Ausflugsziele in Ostbelgien: So wird Natur zum Erlebnis

Von: Edda Neitz
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Wasserstelle: Sollte der Sommer tatsächlich seinem Ruf gerecht werden, gäbe es hier eine Möglichkeit, sich abzukühlen. Foto: Tourismusagentur Ostbelgien

Nein, langweilig muss ein Waldspaziergang für Kinder nicht sein. Auch wenn sich Hase und Reh nicht blicken lassen. „Im Wald gibt es immer etwas zu entdecken“, sagt Dany Heck. Er tüftelt für die Region Ostbelgien sämtliche Wander- und Radwege aus.

Nun hat er unter dem Motto „Raus in die Natur“ elf Ausflugsziele für Familien im deutschsprachigen Ostbelgien ausgewählt. Er hat sie in der Broschüre „Kids on tour“ zusammengefasst. „Beim Wandern mit Kindern kommt es auf eine gute Planung an“, erklärt er seine Motivation. „Wandern ohne Abwechslung ist für Kinder ein Graus.“

Ist die Wanderung nicht allzu lang? Und kann man Kinder unterwegs animieren, sich die Dinge genauer anzusehen? Dann sind die Voraussetzungen für einen Familienausflug gut. Der Naturlehrpfad in Heppenbach ist dafür ein gutes Beispiel. Er startet rund 400 Meter hinterm Ortsende, am Parkplatz Grillhütte. Je nach Tempo dauert er circa eine Stunde.

„Wir sollten uns die Zeit nehmen und mit offenen Augen den Wald erkunden“, rät Dany Heck. Schon der Baum am Eingang des Pfades zeigt uns, dass es hier mehr als Wald zu sehen gibt. Die Baumkrone eines 350 Jahre alten Baumes ziert nicht mehr ein grünes Blätterdach, sondern eine eigenwillige Eisenkonstruktion. Sie ist als Hinweis zu verstehen, dass auch Kunst und Skulpturen auf dem Weg stehen. Elf Kunstobjekte schmücken noch heute dieses Waldgebiet. Bei einem Wettbewerb vor rund zehn Jahren waren sie ausgewählt worden.

Die ersten Meter des Weges geht es steil aufwärts. Hecken, Sträucher und Bäume, aber genauso Totholz gehören hier zum typischen Waldbild. Die Bedeutung des Waldes ist das Thema der ersten Station. Anschauliche Tafeln informieren über die Nutz- und Erholungsfunktion des Waldes. Die einzelnen Stationen liegen nicht weit auseinander. Auch ist der Pfad durchgängig mit einem blauen Punkt beschildert. Er dürfte also nicht zu verfehlen sein.

Schon bei der nächsten Station, steht eine kleine Besichtigung an. Inmitten der Bäume, abseits des Weges, steht ein Glaspavillon. Bahnt sich sanftes Sonnenlicht durch das Laubdach der Bäume, dann erhält das Haus einen verwunschenen, geheimnisvollen Charakter. Auf die Glaswände sind zahlreiche Wald- und Märchengeschichten in verschiedenen Sprachen geschrieben. Sie laden dazu ein, in das Glashaus zu treten.

Auf vielfältige Art und Weise können die Wanderer bei den nächsten Stationen ihre Sinne testen. Waldlaub, Tannenzapfen, Moos und vieles mehr liegen in den Tastkästen, die am Wegrand stehen. Mit einer Waldorgel, die aus verschiedenen Holzpfählen besteht, lässt sich erkunden, wie unterschiedlich das Holz von Buche und Fichte klingt. Auch Größe und Form der Holzstücke spielen dabei natürlich eine Rolle.

Allen gemeinsam aber ist der warme, natürliche Ton. Dass Geduld und Beobachtungsgabe bei einem Waldspaziergang lohnend sein können, erkennen wir bei der Beobachtungswand. In eine Wand aus transparentem Stoff in der Tarnfarbe des Waldes sind Fenster eingelassen. Wer hindurchschaut, sieht ein Wildschwein genüsslich im Wald stehen oder einen Specht an den Baum klopfen. Man muss sehr genau hinsehen, wenn man die Tier-Attrappen finden will.

Mit welch erstaunlichen Fähigkeiten Waldtiere ausgestattet sind, um Nahrung zu finden oder dem Feind zu entfliehen, erkennen wir bei der Springbahn. Vor uns liegt ein großer Sandkasten. Hier können wir uns im Weitsprung mit den Waldtieren messen. Wir lernen anhand einer Skala, dass der Hirsch mit neun Metern am weitesten springt. Erstaunlich: Das durchschnittliche Eichhörnchen schafft immerhin beachtliche vier Meter.

Kunst und Information gleichermaßen bietet ein Spinnennetz, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist. Es veranschaulicht die Verflechtungen zwischen Pflanzen- und Tierwelt sinnbildlich. Es lohnt sich, hier kurz zu verweilen, um die eine oder andere Nahrungskette zwischen Waldtieren und -pflanzen zu ermitteln. An anderer Stelle befindet sich ein kleines Waldlabor. Hier können die jungen Waldforscher die Filterwirkung des Waldbodens untersuchen und feststellen, wie Wasser beispielsweise durch eine Schicht Erde oder Laub rinnt.

Abwechslungsreich ist auch der Pfad selbst. Er führt nicht immer auf dem breiten Waldweg entlang. Hier und da geht es ein Stück in die Wildnis hinein. Oder wir gehen durch einen Bogengang aus Hainbuchen oder durch einen dunklen Laubtunnel. Ein anderes Mal überqueren wir auf einer schmalen Holzbrücke das Flüsschen Amel. Der Pfad ist in die Jahre gekommen. Das zeigen die Verwitterungen an manchen Tafeln. Doch zum Ausgleich leuchtet die Natur – zum Beispiel Kräuter und Moose, die die Wege säumen – prächtig zwischen den Waldgehölzen.

„Spiel und Spaß sollten immer an erster Stelle stehen“, sagt Heck. Frische Luft macht hungrig, und spätestens, wenn die ersten Anzeichen von Müdigkeit und Langeweile auftreten, heißt es: eine Pause machen. Ein Picknick im Wald kann auch wieder die Begeisterung wecken. Auf dem Naturlehrpfad bietet sich der Platz beim Waldtheater an. Hier stehen nicht nur große „Holzstühle“. Auch eine kleine Waldbühne lädt zum Spielen ein.

Und da die Wanderung allen Spaß machen soll, sollte sie dem Alter und dem Können der Kinder angepasst sein. „Außerdem ist es sinnvoll, die Kinder ab einem gewissen Alter in die Ausflugsplanung mit einzubeziehen“, sagt der erfahrene Naturführer. Mit einer besonderen Vorbereitung für eine Wanderung lässt sich die Neugier bei den Kindern wecken.

„Die Wassermühle für unsere Wanderung zu dem Bach bei Xhoffraix musste ich gleich zweimal mit meinen Töchtern bauen“, sagt Dany Heck. „Eine Bastelarbeit ist für viele Kinder ein guter Lockvogel.“ Anleitungen dazu finden sich in der Broschüre „Kids on tour“.

Zu den weiteren Wander- und Radausflüge für Familien zählt der Weg zum Arboretum bei Hestreux. Wie in einem riesigen Garten werden die verschiedenen Arten der Nadelbäume vorgestellt. Einen Spaziergang via GPS-Daten schlägt Dany Heck für das Holzwarchetal bei Rocherath vor. Einfache und praktische Radwanderwege führen – beispielsweise – auf dem Moorpfad oder das Hohe Venn oder am Eupener Stausee entlang.

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