Interaktives Lernen im Erlebnispark Terra Vulcania

Von: Martin Thull
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Terra Vulcania

Region. Vielleicht ist es nicht die Frage aller Fragen. Dennoch ist vielen die Antwort wichtig: „Trinken Fledermäuse Blut?“ Im „Schacht 700“ im Grubenfeld von Mayen gibt es die Antwort: „Unsere“ Fledermäuse fressen nur Insekten. Allerdings, so heißt es ergänzend, gibt es auch Arten, die als Nahrung Früchte, Fleisch und Blütennektar bevorzugen.

Und gut, dass wir uns in der Eifel befinden und nicht in Süd- oder Mittelamerika. Denn dort gibt es drei Fledermausarten, die sich tatsächlich von Blut ernähren.

Knoblauch zur Abschreckung von Vampiren ist also nicht erforderlich, wenn sich die Besucher im Gelände der Terra Vulcania in der Nähe von Mayen bewegen. Ganz im Gegenteil – die liebevoll und informativ aufbereitete Geschichte des Basaltabbaus im Mayener Grubenfeld verhilft eben auch zu Erkenntnissen über die Fledermäuse.

Denn die suchen in dem aufgegebenen Stollen ihr Winterquartier. Der Schacht bietet heute über ein eisernes Treppengerüst Informationen für Erwachsene und Kinder – und räumt dabei auch mit Vorurteilen auf. Etwa dem, dass Fledermäuse bevorzugt Haare der Menschen streifen. Ihre Echolot-Ortung verhindert dies – und andere ungewollte Zusammenstöße.

Das große Freigelände bietet jede Menge Eindrücke. Und die Erkundung wird für Kinder und Jugendliche durch altersgerechte Schatzkarten erleichtert, die an der Kasse erhältlich sind. „Nimmst Du es mit Kelten und Römern auf, ohne den ‚Kobolden der Nacht‘ (das sind die Fledermäuse) in die Fänge zu geraten?“ So motiviert geht es durch eine Art Parcours mit 13 oder 18 Fragen. Vorbei geht es an alten Kränen, mit denen die Gesteinsbrocken nach oben gezogen wurden, dem verwunschenen Silbersee in der Tiefe oder den Einfällen zahlreicher Künstler in der Freiluftausstellung.

Zuvor gibt es im Foyer der Anlage mit Schrifttafeln und kleinen Filmen einen Überblick über den Vulkanpark insgesamt. Wer hier aufmerksam zuschaut und die Informationen liest, der kann als kleiner Vulkanologe die Ausstellung besuchen. Und erfahren, wie vielfältig Basalt eingesetzt wurde, auf welche Weise das Gestein geborgen und später bearbeitet wurde.

Sprengmeister

Eine besondere Anziehungskraft mag der rote Buzzer auf sich ziehen, mit dem der Besucher eine Sprengung simulieren kann: Auf Knopfdruck zeigt ein Video zunächst die Sprengung selber mit ihrer folgenden Staubwolke, während die dazu gehörenden Geräusche aus den Lautsprechern dröhnen. Das Handwerkszeug des Sprengmeisters ist ebenso zu sehen wie später die unterschiedlichsten Werkzeuge seit der Römerzeit. Verblüffend, wie „modern“ die alten Hämmer und Äxte heute noch anmuten.

Immer wieder ist der Besucher eingeladen, selbst zu ziehen, zu drehen, zu rollen oder zu heben. Digitale Informationen deuten an, welche Kraft aufgewendet wird und welche nötig wäre, um einen zentnerschweren Steinblock zu bewegen. Das ist ein bisschen wie „Hau den Lukas“ auf der Kirmes, aber hier bekommt der Spaß eine Art wissenschaftlichen Anspruch. Schon im Eingangsbereich gibt es einen Basaltgong: Je nachdem, wie der Stein angeschlagen wird, gibt er einen wohlklingenden, wenn auch dumpfen Ton von sich. Kaum zu glauben, dass dies das gleiche Gestein ist, aus dem Bord- oder Pflastersteine gewonnen wurden, Türstürze oder Fensterlaibungen.

Selbstverständlich geht es auch um die physikalischen Eigenschaften des Basalts, um Gewicht, Aufnahmefähigkeit von Wasser, um Durchbiegungseigenschaften, Abrieb und Druckwiderstand. Und Auskünfte darüber mögen auch – im Mittelalter jedenfalls ohne aufwendige technische Geräte zur Überprüfung – dazu geführt haben, dass diese Gesteinsart etwa auch am Kölner Dom verbaut wurde.

Mayener Mühlsteine waren ein Exportschlager. Schon die Römer hatten entdeckt, dass die Reibfähigkeit des Steins vorzüglich geeignet war, Getreidekörner zu Mehl zu verarbeiten. Sie fertigten kleine, etwa 30 Zentimeter durchmessende kreisrunde Steinplatten, an. Die konnten transportgerecht jeweils einer Soldatengruppe mit auf den Marsch gegeben werden. Später wurden Mayener Mühlsteine an Orte und Länder rund um Nord- und Ostsee verschifft.

Anschaulich wird auf zwei Etagen dargestellt, wie unterschiedlich der Basalt verarbeitet wurde. Und wie noch die fehlgeschlagenen Versuche, eine bestimmte Form zu erreichen, zu Schotter geschreddert wurde. Eine Besonderheit ist der Napoleonhut, eine Form des Reibsteins, die wohl aus der Eisenzeit stammt. Arbeiter fühlten sich nach dem Fund an den Zweispitz des französischen Kaisers erinnert und fanden zunächst die Bezeichnung Bonaparthut, ehe später ein Forscher auf den bis heute geläufigen Namen kam.

Handarbeit

Vieles war Handarbeit, schon draußen im Grubenfeld, durchaus auch gefährlich, wenn die Männer angeseilt in der Steinbruchwand hingen. Oder wenn sie beim Hochwinden der tonnenschweren Steinbrocken die Kraft verließ und der Drehbaum zurückschnellte. Daran mag es auch liegen, dass die Steinbrecher und Steinhauer noch besser bezahlt wurden als die Grubenarbeiter in den Steinkohlerevieren. Im benachbarten Mendig sind die unter Tage entstandenen Höhlen lange als Lagerstätten für das oberirdisch gebraute Bier genutzt worden. In Mayen hat der Tagebau solche Höhlen nicht zugelassen. Bierflaschen gibt es dennoch in Vitrinen zu sehen.

Und es wird auch der blaue Montag erklärt, wobei nicht sicher ist, dass er ausgerechnet hier erfunden wurde: Alle zwei Wochen bekamen die Arbeiter in den Steinbrüchen einen Abschlag auf ihren Lohn. Der folgende Sonntag war Familientag. Und der Montag wurde dann, kein Unternehmer konnte das angeblich unterbinden, dazu genutzt, ein Fässchen Bier zu leeren. Die Lehrjungen hatten zudem Brot und Wurst besorgt. Und so verbrachten die Männer den Tag.

Und um bei den Frauen den Eindruck harter Arbeit zu hinterlassen, hatten die Wirtsleute, bei denen auf dem Heimweg nochmals eingekehrt wurde, eine Kiste mit staubigem Split vor der Tür stehen, mit dessen Hilfe sich die Männer den nötigen Arbeitsschmutz auf Gesicht, Hände und Kleidung rieben, damit die Frauen zu Hause nur ja keinen Verdacht schöpften. Jedenfalls wird es so erzählt.

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