Die idyllische Landschaft, die vor 200 Jahren ein Schlachtfeld war

Von: Edda Neitz
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Alle Jahre wieder: Statisten stellen die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 nach. Die Vorbereitungen für die Jubiläumsveranstaltung laufen. Foto: Didier Brancart
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Sportprogramm: Wer auf den Löwenhügel will, muss Treppen steigen. Einen Lift gibt es nicht. Foto: JP Remy

Der Aufstieg zum Löwen ist erstes Pflichtprogramm für jeden Besucher. 226 Stufen führen hinauf zu dem Bronzetier, das majestätisch auf dem künstlich aufgeschichteten Hügel südlich von Waterloo thront. Er blickt in die Richtung, aus der am 17. Juni 1815 die Armee Napoleons kam und wohin sie am Abend des 18. Juni floh.

Kein Aufzug fährt hinauf. Doch das Sportprogramm lohnt sich. Die Aussicht gibt den Blick frei auf die liebliche Landschaft von Brabant vor den Toren Brüssels. Sanfte Hügel bis zum Horizont, weite Getreidefelder und beschauliche Wäldchen. Diese Idylle war 1815 ein Schlachtfeld, auf dem 260.000 Soldaten kämpften. „Seitdem hat sich kaum etwas verändert, weil ein Sondergesetz die Bebauung verhindert“, klärt uns Etienne Claude auf. Er leitet die Vereinigung „Bataille de Waterloo 1815“, die seit mehr als 20 Jahren die jährlich stattfindende Nachstellung der berühmten Schlacht von Waterloo organisiert.

Ein Glücksfall

Als Napoleon Bonaparte vor 200 Jahren nach Waterloo kommt, will er das Land erobern, um seiner Vision von einem vereinten Europa – unter französischer Regie natürlich – wieder näher zu kommen. Weil es nachts zuvor stark geregnet hat, bricht er am 18. Juni 1815 später auf. Ein Glücksfall für die Armee des englischen Herzogs von Wellington, denn somit kommt ihnen die preußische Armee unter Marschall Blücher rechtzeitig zur Hilfe.

An starken Regenfall will Etienne Claude in diesem Gedenkjahr gar nicht denken. Bei 5000 Statisten, die mit Duschen, Toiletten, Betten, Essen und Trinken auf dem Feld in ihren Biwaks versorgt werden müssen, könnte das zu einem Chaos führen. Die Akteure hätten dann genau wie 1815 auch noch Schlamm und Dreck an ihren blütenweißen Hosen der historischen Armeekleidung. Auch der Matsch von den 300 Pferden, mit denen die Kavallerie über die Äcker galoppieren wird, wäre immens. Die Landwirte sind allerdings auf alles vorbereitet. „Außerdem bekommen sie eine finanzielle Entschädigung“, erklärt der Leiter der „Bataille de Waterloo 1815“.

Das Bewegende an Waterloo ist aber nicht die Schlacht allein. Es ist der Mythos, der um den kleinen Franzosen mit dem Zweispitz auf dem Kopf entstanden ist. Obwohl Napoleon Bonaparte verliert und die Armee von Wellington gemeinsam mit der von Blücher den Sieg davonträgt, bleibt Napoleon der Star von Waterloo. Dafür hat Monsieur Claude eine Erklärung, „Napoleon war ein Mann mit vielen Ideen, der es auch gut verstanden hat, diese zu kommunizieren“.

Alt und neu

Wie kam es zur Schlacht von Waterloo? Dieser Frage können Besucher schon bald in dem neuen, unterirdischen Memorial am Fuß des Löwenhügels nachgehen. Die Eröffnung ist für Mitte Mai geplant. Eine Rampe, flankiert von 24 schwarz glänzenden Gedenksteinen mit den Namen der Regimenter führt zum Eingang der 6000 Quadratmeter großen Ausstellungshalle hinunter.

Mit den neuesten Informationstechnologien – wie beispielsweise 3D- Filmen – werden Waterloo-Besucher durch die Geschichte geführt. Neben dem neu erbauten Memorial erhebt sich am Löwenhügel auch das alte „Panorama“, ein Rundbau von 1912. Der enthält nicht nur das drittgrößte Panoramabild Europas mit Szenen der Schlacht, sondern ist darüber hinaus ein denkmalgeschütztes Beispiel, wie historische Ereignisse früher museumspädagogisch vermittelt wurden.

In der Stadt Waterloo selber erinnert nur die historische Poststation in der Hauptstraße an die große Geschichte. Hier hatte der Herzog von Wellington sein Hauptquartier. Das alte Fachwerkgebäude beherbergt heute das „Wellington Museum“. Knarzende, verwinkelte Treppen, über die die einzelnen Räume zu erreichen sind, vermitteln etwas Atmosphäre, während die Sammlung von Waffen, Zeichnungen und einigen persönlichen Gegenständen Wellingtons eher den Eindruck einer zwanghaften Ausstellung historischer Erinnerung herbeiführt.

Noch einmal ganz nah an Napoleon ist man im Bauernhof „Le Caillou“, zwischen Waterloo und Genappe. Hier verbrachte Napoleon die letzte Nacht vor der entscheidenden Schlacht. Die Tische, auf denen er die großen Landkarten ausgebreitet und seinen Leuten die Strategie erklärt hatte, stehen heute noch in dieser Anordnung im Esszimmer. Gezeigt werden außerdem eines seiner Feldbetten, seine Totenmaske, eine Haarprobe und viele Funde vom Schlachtfeld. Bleibt noch der Gutshof von Hougemont, in dem englische Soldaten von Napoleon angegriffen wurden. Auch er bekommt für die große Gedenkfeier eine Auffrischung. Denn hier wird im Juni der Startschuss für die Jubiläumsfeiern fallen.

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