Wincent Weiss: Vom Restaurant auf die Bühne

Von: Katrin Fuhrmann
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Wincent Weiss Fuhrmann
Bekannt durch seinen aktuellen Titel „Feuerwerk“: Wincent Weiss. Foto: Katrin Fuhrmann
Wincent Weiss Fuhrmann
Wincent Weiss bei einem Konzert in Köln. Foto: Katrin Fuhrmann
Wincent Weiss Fuhrmann
Der 24-jährige Wincent Weiss ist gerade auf Deutschlandtour. Foto: Katrin Fuhrmann
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Wenn er nicht Musiker geworden wäre, wäre er jetzt wohl Erzieher, sagt Weiss. Foto: Katrin Fuhrmann
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Nach vier Jahren bringt er jetzt sein erstes Album heraus. Foto: Katrin Fuhrmann

Köln. Bei einer Casting-Show flog Wincent Weiss vor Jahren raus. Jetzt startet der 24-Jährige als Pop-Sänger durch und ist zurzeit auf großer Deutschlandtour. Im Interview verrät er, wie seine Lieder entstehen.

WirHier: Du bist zurzeit mit deiner zweiten eigenen Tour unterwegs, hast aber auch schon auf vielen Festivals gespielt. Was gefällt dir besser?
Wincent: Die Festivals sind momentan noch viel größer als meine Tour. Die eigene Tour ist aber viel krasser, weil die Menschen nur wegen mir kommen. Alle kennen die Songs, alle machen mit, und alle sind euphorisch. Die Atmosphäre ist gerade in kleinen Hallen sehr intim. Festivals sind da eher anonymer.

WirHier: Mark Forster, Tim Bendzko, Clueso oder auch Max Giesinger – die Liste der deutschsprachigen Sänger ist lang. Was unterscheidet dich von den anderen?
Wincent: Selbst wenn die Musik ähnlich klingt, wir sind alle unterschiedliche Menschen. Jeder hat eine andere Art Musik zu produzieren, und jeder drückt mit seinen Songs auch etwas anderes aus. Jeder schreibt über seine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen, und die sind natürlich bei jedem individuell.

Siehst du andere deutschen Musiker als Konkurrenten?
Wincent: Man gönnt dem anderen den Erfolg und freut sich für ihn. Max Giesinger könnte zum Beispiel mein Konkurrent sein, aber ich sehe uns eher als Kumpels. So sehe ich das zumindest, vielleicht sieht er das aber auch ganz anders (lacht).

WirHier: Viele Künstler beziehen in diesen politischen Zeiten Stellung. Du hältst dich damit eher zurück. War das eine bewusste Entscheidung?
Wincent: Ich wollte mich bei meinem ersten Album politisch raushalten. Ich möchte etwas von mir zeigen. Die Menschen sollen mich besser kennenlernen. In jedem Song zeige ich eine andere Seite von mir. Politik geht zwar jeden etwas an, aber speziell politische Songs wollte ich fürs erste Album erstmal nicht schreiben. Ganz ausschließen würde ich das für die Zukunft aber nicht.

WirHier: Im April kommt nach vier Jahren Arbeit dein erstes Album auf den Markt. Wieso hat das so lange gedauert?
Wincent: Ich habe nicht hauptberuflich Musik gemacht. Ich habe das anfangs neben der Schule gemacht. Nach der Schule war ich ein Jahr in München und habe dort in einem Restaurant gearbeitet, um Geld zu verdienen. Da blieb nicht viel Zeit, um Songs zu schreiben. Erst als ich den Plattenvertrag unterschrieben habe, habe ich angefangen, mich komplett auf die Musik zu konzentrieren.

WirHier: Der Titel deines ersten Albums heißt „Irgendwas gegen die Stille“. Von welcher Stille ist die Rede?
Wincent: Die Stille, die da ist, wenn man das Album nicht hört (lacht). Der Satz ist ein Zitat aus dem Song „Musik sein“, der Song, der alles ins Rollen gebracht hat. Ich hoffe, dass sich die Menschen mit den Liedern identifizieren können.

WirHier: Kannst du ein bisschen mehr über dein Album verraten?
Wincent: Es gibt ganz unterschiedliche Lieder auf meinem Album. Es sind ein paar Balladen dabei, aber auch schnellere, rockigere Songs. Mein Lieblingssong auf dem Album heißt „Nur ein Herzschlag entfernt“. Das Lied habe ich für meine kleine Schwester geschrieben, die ich wegen der Tour zurzeit nicht so oft sehe.

WirHier: Viele Musiker machen schon seit der Kindheit Musik. Bei dir sieht das anders aus.
Wincent: Ja. Ich habe eigentlich erst mit 17 Jahren mit der Musik angefangen. Ich habe ein bisschen Gitarre gespielt und gesungen. Ich hab Musik eher so nebenbei gemacht.

WirHier: Aber du hast es dann doch versucht.
Wincent: Ja, sehr zum Leidwesen meiner Eltern. Die fanden das anfangs gar nicht so cool, als ich meinen Job im Restaurant gekündigt habe und gesagt habe, dass ich mich auf die Musik konzentrieren will. Mittlerweile freut sich meine Mutter aber für mich und ist sehr stolz.

WirHier: In einem deiner neuen Songs heißt es „Lass uns leben wie ein Feuerwerk“. Wie sieht ein Leben wie ein Feuerwerk aus?
Wincent: Die Menschen sollten die Momente wieder viel mehr genießen. Gerade bei Konzerten ist mir aufgefallen, dass viele den Moment nicht richtig wahrnehmen. Sie schauen nicht auf die Bühne, sondern auf ihr Smartphone. Viele bekommen die Stimmung gar nicht mit, weil sie so mit dem Filmen beschäftigt sind. Dann ist das Konzert vorbei, und man hat den Moment gar nicht erlebt. Man sollte im Leben einfach mehr darauf achten, was um einen herum passiert, damit man auch die kleinen Dinge wahrnehmen und genießen kann. Dann kann man alles viel mehr wertschätzen.

WirHier: Welche Momente genießt du momentan am meisten?
Wincent: Natürlich die auf der Bühne. Wenn ich aber nicht gerade Konzerte gebe, versuche ich viel zu schlafen. Aber das klappt oft nicht so richtig. Ich fahre gerne Skateboard und mache das auch zwischen den Konzerten oft. In der Zeit, die man frei hat, versucht man ein bisschen runterzukommen, Serien zu schauen und zu entspannen.

WirHier: Zeit für die Familie bleibt da sicher kaum.
Wincent: Das stimmt. Ich versuche aber regelmäßig, sie zu besuchen. Meine engsten Freunde verstehen, dass ich viel unterwegs bin und nicht mehr so viel Zeit habe wie früher.

WirHier: Was würdest du machen, wenn du nicht Musik machen würdest?
Wincent: Ich wäre Erzieher geworden. Ich hab früher Praktika im Kindergarten gemacht, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich wollte immer etwas mit Kindern machen. Eine Zeitlang habe ich Sport mit Kindern von zwei bis sechs Jahren gemacht, um ihre motorischen Fähigkeiten zu schulen. Das würde ich gerne wieder machen. Wenn es irgendwie möglich wäre, würde ich gerne zwei bis drei Mal die Woche vor den Konzerten etwas mit Kindern machen. Das wäre toll.


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