Traumteam sucht Stelle: Job-Sharing immer populärer

Von: Claudia Holder
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Beim Job-Sharing teilen sich zwei Personen eine Stelle. Damit das klappt, ist eine gute Kommunikation das A und O. Foto: Diagentur

Aachen . Montags ist Sandra Rathmann dran. Die 36-jährige Projektleiterin bei Bosch sitzt im Büro, entwickelt Konzepte, leitet Workshops, hält Meetings – Arbeitsalltag einer Führungskraft. Bis Mittwoch ist Rathmann im Büro, donnerstags und freitags arbeitet sie vormittags im Home Office. Verwaist ist ihr Arbeitsplatz trotzdem nicht – Job-Sharing-Partnerin Susanne Klement ist ab Dienstag vor Ort für den Chef und die Kollegen ansprechbar.

„Eine von uns ist immer da“, erklärt Rathmann. Einen Tag verbringen beide Frauen für Koordinierungsaufgaben gemeinsam im Büro, der Rest der Absprachen läuft über Telefonate und E-Mail. Job-Sharing heißt das Teilzeit-Arbeitsmodell, bei dem sich mehrere Beschäftigte einen Arbeitsplatz teilen. Häufig sind die Job-Sharer dabei selber für die Aufteilung der Arbeitszeit und der Inhalte verantwortlich. „Unser Chef sieht uns als Ganzes. Wenn er eine Aufgabe stellt, will er ein Ergebnis von uns – wie das zustande kommt, wer das macht, ist ihm egal“, sagt Rathmann.

„Eine Win-Win-Situation“

Seit Jahren wächst die Zahl der Job-Sharing Arbeitsverhältnisse in deutschen Unternehmen. Praktizierten 2003 nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln 9,1 Prozent Unternehmen Job-Sharing, waren es 2009 schon 20,4 Prozent. Christiane Flüter-Hoffmann vom IW ist sicher, dass die Zahlen weiter gestiegen sind. „Es ist im Prinzip ja auch eine klassische Win-Win-Situation.“ Gute Job-Sharing-Teams sind of sehr produktiv.

Kein Rechtsanspruch

Gründe für Jobsharing gibt es viele: Vor allem weibliche Beschäftigte wünschen sich geringere Arbeitszeiten, zum Beispiel um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Möglich ist aber auch, einen Stellenumfang von über 100 Prozent auf zwei oder mehr Mitarbeiter zu verteilen. Die gesetzlichen Grundlagen regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz: „Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass mehrere Arbeitnehmer sich die Arbeitszeit an einem Arbeitsplatz teilen.“

Einen Rechtsanspruch auf Job-Sharing gibt es jedoch nicht. Selten sind Job-Sharing-Stellen ausgeschrieben. „Das passiert meistens auf Initiative der Mitarbeiter“, berichtet Barbara Sarx-Lohse, Mitbegründerin von Flexperten, einem Jobportal für flexibles Arbeiten. Gerade in kleineren Unternehmen ist die Skepsis gegenüber der Arbeitsplatzteilung groß, vor allem, was interne Kommunikation und höhere Sozialabgaben angeht.

Überzeugungsarbeit

Auch Sandra Rathmann und Susanne Klement mussten Überzeugungsarbeit leisten: „Eine Gehaltssimulation zeigte, dass die Kosten für Gehalt und Sozialabgaben nur um rund zehn Prozent teurer sind als bei einer Vollzeitstelle“, erzählt Rathmann. „Dafür ist unsere Stelle immer besetzt, egal ob mal eine krank oder im Urlaub ist.“

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