Region - Erfinder des Saxofons: Dinant feiert Adolphe Sax

Erfinder des Saxofons: Dinant feiert Adolphe Sax

Von: Edda Neitz
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Ein schönes Städtchen an der Maas: Dinant.

Region. Wir nähern uns Dinant auf kurvenreichen Straßen, im sanften Auf und Ab der Täler, durch schöne, dichte Wälder. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Wie Jazzmusik mit tiefen Basstönen und schwungvollem Rhythmus.

In diesem Jahr feiert der malerische Ort an der Maas einen besonderen Geburtstag, und zwar von Adolphe Sax. Vor 200 Jahren, am 6. November 1814, wurde der Erfinder des Saxofons hier geboren.

Obwohl der Künstler nur ein Jahr in Dinant lebte, pflegt die Stadt dieses Erbe rührend. „Wir wollen das Band zwischen Adolphe Sax und seiner Geburtsstadt Dinant enger knüpfen und Sax wieder in seine Geburtsstadt zurückholen.“ Das sagt Mathieu Lalot vom „Centre Culturel de Dinant“. Wurde auch Zeit.

Adolphe Sax, das älteste von elf Kindern eines Instrumentenbauers, verbrachte seine Jugend in Brüssel, studierte dort am Konservatorium Musik, arbeitete in der Werkstatt seines Vaters, bevor er 1840 nach Paris zog und dort das Saxofon patentieren ließ. Doch den Kontakt zu seinen Verwandten in Dinant brach er nicht ab. Verwandte gibt es hier inzwischen nicht mehr, aber dafür ein gutes touristisches Programm.

„Sax and the city“

Nicht erst bis zum Jubiläumsjahr hat die Stadt damit gewartet. Bereits 1990 hat Dinant einen internationalen Adolphe- Sax-Verein (L’Association Internationale Adolphe Sax) gegründet und das Konzept „Sax and the city“ angestoßen.

Wir machen den Anfang mit dem Parcours. Er ist ein Teil des Konzeptes. Mit dem Stadtplan in der Hand und Stadtführerin Aline Glison an der Seite brechen wir auf. „Keine Sorge, in Dinant kann man sich nicht verlaufen“, macht sie uns das Städtchen gleich sympathisch. Der Ort ist tatsächlich einfach zu erkunden. Weil auf der einen Seite schroffe Felsen und auf der anderen Seite grüne Hügel den Uferstreifen der Maas begrenzen, reihen sich die Häuser nur an zwei parallel laufenden Straßen entlang. Hinzu kommt eine Handvoll schmaler Seitenstraßen.

Vergangene Eleganz

Die „Place Reine Astrid“, ein Mittelpunkt und heute ein vielbefahrener Verkehrskreisel, war zur Zeit von Adolphe Sax ein beschaulicher Platz. Kleine Häuser mit geschwungenen schmiedeeisernen Balkongittern zeigen vergangene Eleganz. Daneben erhebt sich imposant die gotische Basilika mit ihrem 120 Meter hohen Zwiebelturm unter dem schroff aufragenden Felsen. Zusammen mit der Zitadelle auf dem Felsen fügt sich das Ganze zu einer stilvollen Silhouette, die sich sehen lassen kann. Von der „Place Reine Astrid“ gehen zwei breite Hauptstraßen ab. Eine davon ist die „Rue Adolphe Sax“. Zeitgenössische Totempfähle, die symbolisch für die gesamte Saxofonfamilie (Saxhorn, Saxtomba und Saxtuba) stehen, weisen uns den Weg bis zur Hausnummer 37 und dem „Maison d’Adolphe Sax“. „Es ist nicht sein Geburtshaus, aber es hat an dieser Stelle gestanden“, sagt Aline Glison.

Das Haus ist klein, die Ausstellung im Erdgeschoss übersichtlich. Statt langweiliger musealer Präsentation erwartet uns eine vielseitige Darstellung zum Lebenswerk des Künstlers. Auf Knopfdruck kommen aus Blasinstrumenten an der Wand Musik und Informationen. Auch für den Eupener Bernd Klever, der an diesem Tag zusammen mit seinem Ensemble Saxofolie für flotte Jazztöne in den Straßen von Dinant sorgt, wäre Jazz ohne Adolphe Sax nicht vorstellbar. Noch bis Anfang September gibt es an Sonntagen Straßenkonzerte, die der internationale Adolphe-Sax-Verein organisiert. „Als wir vor dem Maison spielten, haben einige Zuhörer spontan dazu getanzt“, sagt Bernd Klever.

Keine Frage: Adolphe Sax ist in seinem Jubiläumsjahr noch einmal mehr allgegenwärtig. Zum Beispiel bei den Chocolatiers und Bäckern in der Stadt. Verlockend süße Schoko-Saxofone und herzhafte „Couques de Dinant“, ein den Printen ähnliches Gebäck, in der Form des Instruments schmücken die Auslagen.

„Art on Sax“

Der Fluss, die Maas, spielte schon immer eine große Rolle für die Dinanter – früher als Handelsweg, heute als Freizeitparadies. Das Sonnenlicht spiegelt sich im Wasser. Es bildet einen schönen Kontrast zu den knallig bunten Saxofonen auf der Brücke. Der einzige Flussübergang ist Charles de Gaulle gewidmet. Er hat im Ersten Weltkrieg an dieser Stelle versucht, das Eindringen der deutschen Truppen zu verhindern. Davon erzählt die Freiluftausstellung „Art on Sax“ natürlich nichts.

Aber die 28 drei Meter hohen kunstvollen Saxofone, die stellvertretend für die Mitgliedstaaten der europäischen Union stehen, sorgen für eine heitere Atmosphäre. Die Exponate sind das Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs.

In der Seitenstraße „Rue en Rhée“ haben die Dinanter ein weiteres Unikat geschaffen. Wer in ungewöhnliche Klangwelten eintauchen möchte, findet seinen Platz im „Maison de la Pataphonie“, dem ältesten Haus der Stadt. Hier wird mit Alltags-Gegenständen musiziert. Mit Bügeleisen auf Autoreifen, mit extra großen Sauerkrautdosen und Tontöpfen, die in Wasser getaucht werden. Ein interessantes Haus für alle, die gerne mit Musik experimentieren.

Eine Straßenecke weiter, im Hof des Rathauses, steht ein weiteres Highlight für Saxofonfreunde, aber vielleicht noch mehr eines für Liebhaber der Glaskunst: die Glasskulptur „Monsieur Sax Klepsydra“. Der belgische Glaskünstler Bernard Tirtiaux hat das Prinzip der Klepsydra für die vorgegebene Zeitperiode genutzt. Klepsydra nannte man im antiken Griechenland die Wasseruhren, die nach dem Prinzip einer Sanduhr funktionieren. 273 Tage lang vom 7. Februar, dem Todestag Adolphe Sax’, bis zum Tag seines 200. Geburtstages am 6. November 2014 perlt im Acht-Sekunden-Takt ein Wassertropfen in das vier Tonnen schwere Glaskunstwerk. Die moderne Glasskulptur ist das Jubiläumssymbol.

Und die Comics

Jetzt fehlen noch die Comics. Die Sprache der Belgier schlechthin. Burlesk und mit einem Schuss Poesie geben Werke von rund 30 belgischen Comic-Strip-Künstlern, Karikaturisten und Cartoonisten, ausgestellt in den verschiedenen Schaufenstern und verteilt auf die ganze Stadt, dem Parcours noch eine lockere, zwanglose Note.

Dinant soll die Stadt werden, an die man sofort denkt, wenn von Adolphe Sax die Rede ist. Im Oktober treffen sich Jazz-Musiker wieder zum internationalen Musikwettbewerb in Dinant. Das ist alle vier Jahre so. Dann werden nicht nur die Dinanter die warmen, vollen Töne des Saxofons in den Ohren haben. Auch Tausende Besucher. Davon ist nicht nur Stadtführerin Aline Glison überzeugt.

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