie Holzfiguren ist sehr sehenswert. Der Schlüssel zur Kirche ist im Elektrogeschäft Genten, Hausnummer 79, erhältlich. In der Nähe der Kirche liegt das schöne Haus Van Orley aus dem Jahr 1747.

Der Weiler Weweler

Aus Burg-Reuland heraus geht es dann über die Straße N 693 Richtung Weweler. Es ist ein Weiler auf einem felsigen Hügel oberhalb des Zusammenflusses der Ulf mit der Our. Hier stößt man wieder auf die Vennbahn, die von der N 693 gekreuzt wird. Der Turm der St. Hubertus-Kapelle von Weweler ist von weitem sichtbar. Sie ragt markant aus dem satten Grün der Umgebung hervor. Bis 1772 war die Kapelle Pfarrkirche von Reuland. Der romanische Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert, Schiff und Chor aus dem 15. Jahrhundert.

Hinter Weweler kommt man ins Tal der Our und schließlich nach Ouren, dem südlichsten Ort Ostbelgiens. Das Tal ist so lauschig, ruhig und romantisch wie kaum ein anderes in der Region. Die Our entspringt in der Nähe des „Weißen Steins“ – es ist mit 692 Metern der zweithöchste Punkt Belgiens. Die Quelle ist ein Sumpfgebiet und liegt auf einer Höhe von circa 600 Metern in einem Fichtenwald – unterhalb von Losheimergraben, nur 100 Meter von der deutschen Grenze entfernt und unweit der Wasserscheide zwischen Maas und Rhein.

Gastfreundlich

An der Mündung bei Wallendorf auf der Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg, dort, wo die Our in die Sauer fließt, beträgt die Höhe des Flusses über dem Meeresspiegel nur noch 178 Meter. Als kleiner Fluss verlässt sie Belgien, um Deutschland und Luxemburg bis zur Mündung in die Sauer bei Wallendorf zu trennen. 45 Ortschaften mit ihren knapp 5000 Einwohnern entlang der rund 90 Kilometer langen Our sind Gastgeber für viele Erholungssuchende.

Die Bannkraft der Natur und der Herzlichkeit der Gastgeber sind Trümpfe in dieser liebenswerten Region. Die Our schlängelt sich sozusagen entlang der belgisch-deutschen Grenze bis zum Dreiländereck in Ouren. Von Bergkuppen ergeben sich Ausblicke auf die seicht dahinfließende Our und ihr schönes Tal wie im Weiler Oberhausen. Man fühlt sich wie in der Natur und Stille eines kleinen Alpentales.

Schöne Aussichten

Hier bei Ouren hat der Wanderer die einzigartige Möglichkeit, durch eine wunderschöne Naturlandschaft zwischen und entlang der Grenzen dreier Länder zu streifen. Während das Tal des Federbaches bei Stubach ganz auf belgischer Seite erwandert werden kann, folgt man dem Lauf des Schiebaches zwischen Ouren und dem luxemburgischen Leithum durch zwei Länder. Hier findet man mehr als 300 Kilometer gut beschilderte und gepflegte Wanderwege in unberührter Natur vor. Sechs von 35 Wanderwegen sind grenzüberschreitend nach Luxemburg oder Deutschland angelegt.

Es gibt in Ouren insgesamt drei sehr schöne Aussichtspunkte: Am Kreuzweg, der hinter der Kirche von Ouren beginnt und auf den Rittersprung führt, dann am neuen Startplatz für Gleitschirmflieger an der Straße von Ouren nach Weiswampach, „Auf der Schleid“, sowie oberhalb vom Hotel Dreiländereck auf dem ehemaligen Burg-Gelände.

Neun Kilometer wandern

Startpunkt ist am Ufer der Our im Zentrum von Ouren. Ein Wanderweg von circa neun Kilometern führt durch teils hügeliges Waldgelände mit Blicken auf das Ourtal. Er ist durch eine weiße Raute mit blauem Kreuz gekennzeichnet. Man wendet sich in Richtung Peterskirche über die Ourbrücke aus dem Ort heraus über die leicht ansteigende Straße nach Burg-Reuland.

Nach einigen hundert Metern erreicht man das Rittersprungdenkmal mit dem bizarren Felsen oberhalb der Our. Der Legende nach ist der Name dieses Felsens darauf zurückzuführen, dass bereits zu Ritterszeiten der Gott Amor seine Finger im Spiel hatte. Ein Raubritter war in die Frau des Ritters von Ouren verliebt. Er entführte sie, wurde jedoch von den Verfolgern gestellt. Mit einem kühnen Sprung seines Pferdes vom Felsen in die Fluten der Our konnte er entkommen.

An der Brücke geht es links ab, am Schiebach vorbei, in ein dichtes, bewaldetes Tal hinein. Kurz nach der Heinskill-Mühle führt der stark ansteigende Weg durch einen großen Wald. Der Anstieg ist nicht einfach. Auf der Kuppe wird man aber mit einem tollen Blick belohnt. Er neigt sich später Richtung Ribbach abwärts durch Nadelwälder. Die Route parallel des Ribbachs führt zum Dreiländerpunkt mit den fünf Megalithen.

20 Jahre nach Unterzeichnung der römischen Verträge wollte der Luxemburger Georg Wagner dem Geburtsakt eines vereinten Europas ein Denkmal setzen. Drei Gemeinden, das deutsche Arzfeld, das luxemburgische Heinerscheid und das belgische Burg-Reuland kauften gemeinsam das Stück Land, auf den das Denkmal gesetzt wurde. Fünf Findlinge aus den drei beteiligten Ländern tragen die Namen verdienter Europäer. Man befindet sich hier im weiten Tal der Our. Der Wanderweg folgt den Mäandern und führt schließlich von der anderen Seite zurück ins Ortszentrum.

Gute Wanderschuhe und Verpflegung werden empfohlen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert