Aachen - „Er oder ich“? Ulla Thönnissen muss gehen

„Er oder ich“? Ulla Thönnissen muss gehen

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
16430381.jpg
Aus fünf mach drei: Vorsitzende Ulla Thönnissen (Mitte) und Schatzmeister Dieter Claßen (l.) treten aus dem Vorstand der CDU zurück. Es bleiben vorerst die Stellvertreter Wolfgang Königs (2.v.l.), Margrethe Schmeer und Holger Brantin. Der nächste Parteitag ist am 20. April. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am vergangenen Freitag sagte sie in der Aachener Zeitung über ihren Streit mit dem Ex-CDU-Geschäftsführer Harro Mies: „Einer von uns beiden muss gehen. Wenn er bleibt, gehe ich.“ Jetzt steht fest: Sie geht. Zum nächsten Parteitag am 20. April haben die Aachener CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen und der amtierende Schatzmeister der Partei, Dieter Claßen, ihren Rücktritt erklärt.

Und das, obwohl noch gar nicht feststeht, wie es mit dem weiteren Verbleib von Harro Mies in der CDU-Geschäftsstelle aussieht.

Aber am Ende ging es wohl nicht nur um den Zoff zwischen der Vorsitzenden und einem unliebsamen Geschäftsstellenmitarbeiter, sondern um das desaströse Gesamtbild, das diese Schlammschlacht vom aktuellen Zustand der Aachener CDU zeichnete. Thönnissen hatte Mies auch gegenüber der Landespartei als „miesen Charakter“ bezeichnet. Da half am Ende auch eine schriftliche Entschuldigung nicht mehr. Das Echo auf diesen Zoff und ihre unverhohlene Rücktrittsdrohung war in der eigenen Partei verheerend: Thönnissens verbliebene Mitstreiter gingen auf Tauchstation, ihre innerparteilichen Gegner in die Vollen. Von einer schlecht geführten und „leidenden“ Partei war da die Rede, von „untragbarem“ Verhalten der Vorsitzenden.

Fakt ist: Als Thönnissen am vergangenen Sonntag von einer mehrtägigen Reise nach Hamburg zurückkam, stand sogleich ein Termin mit ihren engsten Vorstandskollegen auf dem Programm. Mit dem geschäftsführenden Kreisvorstand beriet sich die Vorsitzende – zum ihm gehören neben ihr und Claßen auch die Stellvertreter Holger Brantin, Wolfgang Königs und Dr. Margrethe Schmeer –, und dem Vernehmen nach war es eine sehr lange Sitzung. Ergebnis: Rücktritt.

„Ich kann bestätigen, dass Frau Thönnissen und Herr Claßen uns ihren Rücktritt mitgeteilt haben. Alles Weitere erfragen sie bitte bei den Betreffenden selbst“, bestätigt Holger Brantin am Montagabend den Rücktritt der Vorsitzenden gegenüber der AZ. Auch das passt in dieses merkwürdige Bild, das die Aachener CDU in diesen Tagen bietet: dass der Stellvertreter den Rücktritt der Vorsitzenden bestätigen muss. Thönnissen teilt der AZ, mit der sie am Montag mehrere Telefonate führt, nicht mit, dass sie das Handtuch wirft – und geht später auf Tauchstation und ist für Anfragen nicht mehr erreichbar.

Über diese Informationspolitik ärgern sich aber auch Parteifreunde. Denn: Eigentlich war dem Vernehmen nach in der CDU-Spitze vereinbart worden, dass Thönnissen den erweiterten Kreisvorstand am Montagnachmittag per Mail von ihrem Schritt unterrichtet. Was aber offenbar ausblieb. „Sehr irritierend“, findet das zum Beispiel Annika Fohn, die Vorsitzende der Jungen Union: „Uns nicht zu informieren, ist kein feiner Zug.“ Besser leben können die jungen Christdemokraten dagegen mit dem (Rück-)Zug der Parteichefin: „Wir begrüßen das, das war die einzige richtige Entscheidung, die sie noch treffen konnte“, sagt Fohn – und äußert auch ihren „Respekt“ vor diesem Schritt, „weil es für sie eben keinen Rückhalt mehr gab“.

Das kann man wohl so sagen: In den vergangenen Tagen mehrten sich die Hinweise, dass unter Thönnissens Führung in der Aachener CDU einiges im Argen lag. In der Partei werde kaum noch politische Arbeit geleistet, hieß es da immer häufiger hinter vorgehaltener Hand, es gehe zu sehr um Egoismen und Eitelkeiten. Und auch Thönnissens Umgang mit ihren Mitarbeitern in den vergangenen Jahren wurde auf diese Weise kritisiert: Die Rede war da sogar von einer regelrechten „Verschleißliste“.

Ohne vorgehaltene Hand und ganz offen hatte vor allem Ratsherr Ralf Demmer, der Vorsitzende des Stadtbezirksverbandes Lousberg, die Vorsitzende kritisiert. Kurz vor dem Parteitag im vergangenen November machte er die Ungereimtheiten um die Bezahlung eines Wahlvideos für Thönnissens Landtagswahlkampf, um das Hin- und Herbuchen von Spenden öffentlich. Die Vorsitzende wurde zwar wiedergewählt, erhielt aber nur noch 62 Prozent der Stimmen – fast schon eine Ohrfeige. Und Gutachten mussten eingeholt werden, ob die ganze Sache tatsächlich buchhalterisch und juristisch sauber war. Die Gutachter gaben ihr Recht, doch bleiben bei manchen in der CDU nach wie vor Zweifel.

Demmer beispielsweise will das Rechtsgutachten sehen, von der auf dem Parteitag groß propagierten „Transparenz“ hat er nach eigenem Bekunden noch nicht viel gespürt. Und er ist nach wie vor der Meinung, dass Thönnissen als einzige Kandidatin – wie er es schon auf dem Parteitag öffentlich gesagt hatte – der innerparteilichen Verpflichtung zu einer eigenen Spende nicht nachgekommen ist. „Es stimmt definitiv nicht, dass sie eine entsprechende Spende an die Kreispartei geleistet hat“, sagt er auch heute noch. Und diese Frage sei auch mit Thönnissens Abgang nicht abschließend geklärt – auch wenn er ihren gemeinsamen Rücktritt mit dem Schatzmeister „richtig und konsequent“ findet. Ulla Thönnissen geht, aber ein bisschen klingt es so, als könne sie da noch etwas einholen. Und als wäre selbst mit diesem Rücktritt für die Aachener Ratsfrau und Vorsitzende der CDU-Fraktion im Städteregionstag die Geschichte noch nicht zu Ende.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert