Echt - Im niederländischen Echt erinnert ein Weg an das Leben der Ordensfrau

Im niederländischen Echt erinnert ein Weg an das Leben der Ordensfrau

Von: Martin Thull
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In Echt überall präsent: Edith Stein. Bei einem Rundgang durch die Stadt kann man sich auf ihre Spuren begeben. Foto: Fotoarchief VVV Zuid-Limburg
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Brunnen und alte Häuser im Hansestil: Auch die verleihen dem niederländischen Städtchen eine besondere Atmosphäre. Links der Eingang zum Karmelitenkloster. Foto: Fotoarchief VVV Zuid-Limburg
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Brunnen und alte Häuser im Hansestil: Auch die verleihen dem niederländischen Städtchen eine besondere Atmosphäre. Links der Eingang zum Karmelitenkloster. Foto: Fotoarchief VVV Zuid-Limburg

Echt. Wenn es nicht so bizarr und skurril wäre, könnte man freundlich über die Geschichte lächeln. Aber schließlich geht es um Leben und Tod. Und ganz am Ende um eine Heilige. Der Ursprung mancher Verehrung erscheint gelegentlich kurios. In Echt, einem Städtchen in Limburg in den Niederlanden, etwa 50 Kilometer von Aachen entfernt, ist dieser Ursprung sehr ernst.

Hier lebte im Karmelkloster Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz, mit bürgerlichem Namen Edith Stein. Geboren wurde sie am 12. Oktober 1891 in Breslau, gestorben ist sie am 9. August 1942 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Sie war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, die 1922 zum katholischen Glauben konvertierte und 1933 in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen eintrat.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie „als Jüdin und Christin“ zum Opfer des Holocaust. Sie wird in der katholischen Kirche als Heilige und Märtyrerin verehrt. Auch in Teilen der evangelischen Kirche gilt sie als Glaubenszeugin. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 1. Mai 1987 in Köln selig und am 11. Oktober 1998 heilig. Ihr römisch-katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 9. August. Sie wird angesehen als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden.

Die Kölner Zeit

Sie gilt als eine der wichtigsten deutschen Geisteswissenschaftlerinnen im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre. Sie hat viele Bücher geschrieben. 1933 trat sie in das Kloster der Kölner Karmelitinnen ein. Die „Unbeschuhten Karmelitinnen“ gehören zu einem kontemplativen Reformzweig des Karmelitenordens. Dieser entstand um 1206 aus einer Einsiedlergemeinschaft von ehemaligen Kreuzrittern auf dem Berg Karmel in Israel. In der Mitte des 15. Jahrhunderts schlossen sich erstmals Frauen diesem Orden an. Von Spanien ausgehend wurde der Karmel durch Teresa von Avila (1515–1582), der Lehrmeisterin des Gebetes, und Johannes vom Kreuz (1542–1591) erneuert. Ihre Absicht war es, den Karmel zur ursprünglichen Regel zurückzuführen.

In dieser rein auf der Heiligen Schrift basierenden Regel vereinen sich einsiedlerische und gemeinschaftliche Elemente. Die Säulen des Klosterlebens sind: Leben in der Gegenwart Gottes in wechselndem Rhythmus von innerem Gebet, Arbeit, Lesung, Stundengebet – Zeiten des hörenden Schweigens, der Einsamkeit und des gemeinschaftlichen Miteinanders.

Edith Stein, mit Ordensnamen Schwester Teresia Benedicta a cruce, ist die bekannteste deutsche Karmelitin. Sie hat ein umfassendes philosophisches und geistliches Gesamtwerk hinterlassen. Deshalb ist der Kölner Karmel auch Sitz des Edith Stein-Archivs und der Edith Stein-Stiftung.

Zuhören, helfen, dienen

Über Edith Stein wird berichtet, dass sie die Begabung besaß, anderen zuzuhören, ihnen zu helfen und zu dienen. Ein Wendepunkt in ihrem Leben war ihr begeisterter Übertritt zum katholischen Glauben, nachdem sie die Autobiografie der heiligen Teresa von Avila gelesen hatte. Im Karmel von Echt verfasste sie ihr letztes großes Werk „Kreuzeswissenschaft“. Sie setzte sich auch leidenschaftlich für eine Verbesserung der Stellung der Frauen ein.

Und das ist das Skurrile ihrer letzten Lebensjahre: Um das Kölner Kloster zu schützen, siedelte sie in die Niederlande über. Edith Stein lebte vom 31. Dezember 1938 bis zum 2. August 1942, dem Tag, an dem sie zusammen mit ihrer Schwester Rosa durch die Gestapo verhaftet und deportiert wurde, im Karmelkloster an der Bovenstestraat in Echt. Sie starb den Märtyrertod durch grausame Vergasung im Konzentrationslager Auschwitz.

Der direkte Anlass für die landesweite Deportation der katholischen Juden durch die Besatzungsmacht war der Hirtenbrief der niederländischen Bischöfe, der am 26. Juli 1942 von allen Kanzeln herab vorgelesen wurde. Darin wurde energisch gegen die Judenverfolgungen protestiert. So konnte eine durch und durch gute Absicht wegen böswilligen Missverstehens sich ins Böse wenden. Einerseits wurde in den Nachkriegsjahren katholischen Bischöfen vorgeworfen, nicht eindeutig genug Partei ergriffen zu haben für die verfolgten Juden, als sie es dann in den Niederlanden taten, lieferten sie den Nationalsozialisten den Vorwand zur verschärften Verfolgung Menschen jüdischen Glaubens.

Auch – wie bei Edith Stein und ihrer Schwester Rosa –, wenn diese zum katholischen Glauben übergetreten und getauft waren. 1999 wurde Edith Stein – zusammen mit der hl. Birgitta und der hl. Katharina von Siena – zur Patronin Europas erklärt.

Im klassischen Sinne ist Echt kein Wallfahrtsort zur heiligen Edith Stein. Vielleicht ist ihre Heiligsprechung zu frisch, ihr Leben und Denken sowie ihr Glaubenszeugnis zu schwierig für die Volksfrömmigkeit, die an anderer Stelle zum Motor der Verehrung wird. Dennoch: ein Besuch lohnt sich auch dann, wenn es nicht um eine Pilgerfahrt geht. In Echt, ihrem letzten Aufenthaltsort, ist inzwischen ein Gedenkweg eingerichtet, der Stationen ihres Lebens in Erinnerung ruft.

450 Meter

Der Edith-Stein-Gedenkweg beginnt auf dem Nieuwe Markt. Es gibt dort ausreichende Parkmöglichkeiten. Der Weg vom Bahnhof zu Fuß ist nur etwa 450 Meter lang. Der erste Punkte des Weges das Kriegsdenkmal soll an alle Kriegsopfer aus Echt erinnern. Dazu gehören auch Edith und Rosa Stein. In der Pryerstraat finden die Besucher vor dem Haus Nr. 16 im Bürgersteig eine Gedenkplatte. Von dieser Stelle wurden Edith Stein und ihre Schwester Rosa durch die Gestapo abgeholt.

Wir setzen den Rundgang fort in Richtung Bovenste Straat. In dieser Straße war das Karmelkloster. Die Kapelle ist täglich geöffnet. Wir passieren an der rechten Seite die „Gelrestraat”. Direkt dahinter biegen wir links ab in den „Hofakker”. Bei der „Harlindestraat” gehen wir noch einmal nach links und erreichen schließlich die „Edith Stein-Straat”. Diese Straße an der Rückseite des Klosters ist nach der „Patronin Europas“ benannt.

Nach der Rückkehr zur „Bovenste Straat” gehen wir weiter in Richtung „Plats”. Am Rand des Platzes vor der Kirche sehen wir das Denkmal zur Erinnerung an die Heiligsprechung von Edith Stein. In der Kirche gibt es zwei Edith Steinfenster, das Triptychon mit Darstellungen der Heiligen und den originalen Chormantel der Ordensfrau zu bewundern. Der Schlusspunkt des Rundgangs ist das „Trefcentrum Edith Stein” – mit Bibliothek. Eine Ausstellung und ein Film informieren hier über das Leben und Wirken Edith Steins. Das Informationszentrum an der Diepstraat ist jeden dritten Dienstag im Monat von 9.30 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

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